Jahrelang haben Frauen versucht, sie loszuwerden, Hunderte Tipps umgesetzt, um die lästigen Punkte im Gesicht zu vertuschen. Make-up, Zitronensaft oder gar weglasern – jede Methode war willkommen, damit der angebliche Schönheitsmakel nicht mehr zu sehen war: Sommersprossen. Heutzutage sieht es ganz anders aus: Zurzeit sind die Fleckchen gefragter denn je. Jeder möchte sie haben. Nicht ganz unschuldig daran ist Meghan Markle. Mit ihrem natürlichen Hochzeits-Make-up setzte sie nämlich einen Akzent auf ihre Sommersprossen.

Markle hat sie also und zeigt sie mit Stolz. Viele Frauen tun es ihr gleich. Was aber, wenn man keine hat? Aufmalen ist eine Option, aber auf Dauer ganz schön mühsam. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass nun eine langfristigere Methode immer mehr Fans gewinnt: das Tätowieren. Nach den USA und Grossbritannien hat der Trend inzwischen die Schweiz erreicht.

Aussehen wie Charlies Engel

Und der Trend sei ein Hit, wie Permanent-Make-up-Artist Eva aus Zürich erklärt: «Es kommen wirklich sehr viele Frauen zu mir, um sich Sommersprossen tätowieren zu lassen.» Zwei bis drei seien es pro Woche – Tendenz steigend – vor ein paar Jahren waren es nur zwei im ganzen Jahr, vor allem Frauen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. «Manche kommen, weil sie keine Lust mehr haben, jeden Morgen mehrere Minuten damit zu verbringen, sich Sommersprossen aufzumalen», erklärt Eva.

Aber wieso wollen Frauen überhaupt Sommersprossen? «Sie erfrischen und verjüngen das Hautbild», sagt die Tätowiererin.

Meistens bringen die Kundinnen Fotos von Models, ein bekanntes Gesicht sieht Eva jedoch öfters: «Das Foto einer der ‹Drei Engel für Charlie›-Schauspielerinnen ist sehr beliebt.» Gemeint ist die amerikanische Schauspielerin Lucy Liu – die, für ihren Hauttyp ungewöhnlich, viele Sommersprossen hat.

Viel interessanter sei für Eva jedoch der breite Fächer ihrer Kundinnen: «Von Bankangestellten bis zu Volltätowierten – allerlei Frauen wollen Sommersprossen», sagt sie.

Für Schönheit tun Frauen alles

Wie jedes andere Tattoo ist auch dieses nicht ungefährlich. Es kann sich infizieren, oder die Haut kann es abstossen. Diese Gefahr besteht bei jedem Tattoo, ganz egal, ob am Arm oder im Gesicht. «Es ist sehr schwierig nachzuweisen, ob die tätowierten Sommersprossen tatsächlich schädlich sind», sagt Günter Frings, Dermatologe der Schönheitsklinik DELC in Biel. Es käme vor allem auf die Mittel an, die die Pigmentierung erzeugen, und ob sie geprüft sind oder nicht. «Es ist besser geworden. Früher benutzte man zum Beispiel Autolack, um Tattoos zu stechen. Heute ist das Prozedere geschützt. Die Farben sind zertifiziert und zugelassen», erklärt Frings.

Die «Fake Freckles», wie sie genannt werden, sind im Gegensatz zu anderen Tattoos nicht für die Ewigkeit. Sie können bis drei Jahre unter der Haut bleiben, danach verblassen sie. Das Prozedere kostet um die 250 Franken und dauert weniger als eine Stunde. Weitere Termine sind nicht nötig. Einmal verheilt, sind die falschen Sommersprossen nicht von echten zu unterscheiden.

Frings glaubt jedoch, dass ein gewisses Risiko gleichwohl besteht, da keiner zu 100 Prozent sagen könne, dass die Farbe im Gesicht wirklich ganz verschwindet. «Es ist unter der Haut, das sollte man nie vergessen», mahnt der Dermatologe. Er selbst sei kein Fan des Trends: «Menschen achten penibel auf die verschiedenen Inhalte der Bionahrung, lassen sich dann aber ein solches Zeug unter die Haut stechen.»

Laut Tätowiererin Eva handelt es sich beim Phänomen Sommersprossen nicht um einen Sommertrend, der bald wieder verschwindet: «Die Frauen kommen auch im Winter zu mir. Ich glaube, dass das jetzt zum Alltag gehört, denn Frauen wollen jung und frisch wirken und sind gewillt, alles dafür zu tun.»