1. Was ist Intelligenz?

Intelligenz umfasst die geistige Flexibilität und das schlussfolgernde Denken, kurz die kognitive Leistungsfähigkeit des Menschen. In der Intelligenzforschung gibt es allerdings keine allgemein anerkannte Intelligenz-Definition.

2. Was sagt der IQ aus?

Der Intelligenzquotient (IQ) bestimmt, wie klug ein Mensch im Vergleich zu einer Referenzgruppe ist. Dazu müssen genügend Personen mit einem vergleichbaren Hintergrund getestet werden, sprich sie müssen aus vergleichbaren Altersgruppen kommen und ähnliche Bildungsmöglichkeiten haben. Man nimmt an, dass die erreichten Punktzahlen «normalverteilt» sind, sich einigermassen gleichmässig über eine Population verteilen. Grafisch dargestellt ergibt das die berühmte Gausssche «Glockenkurve»: Die am häufigsten vorgefundenen Ergebnisse ballen sich in der Mitte und bilden einen Scheitelpunkt. Nach aussen wird die Kurve auf beiden Seiten immer flacher. Der Scheitelpunkt wird als IQ-Wert = 100 definiert.

3. Ab wann ist man hochbegabt?

Wer einen Wert von über 130 erreicht, gilt als hochbegabt. Wer unter 71 landet, wird als geistig behindert eingestuft. 96 Prozent aller Personen finden sich zwischen diesen Polen. Der IQ gibt keine absolute Beurteilung, sondern sagt einem, wie «intelligent» man im Vergleich zu anderen Testpersonen ist.

4. Wie stark hängt die individuelle Intelligenz von den Genen ab?

Das kann für eine einzelne Person nicht festgestellt werden. Wie gut sich das genetische Potenzial entwickelt, hängt auch von den Umweltbedingungen ab, vor allem von Faktoren wie der Ernährung oder dem familiären Umfeld. Zum Beispiel sagt der renommierte Hirnforscher Gerhard Roth, dass etwa 50 Prozent der menschlichen Intelligenz angeboren sei. Auf höchstens 30 Prozent wird der Umwelteinfluss geschätzt, wobei er sich in dieser Grösse nur in der frühen Kindheit auswirken könne. Worauf die restlichen 15 bis 20 Prozent des Intelligenz-Potenzials zurückzuführen ist, sei nicht genau eruierbar.

5. Welche Rolle spielen denn die Gene im Vergleich?

Man weiss aus Studien, dass sich Intelligenzunterschiede zwischen den Menschen einer Population zu 50 bis 80 Prozent mit den Genen erklären lassen. In der Schweiz ist der Anteil eher hoch, weil wir gute soziale und medizinische Bedingungen haben. Das heisst: Wenn Student A einen um zehn Punkte höheren IQ hat als Student B und beide in einer förderlichen familiären Umgebung aufgewachsen sind, geht dieser Unterschied weitgehend darauf zurück, dass Student A besser genetische Voraussetzungen hatte als Student B. Der Rückschluss auf die genetische Ausstattung ist aber nur plausibel, wenn die Umweltbedingungen vergleichbar sind.

6. Welchen Einfluss hat die Umwelt?

Umweltbedingungen können den Genen nur helfen, ihr Potenzial zu entfalten. Wer also schlechte Gene hat, den macht auch die beste Schulbildung der Welt nicht zu einem Einstein. Umgekehrt kann ein schlechtes Umfeld bewirken, dass ein an sich hochbegabtes Kind nicht die Intelligenz entwickeln kann, die in seinen Genen steckt. Die prägendsten Umweltfaktoren in den ersten Jahren nach der Zeugung sind: emotionale Geborgenheit, elterliche Zuwendung und Förderung des Wortschatzes sind positiv, Alkohol- und Tabakkonsum der Mutter während der Schwangerschaft negativ. Frühkindliche Mangelernährung wirkt sich negativ aus auf die Intelligenzentwicklung.

7. Werden Kinder von intelligenten Eltern automatisch genauso klug?

Nein. Der britische Forscher Francis Galton hat im 19. Jahrhundert herausgefunden, dass Kinder von überintelligenten Eltern im Schnitt nicht zwingend denselben hohen IQ erreichen, auch wenn sie immer noch überdurchschnittlich intelligent sind. Umgekehrt tendieren Kinder von unterdurchschnittlich intelligenten Eltern dazu, ein bisschen klüger zu werden als ihre Eltern. Das Phänomen nannte Galton «Regression zur Mitte», weil er diesen Kindern nicht zutraute, den Durchschnittswert zu überschreiten.