Nach neun Monaten, etlichen Babybauch-Bildern und Spekulationen ist sie endlich da: die Tochter von Fernsehstar Michelle Hunziker und Textilerbe Tomaso Trussardi.

Bereits Stunden nach der Geburt vorgestern Mittwoch in einer Mailänder Luxus-Klinik wurde ihr Name bekannt: Sole – Sonne auf Italienisch.

Die Namenswahl überrascht nicht, obschon sie speziell ist. Die Erstgeborene von Michelle Hunziker – mittlerweile 17 Jahre alt – wurde auf den Namen Aurora getauft, was im Italienischen so viel heisst wie Morgenröte.

Damit reiht sich La Hunziker in eine Reihe Prominenter ein, die ihren Kindern auffällige Namen gegeben haben. Der Nachwuchs von Fussballstar David Beckham und dessen Ehefrau Victoria hört auf Brooklyn Joseph, Cruz David, Romeo James und Harper Seven.

Die Töchter von Rockmusiker Bob Geldof heissen Fifi Trixibelle, Pixie Frou-Frou, Peaches Honeyblossom und Heavenly Hiraani Tiger Lily. Und das Kind von Hip-Hop-Mogul Kanye West und Reality-Star Kim Kardashian darf sich künftig als North West vorstellen.

Gegentrend zu Altmodischem

Während sich Prominente gar Wortwitze erlauben bei der Namensgebung, scheint der Trend bei Normalsterblichen in die entgegengesetzte Richtung zu gehen.

Nicht nur feiern Bärte, Nerd-Brillen und Wohnungseinrichtungen aus dem Brockenhaus ein Comeback, auch die Namenswahl erinnert wieder mehr an die Generation unserer Grosseltern.

In Deutschland schafften es seit Anfang Jahr Mädchennamen wie Johanna, Emma, Charlotte und Sofie unter die 25 beliebtesten Namen. Buben werden gerne Jacob, Emil, Maximilian oder Oscar genannt.

In der Schweiz gibt es für dieses Jahr noch keine Auswertung. 2012 gehörten laut Bundesamt für Statistik Noah, Luca und David sowie Mia, Aline und Laura zu den beliebtesten Vornamen.

Allerdings scheint auch hierzulande der Trend zu altmodischen Namen immer mehr zu greifen: Elisa, Hannah und Lina sind genau so in der Liste vertreten, wie auch Hugo, Adam und Dylan. Paare, die ihre Kinder Paul, Bruno, Emma oder Otto nennen, sind keine Seltenheit mehr.

Doch, wo liegt die Grenze des guten Geschmacks? Gewisse Vornamen werden heuer nur noch mit einem fast mitleidigen Lächeln abgestraft.

Bei jungen Männern um die 20 mit dem Namen Kevin ist klar, dass deren Eltern sich Anfang der 90er-Jahre von dem Hype um den gleichnamigen Film haben anstecken lassen. Auch verbindet man im deutschsprachigen Raum Jeremy Pascal, Maya Jane, Diego, Chanel, Cheyenne oder Justin eher mit RTL-Nachmittagssendungen als mit Amerika.

Und dann gibt es noch die Namen, die verboten sind. Den Schweizer Zivilstandesämtern ist es vorbehalten, Babynamen abzulehnen, sollten aus diesen das Geschlecht des Kindes nicht hervorgehen oder sollten sie an Orte, Tiere, Marken oder Vereine erinnern.

Man richtet sich hierzulande aber auch nach dem «Internationalen Handbuch der Vornamen», in dem etwa folgende Namen als verboten gelten: Satan, Bierstübl, Puhbert, Pillula, Sputnik, Störenfried, Oma und Verleihnix.

Genau wegen dieses Handbuches kam auch ein deutsches Ehepaar fast in die Bredouille, das seine Tochter Emma Tiger nennen wollte – genau wie das Kind des deutschen Schauspielers Til Schweiger.

Während ihm diese Namenswahl in Amerika erlaubt war, musste das deutsche Paar bis vors Oberlandgericht ziehen, bis der Name endlich anerkannt wurde.

Wer heisst schon gerne «Apfel» ...

Fraglich bleibt aber, ob die Kreativität gewisser Eltern nicht irgendwann doch dem Kind schadet. Der britische Fernsehkoch Jamie Oliver nannte seine vier Kinder Buddy Bear Maurice, Poppy Honey Rosie, Daisy Boo Pamela und Petal Blossom Rainbow.

Zu Kleinkindern mögen niedliche Ausdrücke wie Bär, Honig, Gänseblümchen und Regenbogen ja noch passen. Aber wie angenehm ist es, wenn man sich im Erwachsenenalter als Egypt Daoud Dean vorstellen muss?

So haben Sängerin Alicia Keys und Rapper Swizz Beatz ihren Sohn genannt. Oder wird es Apple Blythe Alison Martin – die Tochter von Schauspielerin Gwyneth Paltrow und Coldplay-Frontmann Chris Martin – freuen, dass sie so heisst, wie eine Frucht? Es bleibt zu bezweifeln.

Auch die Tochter von Michelle Hunziker dürfte wohl mit einigen Spässen aufgrund ihres Namens zu rechnen haben. Oder kommt Ihnen bei Sole nicht auch gleich das Lied «’O sole mio» in den Sinn?