Fotoblog

Unterricht im steilen Fels

Eine Tigermutter erteilt ihren Jungen Unterricht im steilen Fels.

Eine Tigermutter erteilt ihren Jungen Unterricht im steilen Fels.

In unserem Fotoblog zeigt Reise- und Naturfotograf Rudolf Hug aussergewöhnliche Bilder mit ihren Geschichten dazu.

In der Natur konnte ich immer wieder beobachten, dass Tiere unglaubliche Fähigkeiten haben. Lange glaubte die Wissenschaft, dass Tiere nur einem vererbten Instinkt folgen und dass ihnen ihr Können in die Wiege gelegt worden sei. Doch in letzter Zeit kamen Forscher immer mehr zur Erkenntnis, dass auch Tiere lernen können. Unbestritten ist, dass neugeborene Säugetiere, selbst blind, instinktiv nach der Zitze der Mutter suchen. Auch, dass eine Mutter, ihrem Instinkt folgend, ihre Jungen verteidigt. Aus vielen Beobachtungen habe ich aber erkennen können, dass Tiereltern ihre Jungen erziehen, sie massregeln und ihnen Fähigkeiten beibringen, die für das Überleben in der Wildnis wichtig sind.

Schon seit einigen Stunden beobachten wir im Ranthambore Nationalpark, im nördlichen Indien, eine Tigermutter mit ihren Jungen. Sie sind schon halbwüchsig und manchmal richtige Flegel. Immer wieder muss ihnen die Mutter durch lautes Fauchen Grenzen setzen. Auf ihrem Weg durch eine steile Felswand werden die Jungen aber ganz ruhig. Ängstlich folgen sie ihrer Mutter, die ihnen zeigt, wie sie sich bewegen müssen. Es scheint, als ob sie einem ihrer Jungen sagen würde: «Du brauchst keine Angst vor dem Abgrund zu haben!»

Entfesselte Kräfte der Natur

Elefanten sind die grössten Landtiere der Welt und können fünf Tonnen Gewicht oder mehr auf die Waage bringen.

Elefanten sind die grössten Landtiere der Welt und können fünf Tonnen Gewicht oder mehr auf die Waage bringen.

Mit meinem Guide Greg bin ich im Amboseli- Nationalpark in Kenia auf Safari. Der Park ist umgeben von Land, das vom Stamm der Massai bewirtschaftet wird. Sie leben in alten Traditionen und dulden keine fremden Krieger auf ihrem Territorium. Das ist der Grund, weshalb das Reservat weitgehend von Wilderern verschont geblieben ist.

So konnte sich eine Population von Elefanten entwickeln, deren Altersstruktur intakt ist. Elefanten sind die grössten Landtiere der Welt und können fünf Tonnen Gewicht oder mehr auf die Waage bringen. Die Tiere haben ein hoch entwickeltes Sozialverhalten und leben in Herden von mehreren Weibchen mit ihren Jungtieren. 

Männliche Tiere müssen die Gruppe verlassen, wenn sie geschlechtsreif werden. Sie leben dann als Einzelgänger oder in Junggesellengruppen. Am Rand einer grossen Wüste entdecken wir eine solche Gruppe und beobachten sie aus sicherer Distanz. Junge Elefantenbullen tendieren oft zu einem aggressiven und rüden Verhalten, um ihre Stärke zu demonstrieren. Zwei wollen offenbar wissen, wer der Stärkere ist, ohne zu realisieren, dass ein Sandsturm aufkommt und die Sonne verdunkelt. Wir bringen uns in Sicherheit, bevor uns die entfesselten Kräfte der Natur in Gefahr bringen.

Todesmutig

Tollpatschig an Land: Eselpinguine.

Tollpatschig an Land: Eselpinguine.

Eselpinguine brüten in kleinen Kolonien auf zahlreichen subantarktischen Inseln, zu denen auch Falkland gehört. Sie haben ihren Namen, weil sie untereinander mit einem lauten «I-AH» kommunizieren. Lauthals verteidigen sie auch ihr kleines, aus losen Steinen gebautes Nest, wenn ein Nachbar aus Bequemlichkeit versucht Steine für sein eigenes zu stehlen.

