Die wahren Gewinner der Fussball-WM sind jetzt schon klar: Es sind die Wettbüros. Sie profitieren von den Scharen selbst ernannter Spezialisten, die meinen, ihr Fussballwissen durch geschicktes Wetten zu Geld machen zu können. Derweilen beteiligen sich im kleinen Kreis zwischen Freunden und Arbeitskollegen selbst Menschen, welche kaum den Unterschied zwischen einem Club- und einem Länderspiel kennen, an WM-Tippspielen mit einigen Franken Einsatz. Und haben durchaus Siegeschancen – denn der Erfolg hat weniger mit Sport zu tun, als vielmehr mit Zahlen. Mit einigen Regeln lassen sich die Tipps optimieren und die Gewinnchancen erhöhen (oder zumindest die Verluste verringern).

Regel Nr. 1: Vermeiden Sie gewinnorientierte Wettbüros

Die Rechnung ist einfach: Wo ein Büro dahintersteckt, wird Geld abgezogen. All das, was für Werbung, Löhne, Mieten, Computer, Steuern verwendet wird und was für den Wettanbieter als Gewinn übrig bleibt, berappen diejenigen, die wetten. Und dass diese Gewinne erheblich sind, zeigt sich daran, wie zahlreich und omnipräsent die Wettbüros sind.

Die Rechnung ist simpel: So viel Prozent, wie das Wettbüro rauszieht, verliert jeder Wettende im Durchschnitt. Bei einer Marge von 5 Prozent werden mit einem Einsatz von 20 Franken im Schnitt 19 Franken Gewinn erzielt. Selbstverständlich ist jeder überzeugt, dass er sich besser auskennt und damit höhere Gewinne rausholt als die anderen. Doch wo bleiben die Wettmillionäre? Nur im Wetten mit Kollegen wird der totale Einsatz am Ende auch ausbezahlt – und der Gewinner lädt hoffentlich die anderen Mitspieler zu einem Bier ein.

Regel Nr. 2: Vergessen Sie das Bauchgefühl

Die Welt ist voller Menschen, welche die besseren Fussballtrainer wären. So mancher Zuschauer kennt die Stärken und Schwächen sowie die Formkurven jedes einzelnen Spielers und kann so auch die besten Prognosen für die Spielergebnisse stellen. Besonders genau beobachten Sie vermutlich Ihre Lieblingsmannschaft. Und Sie schätzen sie ein wenig höher ein, als es gemeinhin getan wird, Hoffnung und Sympathie spielen mit.

Die harte Wahrheit ist allerdings, dass sich niemand besser auskennt als die Wettbüros. Deren ungefärbte Statistiken erweisen sich als präziser als die Vorhersage jedes Sportexperten. Mit den Experten ist es ungefähr so wie mit Kraken und anderen Orakeln: Gesprochen wird im Nachhinein nur über diejenigen, die korrekt lagen. Und bei der unermesslichen Masse von Experten und Orakeln ist es statistisch ganz normal, dass auch mal einer richtig liegt – mit Kenntnissen hat dies nicht allzu viel zu tun. Das erklärt auch, weshalb sich in der Büro-Wettgruppe im kleinen Kreis die Spitzenplätze nicht unbedingt von Sportfans besetzt werden.

Falls Sie also mit Ihren Wetten nicht nach dem maximalen Mitfieber-Erlebnis streben, sondern tatsächlich möglichst hohe Gewinnchancen wollen, sehen Sie sich auf den Seiten der Wettanbieter um. Diejenigen Spielergebnisse mit den tiefsten Gewinnquoten sind diejenigen, die mit höchster Wahrscheinlichkeit eintreten. Für das Spiel Brasilien - Schweiz heisst das: Tippen Sie auf einen Sieg für Brasilien, selbst wenn Ihr Herz für die Schweiz schlägt (siehe auch Regel Nr. 4).

Regel Nr. 3: Vergleichen Sie Quoten

Wenn Sie unsere Regel Nr. 1 missachten und wider die Vernunft professionellen Wettanbietern Geld in den Sack stecken, lohnt es sich, zu vergleichen. So ergibt eine kurze Internetrecherche für einen Sieg der Schweiz gegen Brasilien am 17. Juni Quoten (siehe Box) zwischen 8 und 9,55. Für einen Sieg Brasiliens liegen sie zwischen 1,33 und 1,4, für ein Unentschieden zwischen 4,56 und 5,05. Sie brauchen nicht jeden Tipp bei demselben Anbieter abzugeben – wählen Sie für jedes Spiel denjenigen, der für Ihren Tipp die beste Quote bietet.

Regel Nr. 4: Keine exotischen Tipps

46 380 Dollar hatte ein Glückspilz mit einem Einsatz von 20 Dollar gewonnen: Er hatte beim WM-Halbfinal 2014 korrekt auf 7:1 für Deutschland gegen Brasilien getippt. Die Wettquote hatte 2319 betragen. Das verleitet, es ihm gleichzutun und mindestens einen exotischen Tipp einfliessen zu lassen.

Doch die Verluste alle jener, die auf 6:1, 6:0, 5:1 et cetera getippt hatten, summieren sich auf weit mehr als 46 380 Dollar. Die meisten Wettanbieter haben ohnehin eine obere Limite und würden beispielsweise für einen 5:0-Sieg der Schweiz gegen Brasilien nicht mehr auszahlen als für einen 4:0-Sieg. In der kleinen privaten Wettgruppe wiederum können Sie ohnehin keine grossen Gewinne erreichen – bei zwanzig Mit-Wettern streichen Sie im besten Fall das Zwanzigfache Ihres Einsatzes ein. Zum Vergleich: Bei Profianbietern im Internet liegt die Quote für einen Schweizer WM-Titel um 100. Aber eben, auch davon ist abzuraten. Schlauer ist es, auf Brasilien oder Deutschland zu setzen. Das ist langweilig, rechnerisch aber richtig.

Übrigens stehen die Chancen auf den WM-Titel laut Wettanbietern für Brasilien noch ein wenig besser als für Deutschland. Daraus folgt ein Extra-Tipp: Falls es zu einer Begegnung zwischen Deutschland und Brasilien kommt, suchen Sie sich einen Kollegen für eine 1:1-Einzelwette und setzen sie auf Brasilien. Natürlich erst, nachdem sie aktuell nachgeprüft haben, ob die Wettbüros noch immer Brasilien favorisieren – denn sie passen ihre Quoten laufend an.

Regel Nr. 5: Setzen Sie nur so viel, wie Sie als Verlust verkraften

Das Internet ist voll mit Tipps, wie Sie sich Ihre gewinnversprechende Wettstrategie austüfteln können. Doch Fakt ist: Wer wettet, verliert. Wenn es Ihnen ums Geld geht, verzichten Sie strikt aufs Wetten. Sie könnten stattdessen an einem Public Viewing hinter der Bar arbeiten. Die Fans der Gewinnermannschaften sind spendabel in Sachen Trinkgeld, besonders, nachdem sie einen Wettgewinn eingestrichen haben.

Das Wetten lohnt sich dagegen, wenn es nicht um Gewinn geht, sondern darum, die WM so spannend wie möglich zu machen. Mit einem Einsatz auf dem Spiel wird sogar der Fussballmuffel fasziniert die Spiele verfolgen – denn auch der Unkundige hat ja Chancen auf einen Gewinn. Gut möglich, dass seine Vorhersagen ebenso trefflich sind wie der legendäre Ausspruch des englischen Fussballexperten Ron Atkinson: «Ich wage eine Prognose – es könnte so oder so ausgehen.»