wie aarke: Heisst «täglich», und zwar in der Sprache der Sami, einer kleinen nordschwedischen Bevölkerungsgruppe. Aarke ist aber auch ein junger skandinavischer Sprudelwasser-Hersteller, der mit ultrasexy Design symbolisch für jenen Zeitgeist steht, die natürlichen Ressourcen des Lebens, darunter auch fliessendes Wasser, mit einfachen Mitteln täglich ein bisschen zu veredeln. Unser Leben wird einfacher, wenn wir nicht literweise Blöterliwasser ins Haus schleppen müssen, sondern dank günstigem Gaszylinder das Leitungswasser mit Kohlensäure versetzen. Bislang war da Sodamix eine Wahl, doch das geht 2019 nun auch chic.

wie Berlin: Nach der Euphorie in den Neunzigerjahren, als besonders viele kreative Schweizer in die deutsche Hauptstadt ausgewandert sind, ist es um Berlin etwas stiller geworden. Doch wir prognostizieren der wummernden, schrägen, günstigen und mitreissenden Metropole in unserem Nachbarland ein Revival für Auszeitler und Pilger aus der ganzen Welt. Wie gut Berlin sein kann, zeigen gleich mehrere TV-Serien, die sich alle ausnahmslos lohnen: «Babylon Berlin», «4 Blocks» und brandneu «Dogs of Berlin», eine raue Szene- und Polizeiserie um Quartiergangs, Drogen, Politik und aktuelle Konflikte zwischen Ost, West und Religion. Felix Kramer, der als Kurt Grimmer die Ermittler-Hauptrolle spielt, ist übrigens, seufz!, unglaublich heiss.

C wie Carner: Und zwar, Achtung, merken Sie sich diesen Namen gut: Carner mit Nachnamen, Loyle mit Vornamen. Loyle Carner ist das, was Kendrick Lamar vor zehn Jahren war: ein unglaublich talentierter Musiker. Der britische Rapper aus London wird im neuen Jahr langsam, aber sicher aus der Geheimtipp-Ecke kriechen und bei einer breiteren Öffentlichkeit bekannt werden. Songs wie «The Isle of Arran», «Ain’t Nothing Changed» oder «Ottolenghi» sind für Connaisseurs längst Masterpieces.

D wie Doppeladler: Jedes Jahr wird ein Wort gewählt, das die Menschen in unserem Land am meisten bewegt. 2018 war «Doppeladler» in der Deutschschweiz als solches gekürt worden. Ernsthaft jetzt? Das beschäftigte die Leute hier am meisten? Nachdem die Natispieler Xhaka und Shaqiri diese Albanien-Geste nach einem erzielten Tor bejubelten (und Lichtsteiner dann auch noch auf Gangster machte ...), entfachte eine völlig übertriebene Diskussion um Doppelbürgerschaften und Anstand. Hinter «Doppeladler» auf Platz zwei und drei, landeten übrigens die Begriffe: «Rahmenabkommen» und «079». Wir hoffen sehr, dass das neue Jahr Dinge hervorbringt, die relevanter sind.

E wie Ehrlichkeit: So einfach und doch so schwierig. Wer den Mut aufbringt, in seinem Mikrokosmos, ehrlich zu sich und zu seinen Liebsten zu sein, der erreicht zwar nur in kleinen Schritten, aber dafür langfristig intensives Glück. Mauscheln, mischeln und faken: Bitte abgewöhnen!

F wie Fabbricatore: Nein, das ist kein Formel-1-Rennstall-Besitzer, sondern der Familienname der Aargauerin Gianina Fabbricatore. Man sollte sich wohl schon mal merken, wie man den Namen schreibt, mit zwei B nämlich. Es wird spekuliert, dass die zwanzigjährige Sängerin, die bei «Popstars» mitmischt, 2019 mit ihrer tiefen, intensiven Stimme ziemlich gross rauskommen soll.