Während der etwa 30 Tage dauernden Brutzeit wechselt sich das Elternpaar regelmässig ab. Ein Pinguin bebrütet die Eier und der andere ist auf Futtersuche. Sie sind hervorragende Schwimmer und benutzen ihre Flügel wie Propeller, während sie mit dem Schwanz und den Füssen steuern. Sie können einige Minuten unter Wasser bleiben und tauchen in Tiefen von 20 bis 50 Metern. Dabei fangen sie vor allem Krill und gelegentlich auch Fische.

Ich bin mit einer kleinen Gruppe auf Falkland, um diese putzigen Tiere zu fotografieren. So wendig und schnell sie unter Wasser sind, so tollpatschig bewegen sie sich an Land und sorgen immer wieder für Heiterkeit. Spannend sind allerdings die Momente, in denen sie die Barriere des Wassers überwinden müssen. Geduldig warten sie, bis eine grosse Welle herannaht und rennen dann los, um sich todesmutig ins Wasser zu stürzen.

Die Tüpfelhyänen sind besser als ihr Ruf

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Hyänen haben keinen guten Ruf. Sie sind verschrien als stinkende, faule und hinterhältige Aasfresser. Wie so oft ist der schlechte Ruf nicht gerechtfertigt. Die Tüpfelhyänen, die überraschenderweise nicht mit Hunden, sondern mit Katzen verwandt sind, haben eine ausgeprägte Sozialstruktur und sind äusserst erfolgreiche Jäger. Ihr Beutespektrum reicht von winzigen Insekten bis hin zu Elefanten – am häufigsten werden allerdings Gnus und Zebras erbeutet. Ihr Gebiss ist in Bezug auf ihre Grösse das stärkste aller Säugetiere, sie können damit sogar Knochen eines Elefanten aufbrechen.

Die Tiere leben in grossen Clans, die von einem Weibchen angeführt werden und klare Strukturen haben. Ich bin mit meinem Guide Greg im Mala-Mala-Reservat im Norden von Südafrika unterwegs. Am Abend eines ereignisreichen Tages machen wir für den «Sundowner», den obligaten Apéro, auf einem Felsen Halt. «Ist darunter nicht die Hyänenhöhle?», frage ich Greg. «Kein Problem», antwortet er lachend, «vor einigen Jahren hat ein Filmemacher das Vertrauen des dominanten Weibchens gewonnen, und seither hat der Clan keine Scheu mehr vor Menschen.» Schon bald kommen zwei neugierige Jungtiere. Auf dem Bauch liegend, kann ich sie aus einem halben Meter Distanz fotografieren.

Keine Regel ohne Ausnahme

Eine Gruppe von Somalistraussen schreiten über die Savanne.

Eine Gruppe von Somalistraussen schreiten über die Savanne.

Als mir mein Vater das Fotografieren beigebracht hat, war eine der Grundregeln: Die Sonne muss immer im Rücken des Fotografen sein. Das gilt auch heute noch in den meisten Situationen. In der hohen Schule der Fotografie erreicht man allerdings besondere Effekte, wenn Regeln gebrochen werden.

Ich bin in Kenia im Lewa Wildlife Conservancy, das 2013 ins Unesco-Weltnaturerbe aufgenommen wurde. Im fantastischen Park, der im Zoo Zürich im kleinen Massstab nachgebildet wurde, gibt es viele seltene Tiere. Das Spitzmaulnashorn, das Grevyzebra, die Netzgiraffe und der Somalistrauss sind alle auf der Roten Liste als «gefährdet» oder sogar als «vom Aussterben bedroht» aufgeführt.

Schon vor Sonnenaufgang bin ich mit meinem Guide auf der Suche nach Tieren am Horizont, um sie als Silhouetten abzulichten. Das ist gar nicht so einfach, denn der Park ist hügelig und unsere Bewegungsmöglichkeiten sind eingeschränkt. Zudem lässt sich der Lauf der Sonne nicht aufhalten und schon steht sie über dem Horizont, ohne dass mir ein Bild gelungen ist. Doch dann entdecke ich eine Gruppe von Somalistraussen, die über die Savanne schreiten – direkt der Sonne entgegen. Die Strahlen der aufgehenden Sonne im Gegenlicht lassen die riesigen Vögel in einer besonderen Stimmung erscheinen.

