Am 15. Januar 2009 musste ein Flugzeug der Airline US Airways nach dem Ausfall beider Triebwerke auf dem New Yorker Fluss Hudson notlanden: Der Airbus A320 war mit Wildgänsen kollidiert. Mit seiner spektakulären Notwasserung rettete der Pilot Chesley "Sully" Sullenberger sich selbst und allen 154 Passagieren und Crew-Mitgliedern an Bord das Leben.

Sully ging als "Held vom Hudson" in die Geschichte ein. Der frühere Militärpilot schrieb noch im selben Jahr eine Biografie. Darin sparte er nicht mit Kritik an seiner Branche: Die Piloten seien nur noch bessere Busfahrer, die ständig unter Druck stünden und mittlerweile das Flugzeugessen selbst bezahlen müssten. Ein Angebot der republikanischen Partei, für den Kongress zu kandidieren, lehnte er ab.

Die US-Verkehrsbehörde leitete nach der Notlandung eine Untersuchung ein. Man kam zum Schluss, dass Sully und sein Team richtig gehandelt hatten. Dies, nachdem Computersimulationen gezeigt hatten, dass eine Rückkehr zum Startflughafen La Guardia in New York City möglich gewesen wäre. Allerdings vernachlässigten die Berechnungen, dass die Besatzung Zeit brauchte, um die Situation zu erfassen und zu beurteilen; hätte Sully das Flugzeug ohne nachzudenken gewendet, hätte er einen Crash in dichtbesiedeltem Gebiet in Kauf genommen.

Nach der Notlandung arbeitete Sullenberger in einer Arbeitsgruppe für Flugsicherheit bei US Airways, wirkte aber weiterhin auch im Cockpit. 2010 ging er in Rente. Er engagierte sich aber auch danach in der Debatte um Flugsicherheit, etwa als Experte beim Rundfunksender "CBS News". Der Airbus A320 kam ins Luftfahrtmuseum von Charlotte im Bundesstaat North Carolina – in jene Stadt hätte Sullys verhängnisvoller Flug gehen sollen.

Besuch im Emmental

2011 war Sullenberger mit seiner Frau zu Besuch im bernischen Wynigen – von dort wanderten seine Vorfahren einst in die USA aus. Ausserdem hielt er am Swiss Economic Forum in Interlaken eine Rede. 2012 kam sein zweites Buch auf den Markt.

Chesley Sullenberger und Ehrfrau Lorrie danken Wynigens Gemeindepräsident Peter Heiniger (ganz links) und dessen Frau Christine für das Andenken an den Besuch auf dem Oberbühlchnubel.

  

Sullenberger und seine Heldentat wurden 2016 wieder zum Thema, als Clint Eastwoods Streifen "Sully" in die Kinos kam. Die Verfilmung der Notlandung mit Tom Hanks in der Hauptrolle erntete gute Kritiken. Der Film zeigt auch, wie die Behörden die Entscheidung des Piloten in Frage stellten und wie Sully die Ereignisse und den folgenden Rummel verarbeitete.

Der Pilot aus Texas verschwand nie ganz von der Bildfläche. Er unterhält ein Facebook-Profil mit mehr als einer halben Million Abonnenten. Dort teilt er seine Meinung zu Themen der Luftfahrindustrie, aber auch Persönliches wie dieses Neujahrsfoto seiner Familie:

Zuletzt machte Sullenberger im letzten Oktober vor den US-Zwischenwahlen von sich reden. In einem vielbeachteten Meinungsartikel in der "Washington Post" rief er seine Landsleute auf, wählen zu gehen. Er schrieb, das Fundament der Nation stehe unter Attacke. "Das ist nicht das Amerika, das ich kenne und liebe. Wir sind besser als das." Er sei für die ersten 85 Prozent seines Lebens als Republikaner registriert gewesen, habe aber immer als Amerikaner gewählt. Er werde Anführer wählen, die gemeinsamen Werten verpflichtet seien und nicht mit niederen Reizen spielten. Den Namen von Präsident Donald Trump nannte er nicht.

Sullenberger lebt mit seiner Frau und den zwei Töchtern in der Metropolregion von San Francisco. Er nutzt auch zehn Jahre nach der Notlandung seine Bekanntheit für öffentliche Auftritte in der Zeitung, in den Sozialen Medien und im Fernsehen. Als Held zelebriert er sich aber auch heute, zehn Jahre nach der Notlandung, nicht. (mwa/sda)