G wie Gold: Bevorzugtes Material aller Königinnen und Könige und im neuen Jahr auch dem Volk zugänglich. Vorzugsweise Schuhe (mit breiten, klobigen Absätzen), aber auch Taschen, Sonnenbrillen und Portemonnaies funkeln mit dem Sommerteint um die Wette. Ganz wunderbare Accessoires in Gold gibt es beim Online-Portal www.sezane. com, wo das Herz jeder Frau nur schon beim Drandenken höherschlägt. Offenbar soll auch heiraten in Gold Trend sein, was an dieser Stelle aber in Sachen Massentauglichkeit zu relativieren ist. Denn mal ehrlich, welche Frau möchte den Hafen der Ehe wie eine Lindor-Kugel ansteuern?

H wie Health: Neudeutsch für Gesundheit. Eigentlich ja kein Begriff, der den Strömungen von Trends unterliegt – und doch gibt es Epochen, in denen sichtbares Gesundsein mehr Wert hat als in anderen. Aktuell leben wir in einer aus Kategorie eins. Das beginnt beim Make-up-Trend «Healthy Glow» und endet bei Firmen, die den Bereich «Corporate Health» zünftig ausbauen in spe. Beim Schminken geht es nicht um Makellosigkeit, dass man beispielsweise keine Falten haben darf, sondern darum, wie gesund der Teint wirkt. Unabhängig vom Alter. Im Job gipfelt es darin, dass sich das Individuum vom Arbeitgeber ernst genommen und unterstützt wird. Eine Runde Pilates über Mittag, bezahlt vom Geschäft, ist also bald keine Zukunftsmusik mehr. Nehmen Sie das Angebot dankend an!

I wie Internetsuchmaschinen: Und zwar solche, die keine drei Vokale im Titel tragen. Sie werden an Wichtigkeit zunehmen, garantiert. Denn die Menschen werden kritischer, ihre persönlichen Daten und Verhaltensmuster international agierenden Datenverwaltern anzuvertrauen. Zumal die Vergangenheit gezeigt hat, wie manipulativ digitale Macht gegen den User eingesetzt werden kann. Eine gute Alternative ist DuckDuckgo.com.

J wie jodeln: Oldschool und wunderschön. Freuen kann man sich heute schon auf das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest, das 2019 vom 23. bis 25. August in Zug stattfinden wird.

K wie Kürzel: Codes, Chiffren und eben Kürzel werden als Unterscheidungsmerkmale in Subkulturen noch wichtiger. Aktuellstes Beispiel dafür ist das weitverbreitete auftätowierte Revolten-Kürzel «1312», das sich aus der Buchstaben-Reihenfolge des ABCs ableitet. «A.C.A.B.» heisst aufgeschlüsselt: «All Cops Are Bastards». Ist zwar weder wahr, noch sonderlich klug, aber offenbar ein Zeichen für ein Bedürfnis nach Zugehörigkeit.

L wie Lolita Jacobs: Die Pariser Stylistin und Directrice des In-Labels Courrèges bringt mit ihrer Attitüde und ihren Looks haargenau auf den Punkt, worum so viele Französinnen beneidet werden: für ihre mühelos wirkende Sexyness. Bei Jacobs’ kürzlicher Hochzeit mit Jean-Baptiste Talbourdet-Napoleone, Kreativdirektor des Fashionmagazins «M», trug Lolita Jacobs ein weisses Hemdkleid von Alaïa und orangefarbene Ballerinas. Ein herrlich erfrischendes Statement dafür, dass Bräute nicht immer aussehen müssen, als wären sie von Lisbeth Egli für die Miss-Schweiz-Wahl eingekleidet worden.

M wie #MeToo: Die Solidaritätsbekundungen rund um all die Grüsel, die ihre Wurstfinger nicht im Sack halten konnten, wirken mittlerweile nur noch beliebig. So, als wären sie von den Frauen zwischen Starbucks-Bestellung und Yogaklasse getippt worden. Es ist aber nie ein Lifestyle-Statement, Opfer sexueller Übergriffe zu sein.