Dem Gedränge ausgewichen

Elliot-Sturmschwalben sind etwa 15 Zentimeter lang und haben eine Flügelspannweite von gegen 36 Zentimetern.

Elliot-Sturmschwalben sind etwa 15 Zentimeter lang und haben eine Flügelspannweite von gegen 36 Zentimetern.

Der Archipel Galapagos, etwa 1000 Kilometer vor der Küste Ecuadors gelegen, ist bekannt für seine vielfältigen Möglichkeiten, Tiere zu beobachten. Auf der Umrundung mit einem kleinen Schiff haben wir die Nacht in der Bucht Punta Vicente Roca der Insel Isabela verbracht.

Am frühen Morgen werden wir überrascht durch eine grosse Kolonie Sturmschwalben, die die Wasseroberfläche nach Plankton, kleinsten Fischlein und Krebstieren absuchen. Die Elliot-Sturmschwalben, wie sie genau heissen, sind etwa 15 Zentimeter lang und haben eine Flügelspannweite von gegen 36 Zentimetern. Sie verbringen die meiste Zeit in der Luft, leben aber, im Gegensatz zu ihren Artgenossen, in Küstennähe und nicht auf dem offenen Meer.

Wenn sie nahe der Oberfläche jagen, lassen sie ihre Beine hängen und berühren dabei das Wasser – dies erweckt den Eindruck, als ob sie auf dem Wasser gehen könnten. Das Spektakel fasziniert nicht nur mich, auch die anderen der Reisegruppe, und so ist an der Reling des Bugs ein grosses Gedränge. Ich suche mir ein ruhigeres Plätzchen und finde das auch am Heck, das gegen die Küste liegt. Zwar sind weniger Vögel da, dafür spiegeln sich die goldfarbenen Felsen im leuchtenden Blau des Meeres. Welch eine Freude, dem Farbenspiel der Wellen und den Vögeln ungestört zuschauen zu können.

Streit um eine Bananenblüte

Langzungenfledermäuse sind nachtaktiv, tagsüber schlafen sie in Felshöhlen, hohlen Baumstämmen oder verlassenen Gebäuden.

Langzungenfledermäuse sind nachtaktiv, tagsüber schlafen sie in Felshöhlen, hohlen Baumstämmen oder verlassenen Gebäuden.

Im feuchtheissen Regenwald von Costa Rica suche ich mit meinem Guide Yehudi Langzungenfledermäuse. Die Tiere werden so genannt, weil sie ihre Zunge beim Trinken von Nektar bis zur Länge ihres gesamten Körpers herausstrecken können. Dabei spielen sie eine wichtige Rolle bei der Bestäubung zahlreicher Blütenpflanzen.

Sie sind nachtaktiv, tagsüber schlafen sie in Felshöhlen, hohlen Baumstämmen oder verlassenen Gebäuden. Die Suche ist schwierig, da wir die Tiere, mit ihren sieben bis neun Zentimeter Grösse, im Schein der Taschenlampen kaum sehen. Nur ab und zu spüren wir einen Luftzug, wenn sie geschickt an unseren Köpfen vorbeimanövrieren. Sie stossen Ultraschallwellen aus und können durch deren Reflektionen Hindernisse erkennen und umfliegen. 

An einem Bananenbaum in einer Lichtung hängt ein grosser Blütenstand und die goldfarbenen Blüten warten darauf, befruchtet zu werden. Mit dem Duft des Nektars locken sie Vögel, Insekten und auch Fledermäuse an, welche Pollen von den männlichen Blüten zu den weiblichen tragen. Während eine Fledermaus in Erwartung des süssen Trankes schon ihre Zunge ausfährt, nähert sich von der Seite ein dominanter Artgenosse, der ihr den gefundenen Schatz streitig macht.

Kleider machen Leute

Die Tiere kommen bereits mit einem Kleid zur Welt, das sie vor den Widrigkeiten des Wetters schützt.

Die Tiere kommen bereits mit einem Kleid zur Welt, das sie vor den Widrigkeiten des Wetters schützt.

Der Homo sapiens kommt nackt und hilflos zur Welt. Vom Moment der Geburt bis zum Tod braucht er Kleider, um sich zu wärmen oder seine Nacktheit zu verbergen. Ganz anders in der Tierwelt. Viele Tiere kommen mit einem wärmenden Fell auf die Welt, stehen nach kurzer Zeit auf und sind schon bald in der Lage, der Mutter zu folgen.

