«Ihr müsst die Hunde mehr flattieren als eure Frauen», ruft Fredy Balmer auf. Er lacht und meint es gleichzeitig ziemlich ernst.

Die gut zwei Dutzend Hundebesitzer lauschen aufmerksam Balmers Ausführungen und machen eifrig Notizen, während ihre Vierbeiner unter den Tischen noch keine Ahnung haben, was in den nächsten Stunden von ihnen gefordert wird.

«Im Prinzip eignet sich jeder Hund, manche erlernen das Trüffeln sogar innert Minuten», ist Balmer überzeugt. Und so mancher Teilnehmer nimmt diese Nachricht höchst erfreut zur Kenntnis. Schliesslich zahlt man derzeit zwischen 300 und 700 Franken für ein Kilogramm dieser edlen Pilze.

Auch wir haben uns zu diesem Kurs angemeldet in der Hoffnung, dass unser Hund zur Trüffelspürnase wird. Erste Versuche im privaten Wohnzimmer waren erfolgversprechend.

Jamie, der Border-Collie-Pudel-Rüde, hatte sofort Witterung aufgenommen, als wir ihm einen gekauften Trüffel versteckten. Im Nu hat er ihn gefunden.

Nur im Wald hatte es dann nicht so richtig geklappt. Nun hoffen wir auf Fredy Balmer. Der 65-jährige Freiburger ist in Sachen Trüffel ein absoluter Profi, kennt in der Schweiz die besten Plätze und hat schon aus manchem Hund einen «Trüffler» gemacht.

Sinnvolle Beschäftigung

Das verspricht Balmer auch in diesem Workshop, den er zusammen mit der Hundeausbildnerin und ehemaligen Polizei-Diensthundeführerin Franziska Rettenhaber durchführt. «Schliesslich findet der Hund die Trüffel und nicht ich!»

Doch zuerst einmal gibts jede Menge Theorie. Zum Beispiel, wo man Trüffel findet. «Unter den Buchen und Linden zum Beispiel», verrät Balmer.

Allerdings braucht man dazu nicht unbedingt tief in den Wald hineinzugehen. «Trüffel wurzeln gerne im Kies, weshalb man sie oft in der Nähe von Waldstrassen oder an Kreuzungen findet.» Balmer könnte stundenlang über seine Leidenschaft erzählen. «Trüffeln ist wie eine Sucht.»

Allmählich wird es an den Tischen unruhig – und auch darunter. Für Balmer der richtige Moment, sein Zauberwerkzeug hervorzuholen: ein kleines PET-Fläschchen mit Löchern. Darin steckt er kleine Trüffelstückchen. Alles andere funktioniere nicht. «Hunde sind eben nur schwer auszutricksen.»

Nun kommt Franziska Rettenhaber ins Spiel. Sie weiss genau, wie man die Nase der Hunde trainiert, wie sinnvoll diese Beschäftigung für die Vierbeiner ist, und erklärt nun die Vorgehensweise Schritt für Schritt: Fallen lassen – hinlegen – verstecken – vergraben. Zudem muss ein neues Kommando her, ein möglichst neutraler Begriff, der nur fürs Trüffeln gebraucht wird. «Ihr müsst Schlüsselreize setzen. Also immer die gleichen Kleider und dem Hund dieselbe Ausrüstung anziehen, damit er weiss, was ihn erwartet.»

Heute ist das Wetter ideal, es hat geregnet. «Dann sieht man die Trüffel gut, weil sie glänzen», frohlockt Fredy Balmer und marschiert los. Jamie jagt vorerst lieber einem fliegenden Blatt hinterher. Als wir das PET-Fläschchen unbemerkt am Waldrand fallen lassen, nimmt seine Nase allerdings sofort Witterung auf. Haben wir wohl eines dieser Musterexemplare, von denen Fredy Balmer erzählt hat? Die ersten Versuche sind vielversprechend.

«Suechs Chügeli!» lautet unser Trüffelkommando. Auch die nächsten Verstecke findet er problemlos, obwohl sie schon ein bisschen weiter weg sind. Schliesslich haben wir von Fredy Balmer erfahren, dass Hunde die Trüffel aus 20 bis 30 Meter Entfernung riechen können. Doch nach einer halben Stunde hat Jamie die Freude am neuen Spiel verloren. «Nach fünf bis zehn Minuten solltet ihr eine Pause einlegen», erinnert uns Kynologin Franziska Rettenhaber.

Dass es in diesem Wäldchen tatsächlich Trüffel hat, zeigen uns Floh und Belina, die beiden Lagotto-Hunde von Fredy Balmers «Trüffel-Partnerin» Caro Lüthi. Nach kaum zehn Minuten schert Belina plötzlich vom Weg ab und streckt ihre Nase in die Erde. Caro Lüthi eilt schnell hinzu und klaubt einen fast faustgrossen schwarzen Trüffel hervor. Schon zieht Belina weiter und findet gleich daneben noch ein Prachtexemplar. Wie ein Kinderspiel sieht das aus – und es scheint auch, den beiden Trüffel-Hunden Spass zu machen. Die Tasche von Caro Lüthi füllt sich im Nu.

Kein Wunder, ist das Trüffelsuchen seit 20 Jahren ein Boom – auch dank der Klimaerwärmung. Die Saison beschränkt sich nicht mehr nur auf die Monate September bis Dezember, sondern dauert heute von Juni bis März. Fand man früher die edlen Pilze nur bis zu einer Lage von 900 Metern, kommen sie nun auch bis hinauf auf 1300 Meter über Meer vor. Der häufigste Speisetrüffel in der Schweiz ist der Tuber uncinatum, der Burgunder Trüffel.

Korrektes Verhalten im Wald

Manche wittern nun gar das grosse Geschäft. «Aber für die nächsten 50 Jahre wird es zu wenig Trüffel auf dem Markt geben», prophezeit Fredy Balmer, der auch Präsident der Schweizerischen Trüffelvereinigung ist.

Schon denkt man deshalb beim Bund darüber nach, eine Prüfung fürs Trüffelsuchen einzuführen. Das findet selbst Balmer nicht wirklich toll, «eine weitere Einschränkung unserer Freiheit».

Deshalb wollen Balmer und Rettenhaber den Teilnehmern ihrer Kurse vielmehr den respektvollen Umgang mit den Edelpilzen und das korrekte Verhalten im Wald lehren: «Wir möchten trotz der Kurse nicht, dass plötzlich Heerscharen im Wald auf Trüffelsuche gehen und wie wild den Waldboden aufbuddeln», erklärt Franziska Rettenhaber. Nach dem Ausgraben muss die Fundstelle nämlich sorgfältig wieder zugedeckt werden. Sonst vertrocknen die feinen Pilzfäden der Trüffel und sterben ab.

So weit sind wir noch nicht. Jamie reagiert zwar inzwischen auf sein neues Kommando und sucht auch gerne das versteckte Zauberwerkzeug. Nur den Schritt, selbst einen Trüffel im Boden auszugraben, hat er noch nicht geschafft. Doch wir haben Fredy Balmers und Franziska Rettenhabers Worte im Ohr: «Es braucht Geduld, Einfühlungsvermögen und ganz viel Training.»

Infos zu Hundetrüffelkursen findet man u.a. bei www.wolfschool.ch, www.trueffelgarten.ch oder www.schweizertrueffel.ch