N wie null Promille: Es kann nun schon gar nicht mehr als Trend verkauft werden, sondern als eine immer grösser werdende Gruppe von Menschen: die Abstinenzler. Auffallend viele junge Menschen machen auch in der Schweiz, was zum Beispiel in Amerika schon viele tun. Sie verzichten konsequent auf alkoholische Getränke. Ist nicht nur der Figur zuträglich, sondern sorgt ein Leben lang für eine klare Birne. Wer das sucht, der liebt es.

O wie offline: Wird sich 2019 und in den Folgejahren zu einer wuchtigen Bewegung ausweiten. Immer mehr Menschen kommen mit der permanenten Reizüberflutung des digitalen Lebens nicht mehr klar und klinken sich bewusst aus. Interessant daran ist, dass dies aus freien Stücken geschieht. Genauso freiwillig wie die damit einhergehende Anti-Newskonsum-Welle. Das Zürcher Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (FöG) hat in einer kürzlich erschienen Studie belegt, dass 53 Prozent von 3400 Befragten zwischen 17 und 29 Jahren immer weniger News konsumieren.

P wie Pony: Als Frisur. An den Modeschauen mit den Trends fürs nächste Frühjahr sah man ihn oft. Und zwar kurz geschnitten und nah beim Haaransatz getrimmt. Punkig, dreckig, selbstbewusst.

Q wie Quickie: Ansteuern, packen, Vernaschen. Alles in allem brauchen Sie nicht viel länger als fünf Minuten dafür, doch garantiert ist das Echo der Freude um einiges ausgedehnter. Der Quickie ist die wohl am meisten unterschätzte Sexform und sollte in langen, kurzen und spontanen Konstellationen an Bedeutung gewinnen. Denn die schnelle Nummer kann ungemein entspannend sein. Kein nervendes Vorspiel, keine allzu grossen Erwartungen, kein Leistungszwang, keine Performance. Schlussendlich kann man es auch mit der Nahrungsaufnahme vergleichen: Fünfmal am Tag kleine Portionen sind gesünder, als zweimal täglich riesige Teller. Deswegen müssen sie nicht gleich fünfmal am Tag, aber motivieren Sie Ihren Liebsten/Ihre Liebste dazu, und schauen Sie beide, wie es sich anfühlt. Etwas können wir versichern: Der Quickie hat Humor!

R wie Richard Madden: Der Schauspieler spielt Robb Stark in der epischen Serie «Game of Thrones» und neu auch den furchtlosen Sicherheitsbeamten und Afghanistanveteranen David Budd in der Serie «Bodyguard». Beides macht er famos. Noch besser aber ist, dass der Schotte nun als neuer James-Bond-Darsteller gehandelt wird. Yes, please!

S wie Skin Booster: Das ist ein Eingriff aus dem Universum der plastisch-ästhetischen Chirurgie. Die punktuell im Gesicht unterspritzte Hyaluron-Säure sorgt dafür, dass der Teint frischer und entspannter wirkt. Gerade so, als wäre man gut ausgeschlafen und von den Ferien erholt. Eine Alternative für alle, die keine diabolischen Botox-Visagen möchten und nur auf dezente Optimierung stehen. Dauert 10 Minuten, brauchts zweimal jährlich, kostet aber mit rund 600 Franken pro Eingriff leider immer noch etwas gar viel.

T wie Toys: Notabene explizit jene, die den Menschen bei der horizontalen Verlustierung dienlich sind, denn dieses Wirtschaftssegment brummt, und ein Ende ist nicht in Sicht. Einer der Bestseller, und zwar nicht umsonst, ist bei den Frauen seit Jahren das Modell Womanizer. Kaufen, ausprobieren! Und zwar so schnell wie möglich.