Andere brauchen etwas länger, aber auch sie haben ein Kleid von Mutter Natur, welches sie vor den Widrigkeiten des Wetters schützt. Manchmal etwas schlichter, manchmal etwas schriller. Insbesondere die Vogelwelt überbietet sich geradezu in der Kreativität.

Farbige Federn, dekorative Kreationen, fantasievolle Kompositionen. Seit Jahrtausenden benutzen Menschen diese Schöpfungen der Tierwelt, um ihr schlichtes Erscheinungsbild zu verbessern und zu verschönern. Sie bedienen sich an wärmenden Fellen, schmückenden Elementen oder lassen sich vom Erscheinungsbild inspirieren. Diesem wunderschönen Kronenkranich begegne ich in der Serengeti, in Tansania. Von der Zeichnung im Gesicht hat sich wohl der Maler Miró anregen lassen, die Tönung des Federkleides liesse jeden Haute-Coiffeur schwitzen, und die filigrane Krone würde die Fähigkeiten eines Juweliers herausfordern. Wir können die Natur imitieren – aber nicht überbieten.

Grosse Schnauze, kleines Hirn

Das Hirn des Ameisenbärs ist nur etwa so gross wie eine Erbse.

Das Hirn des Ameisenbärs ist nur etwa so gross wie eine Erbse.

Ameisenbären gibt es seit über 50 Millionen Jahren. Sie leben in Südamerika und sind in Wirklichkeit keine Bären, sondern gehören zu den Nebengelenktieren. Ihre direkten Verwandten sind das Faultier und das Gürteltier. Ich bin mit Fernando im Pantanal unterwegs, einer Sumpflandschaft im südwestlichen Brasilien, als wir plötzlich ein prächtiges Exemplar in der weiten Landschaft entdecken. Die seltsame Erscheinung ist geprägt von einem kleinen Kopf mit einer bananenförmigen Schnauze. In ihr versteckt sich eine bis zu 60 Zentimeter lange Zunge, die klebrig ist und mit der bis 30'000 Ameisen und Termiten pro Tag aus ihren Bauten geholt werden.

Im kleinen Kopf hat aber das Hirn fast keinen Platz, es ist deshalb nur etwa erbsengross. Das kann zwischendurch ganz schön gefährlich werden, denn dadurch ist der Ameisenbär nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte und kann sich immer nur auf eine Sache konzentrieren. Wenn er Ameisen sucht, vergisst er alles um sich herum, und man kann ihn aus nächster Nähe beobachten. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Jaguare ... aber die belassen es nicht beim Beobachten.

Weil ich ruhig bin und der Wind gegen mich bläst, kommt er mir bis auf wenige Meter nahe – ganz ohne zu erschrecken, so beschäftigt ist er mit den Ameisen.

Siamesische Zwillinge?

Eine faszinierende optische Täuschung.

Eine faszinierende optische Täuschung.

Nicht immer verläuft eine Reise wie geplant. Ich bin in Tansania, im Olakira Camp, um das Spektakel der «Grossen Migration» zu fotografieren. Etwa zwei Millionen Gnus und Zebras folgen jedes Jahr dem Regen und dem dadurch wachsenden Gras. Sie wandern gegen 3000 Kilometer von den Weiden der Serengeti bis zu den Steppen der Massai Mara und wieder zurück. Es ist März und eigentlich müssten die Tiere jetzt im Süden der Serengeti sein und ihre Jungen zur Welt bringen. Aber sie sind nicht da!

Wo sonst um diese Zeit Tier an Tier steht und die Jungtiere zu Zehntausenden mit ihrem Blöken nach ihren Müttern rufen, herrscht ein grosses Schweigen und eine gähnende Leere. Anhaltende Trockenheit hat das Gras verdorren lassen und es ist weit und breit kein Regen in Sicht. Die Herden folgen dem Futter und Wasser und nicht dem Kalender und sind schon weitergezogen. Nur vereinzelte Tiere sind zurückgeblieben und fressen, was sie finden.

