Wildtiere

So qualvoll sterben Stadtfüchse

herzig aber... Füchse füttern macht Menschen krank und endet oft mit dem Abschuss des Tieres

Den Stadtfuchs plagt eine Krankheit - Schuld daran ist auch der Mensch.

herzig aber... Füchse füttern macht Menschen krank und endet oft mit dem Abschuss des Tieres

Die Fuchsräude ist zurück und tötet derzeit viele Tiere auf qualvolle Art. Vor allem auf Stadtgebiet.

An diesem Dienstagmorgen, kurz nach neun, hat Wildhüter Hans Schläppi bereits drei Anrufe von Anwohnern wegen kranker Füchse entgegengenommen. Er ist Obmann der Jagdgesellschaft Lindberg in Winterthur und in dieser Funktion auch Wildhüter in einem der fünf Jagdreviere der Stadt. Schon am Telefon ist er sich sicher: Die Tiere leiden an Fuchsräude. Selbst Laien sehen räudigen Füchsen sofort an, dass mit ihnen etwas nicht stimmt. Sie sind ausgemergelt und haben vielfach kaum mehr Fell. Oft auch nur noch einen dünnen Faden anstelle des einst buschigen Schwanzes. «Es tut mir weh, die Füchse in diesem jämmerlichen Zustand zu sehen», sagt Schläppi.

Die Fuchsräude ist grausam. Zunächst juckt die Haut der kranken Tiere so stark, dass sie sich das Fell büschelweise ausbeissen. So fügen sie sich blutige Wunden zu. Bald sind die Körper über und über mit entzündeten Krusten und Rissen bedeckt. Die Füchse leiden unter starken Schmerzen und werden immer schwächer. Bis sie schliesslich zu kraftlos sind, um nach Nahrung zu suchen. Meist verenden sie nach etwa drei Monaten voller Qualen kläglich.

So geht es zurzeit vielen Füchsen in den Zentren und Agglomerationen von Winterthur und Zürich. Kranke Tiere kommen den Menschen vielfach näher als gewöhnlich. Das liegt an der Krankheit selbst, durch welche sie in eine Art Dämmerzustand verfallen. «Ausserdem kommen sie in der Nähe der Menschen leichter an Futter», erklärt Schläppi.

Zivilisation ist mitschuldig

Genau das ist Teil des Problems. Denn besonders schnell verbreitet sich die hochansteckende Seuche unter den sehr dichten Populationen der Siedlungs- und Stadtfüchse. Zum Vergleich: Im Wald haben die Tiere oft mehrere Quadratkilometer grosse Reviere. Dagegen leben in der Stadt Zürich mancherorts bis zu 15 erwachsene Füchse auf einem Quadratkilometer Fläche. Die schlauen Tiere finden beispielsweise unter Gartenschuppen ein behagliches Zuhause sowie ein wahres Schlaraffenland in Form von weggeworfenen Essensresten. Offene Komposte, über Nacht draussen gelassene Müllsäcke oder das Näpfchen mit Katzenfutter auf der Terrasse – solch freigiebig angebotene Leckereien ziehen in einer Nacht oft mehrere Füchse an. So stecken sie sich vermutlich auch gegenseitig an. «Unser unachtsames Verhalten mit Essensabfällen schadet den Tieren», sagt Schläppi deshalb.

Immer wieder begegneten die Wildhüter zudem Menschen, die die Tiere absichtlich fütterten, wie Ruedi Zbinden erzählt. «Das ist falsch verstandene Tierliebe», sagt der Einsatzleiter der Wildhüter in der Region Bern Mittelland. Denn damit machten wir Menschen es den Füchsen noch leichter, sich dicht auf engem Raum anzusiedeln. Und die Räude kann sich rasant verbreiten. So hat Zbinden miterlebt, wie die Seuche in den letzten paar Jahren die Fuchspopulation in Bern und Umgebung stark dezimiert hat. Genaue Zahlen gibt es nicht, da bei toten Füchsen die Todesursache nicht immer erhoben wird.

Hochansteckende Seuche

Hervorgerufen wird die Krankheit von Räudemilben, auch Grabmilben genannt. Die etwa einen halben Millimeter kleinen Parasiten nisten sich in der obersten Hautschicht der Tiere ein und legen ihre Eier darin ab. Der Befall führt zu einer starken allergischen Reaktion, welche auch das Immunsystem angreift. Füchse können sich die Erreger nicht nur beim direkten Kontakt mit kranken Artgenossen einfangen, sondern auch indirekt. Etwa durch eine Berührung mit Hautschuppen, welche ein krankes Tier verloren hat.

Schon früher sei die Fuchsräude immer wieder in der Schweiz aufgetreten, sagt Peter Deplazes, Leiter des Instituts für Parasitologie der Universität Zürich. Etwa im Raum Genf oder im Berner Oberland. In der Region Zürich trat sie aber 20 Jahre lang nicht mehr auf. Jetzt hat sich die Seuche aus dem süddeutschen Raum über die Grenzgebiete von Basel und der Ostschweiz her wieder ausgebreitet.

Wildhütern fehlt Handhabe

«Verhindern lassen sich die Ansteckungen nicht», sagt Jürg Zinggeler, Adjunkt Jagd des Kantons Zürich. Doch man könne dafür sorgen, dass die Füchse in Siedlungsgebieten nicht dermassen dicht aufeinanderleben. Er wünscht sich eine klare Regelung, um die Leute zumindest daran zu hindern, Füchse zu füttern. «Bisher gibt es kein Verbot und wir können nur Empfehlungen herausgeben», sagt er. «Das ist zu wenig.»

Sind die Tiere einmal erkrankt, kann man ihnen nicht mehr helfen. Theoretisch gäbe es zwar Medikamente gegen die Räude. Mit diesen therapieren Tierärztinnen und Tierärzte befallene Hunde (siehe Box). Doch wilde Tiere zu behandeln, ist nicht realistisch. Als einzige Lösung bleibt der Gnadenschuss. Zum einen, um eine weitere Ansteckung zu verhindern, sagen Schläppi und Zbinden. Aber vor allem auch, um den Tieren weiteres Leid zu ersparen.

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