Fashionweek

Sie waren fast ausgestorben: Endlich gibt es wieder mehr grosse Modeshows

Schiaparelli präsentierte diese Woche seine Frühjahrskollektion.

Schiaparelli präsentierte diese Woche seine Frühjahrskollektion.

Ein Unikat muss es sein: Die neuen Vermögenden suchen in Zeiten der Massenmode das Besondere.

Die Haute Couture ist tot, es lebe die Haute Couture! Das Spitzenhandwerk, das seit 1860 besteht, erfreut sich eines neuen Booms. Nachdem in den vergangenen Jahrzehnten der berühmte Kalender des erlauchten Kreises auf unter zehn grosse Couturiers geschmolzen ist, haben sich Montag bis Mittwoch in Paris 36 Modehäuser auf das Parkett gewagt.

Vor zehn Jahren vom Aussterben bedroht, galten die gigantischen Shows handgeschneiderter Einzelstücke fast nur noch als Aushängeschild grosser Labels wie Dior, Chanel, Armani oder Givenchy, deren ausgefeilte Bilder den Verkauf ihres Prêt-à-porters, der Accessoires und der Beautylinien angekurbelt haben. Klar hat es schon immer Kundinnen aus Adel und Showbiz für ein reichbestücktes Abendkleid oder ein komfortables Tagesoutfit gegeben, das zeigt, wozu die Nähkunst fähig ist.

Früher stammte die auf 250 Seelen geschätzte Kundschaft in der ganzen Welt insbesondere aus der Aristokratie Europas und des Nahen Ostens sowie dem weltweiten Künstlerkreis. Heute dürften es Tausende sein. Modehäuser wie Stéphane Rolland oder Franck Sorbier machen nur Mode nach Mass, kein ­Prêt-à-porter. Noch vor wenigen Jahren wäre das undenkbar gewesen.

350 Arbeitsstunden für ein einziges Kleid

Ab zweitausend Euro aufsteigend, kennen die Preise in der Haute Couture keine Grenzen. Schauspielerin Kirsten Dunst oder die ehemalige First Lady Michelle Obama bestellen bei Schiaparelli ein Einzelstück, beim Schneider des Surrealismus schlechthin, wo eine Stimme aus dem Atelier verrät, dass ein einziges Kleid durchaus 350 Arbeitsstunden hinter sich haben kann.

, erzählt der Schweizer Couturier Didier Cometti. Und Livia Stoianova, die mit Partner Yassen Samouilov beim Pariser Palais Royal ein kleines Modehaus innehat, meint dazu: «Die neuen Vermögenden suchen nach dem gewissen Unterschied. Viele kommen aus China oder Singapur.»

Funkel, Straps, Korsette und Federn hat das verrückte Duo im Cabaret Paradis Latin zum Champagner serviert, denn es hat auch Kostüme des Kabaretts realisiert – Bühne und Haute Couture leben seit langem eine schöne Beziehung.

Einer der Grossen verlässt nun aber die Haute Couture, um sich der Bühne hinzugeben: Jean Paul Gaultier hat diese Woche seine letzte Schau gezeigt und wird sich bald via Theater oder Film mit Kostümen zurückmelden.

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