Plötzlich kommt Hektik auf, als ich ein Zebra mit zwei Köpfen entdecke! Sind es siamesische Zwillinge oder eine Fata Morgana, durch die flimmernde Luft? Nein, es ist eine optische Täuschung durch die räumliche Anordnung und das Muster der Zebras. Nicht geplant, aber doch ein faszinierender Anblick.

Balzarie im Hochmoor

Ein Auerhahn im norwegischen Hochmoor.

Ein Auerhahn im norwegischen Hochmoor.

Das Balzverhalten vieler Tiere ist oft ein Spektakel der besonderen Art. Ich möchte die Balz des Auerhahns beobachten und fotografisch festhalten.

Das ist kein einfaches Unterfangen, denn sie sind sehr scheu. Mein Freund Ole kennt einen Platz in einem norwegischen Hochmoor, an dem die Männchen zwischen Ende April und Anfang Mai in der Morgendämmerung um die Weibchen balzen. Er hat in Sichtweite des Balzplatzes ein einfaches Tarnzelt aufgebaut, in dem ich mich schon am Vorabend verstecke. Es ist kalt und unbequem, nur eine Matte und ein Schlafsack geben etwas Schutz. Die Tiere sind so empfindlich, dass sie durch die kleinste Störung während des Balzvorgangs vertrieben würden. Deshalb richte ich Kamera und Stativ schon jetzt ein.

Ich habe Glück und werde am frühen Morgen durch den typischen Balzgesang geweckt. Die Balzarie besteht aus dem Knappen mit dem Schnabel, einer Art klappern, das sich zu einem Hauptschlag überschlägt, und schliesslich dem Wetzen, einem zischenden Geräusch. Stetig wiederholt der Hahn das Lied, bis sich eine Henne vorsichtig nähert und sich von ihm «treten» lässt, wie die Begattung in der Jägersprache heisst. Es ist einzigartig, so etwas erleben zu dürfen, und die lange kalte Nacht ist sofort vergessen.

Süss-Saures im Regenwald

Ein Diademsifakas in einem Guavebaum.

Ein Diademsifakas in einem Guavebaum.

Lemuren gehören zur Gattung der Menschenaffen und leben ausschliesslich auf Madagaskar. Die Insel, die vor der Südostküste Afrikas liegt, ist etwa 15-mal so gross wie die Schweiz. Ich bin mit Vivienne im Andasibe-Mantadia-Nationalpark unterwegs, um nach Diademsifakas zu suchen.

Die possierlichen Tiere sind etwa 50 Zentimeter lang und wiegen fünf bis acht Kilogramm. Sie sind tagaktive Baumbewohner und bewegen sich meist senkrecht kletternd, kommen aber ab und zu auch auf den Boden. Neben den Indris sind sie die zweitgrösste Lemurenart, und ihr Name wird vom weissen Kranz um ihren Kopf, der wie ein Diadem aussieht, abgeleitet. Sie leben in matriarchalen Sippen von sechs bis zehn Männchen und Weibchen samt ihrem Nachwuchs.

Es ist feuchtheiss im Regenwald, und wir sind schon eine Weile unterwegs, ohne auch nur eines dieser Tiere zu Gesicht bekommen zu haben. Das ist nicht erstaunlich, denn eine Gruppe beansprucht ein Gebiet von 25 bis 60 Hektar. Dann, plötzlich entdecken wir eine Sifaka-Familie in einem Guavebaum. Genau genommen ist es ein Erdbeer-Guavebaum, denn seine Früchte sind kleiner und leuchtend rot. Die Gruppe frisst lustvoll die süss-sauren Beeren und lässt sich von uns nicht stören. Auch wir pflücken von den bodennahen Früchten und tun es den Affen gleich – wir geniessen sie.

Graue Riesen auf leisen Sohlen

Elefanten-Füsse sind unten mit einer dicken, gallertartigen Schicht versehen, die wie ein Polster wirkt.

Elefanten-Füsse sind unten mit einer dicken, gallertartigen Schicht versehen, die wie ein Polster wirkt.

Elefanten sind die grössten lebenden Landtiere und ihre Vorfahren bevölkerten die Erde schon vor über 50 Millionen Jahren. Heute gibt es noch drei Arten: den Afrikanischen, den Asiatischen und den Waldelefanten. Afrikanische Elefanten können bis zu vier Meter hoch werden und gegen sieben Tonnen wiegen.