U wie umsonst: Freiwilligenarbeit ist für die Wirtschaft wirkungsvoller, als man denkt. Würden mehr Leute ab und zu mal einen Job gratis machen, ginge es allen ein klein wenig besser. Falls Sie in den nächsten Monaten also mal wirklich was tun möchten, das Hand und Fuss hat, schauen Sie beispielsweise unter www.bergeinsatz.ch nach. Die Caritas vermittelt hier Freiwillige an Bergbauernfamilien. Glaubwürdigerweise muss man dazu sagen: Persönlich getestet und für wahnsinnig bereichernd befunden.

V wie Vision: Wie heisst es so schön: «Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen.» Ein etwas platter Spruch aus der Sparte Küchenpsychologie, aber in seiner Symbolik eben doch charmant. Denn man kann sich dieses kleine Menschlein (man selber) bildlich vorstellen, wie es umfällt, sich etwas verdattert umschaut, langsam aufsteht, zitternd die Krone aufsetzt und würdig weitergeht. Man muss übrigens nicht sofort aufstehen und weitergehen, sondern kann sich damit in gewissen Situationen auch etwas Zeit lassen. Das Bild hat dennoch etwas Würdevolles. Denn geht es nicht genau darum im Leben, wie wir mit schwierigen Situationen umgehen? Ob wir eine Vision haben, die uns zwingt, unseren – pardon – «Arsch» hochzubringen. Oder wir liegen bleiben und unsere Wunden lecken oder nach einer gewissen Zeit aufstehen, das Rückgrat durchstrecken (und damit die Krone) und weitermachen. In unserem Land ist die Kultur des Scheiterns keine sehr ausgeprägte.

W wie Würste: Sie sind die neuen Flachbildschirme für den Durchschnittsbürger. Also ein Prestigeobjekt und Statussymbol. Wie bitte? Ja, richtig gelesen. Würste, selbst gemacht, exotisch, bio, urchig oder was auch immer, sind zu wahren Trophäen in den Regalen der Delikatessenläden und in privaten Haushalten geworden. Phänomenbelege dazu in Zürich heissen beispielsweise Stadtjäger oder die neugegründete Francis The Sausage Company, die auch die Wiedikerli der Metzgerei Keller vertreibt. Im Glarnerland kaufen Kenner die Glarner Kalberwurst aus der Metzgerei Hoesli in Glarus. Gebraten, gesotten oder roh, sie alle sind Spezialitäten. Übrigens nie zu unterschätzen im Wurstsammelsurium ist: der altbewährte Cervelat. Eine fantastische Erfindung!

X wie xyz: Genauer: «.xyz». Eine Internet-Endung, die nebst «.com» sehr en vogue ist. Weil sie so einen subversiven Twist hat.

Y wie Yeezys: Auf lebendigem Fuss getragen, wirken sie immer etwas orthopädisch. Die optisch eher bedenklichen Socken-Sneakers (von denen es sogar Heels gibt) polarisierten immer schon. Doch 2019 möchten sie immer mehr Menschen immer weniger sehen. Damit einhergehend auch ihr prominentestes Aushängeschild, Kanye West, nicht, der für Adidas eine kleine Kollektion gemacht hat.

Z wie Zweiklassengesellschaft: Leider eine Tatsache, aber in Zukunft wird es sich immer mehr abzeichnen: dass nicht alle zur Elite gehören können (und wollen). Besonders die Wissensgesellschaft ist eine Zweiklassengesellschaft. «Die Teilung zeigt sich in der Arbeit. Der kreativen Elite stehen die Dienstleistenden gegenüber, die sich um die Infrastruktur und das Wohl der Elite kümmern», liest man zum Beispiel im ultraspannenden Buch «2050 Megatrends – Alltagswelten, Zukunftsmärkte» der Autoren Peter Maas, Joël Luc Cachelin und Pascal Bühler, alle von der HSG, der Wirtschaftsuni in St. Gallen.