Ihre Füsse sind unten mit einer dicken, gallertartigen Schicht versehen, die wie ein Polster wirkt. Zudem sind die vermeintlichen Knie in Wirklichkeit ihre Hand- und Fussgelenke – sie gehen also quasi auf Zehen- und Fingerspitzen und deshalb sehr leise. Elefanten sind ausgesprochen soziale Tiere und leben in Familienverbänden, von denen allerdings geschlechtsreife Männchen ausgeschlossen sind.

Eine meist ältere Leitkuh führt eine Gruppe von Weibchen mit ihren Jungtieren an. Sie ist die Erfahrenste und weiss, wo Gefahren lauern und wo es in Trockenzeiten Futter und Wasser gibt. Ich bin mit Greg im Amboseli-Nationalpark in Kenia unterwegs, und wir beobachten eine Herde beim Wassertrinken. Auf ein Signal der Leitkuh setzt sich die Herde in Bewegung und marschiert praktisch lautlos an uns vorbei. Die ganz Kleinen gehen an der Seite der Mutter – immer von der potenziellen Gefahr abgewandt.

Bei minus 45 Grad die Welt entdecken

Vor fünf Monaten hat die Bärin eine Erdhöhle gegraben und sich einschneien lassen.

Vor fünf Monaten hat die Bärin eine Erdhöhle gegraben und sich einschneien lassen.

Seit sechs Tagen warte ich im Wapusk-Nationalpark in Kanada darauf, dass eine Eisbärin ihre Höhle verlässt und ihre Jungen ans Tageslicht bringt. Vor fünf Monaten hat die Bärin eine Erdhöhle gegraben und sich einschneien lassen. Nach nur acht Wochen hat sie zwei kleine, nackte und blinde Bärchen geboren und während dreier Monate gesäugt – ohne in dieser Zeit zu fressen oder zu trinken. Nun ist es Zeit, die Höhle zu verlassen, die Kleinen an die Umwelt zu gewöhnen und sich dann auf den Weg zum zugefrorenen Meer zu machen, um endlich wieder jagen und fressen zu können.

Von 10 Uhr morgens bis zur Dämmerung warte ich auf den magischen Moment – und das bei minus 45 Grad! Nur noch zwei Tage habe ich Zeit, bevor ich zurück nach Hause muss. Doch dann, am siebten Tag, kommt sie endlich heraus. Sie erkundet mit ihren zwei Babys die Umgebung, lehrt sie auf dem Schnee zu gehen, zu klettern, sich zurechtzufinden. Das ist anstrengend für die zwei Bärchen, und so hält die Mutter immer wieder inne und legt sich so hin, dass ihr Körper den Jungen Schutz und Wärme bietet. Aber die zwei wollen nicht schlafen, sondern möchten nach der langen Zeit in der dunklen Höhle endlich die Welt entdecken.

Kein Wetter hält sie ab

Königspinguine

Königspinguine

Sie gehen wie Menschen, haben Federn wie Vögel und schwimmen wie Fische. Die zweitgrösste Art dieser eigenartigen Tiere, die Königspinguine, leben auf den Inseln des Südpolarmeers, nahe der Antarktis. Sie haben sich ideal an das raue Klima dieser unwirtlichen Region angepasst.

Über einer dicken Fettschicht tragen sie ihr Gefieder, das mit einem Gemisch aus Öl und Wachs aus der Zirbeldrüse wasserabweisend gemacht wird. Sie sind zwar flugunfähig, können aber ihre Flügel unter Wasser wie Flossen gebrauchen und schwimmen so wendig, dass man meinen könnte, sie fliegen. Sie brüten an Land, wobei sie kein Nest bauen, sondern ein einzelnes Ei auf ihren Füssen balancieren und mit dem warmen Daunengefieder warmhalten.

Abwechselnd schauen die beiden Eltern zum Ei oder schwimmen zur Futtersuche hinaus auf’s weite Meer. Sobald das Küken geschlüpft ist, braucht es Futter, viel Futter. Bis zu zwei Jahre dauert es, bis es gross genug ist, um sich selbst zu ernähren. In dieser Zeit müssen sogar beide Elternteile bei jedem Wetter nach Futter suchen und lassen das Junge in der Kolonie zurück. Ich bin in Südgeorgien, in der St. Andrews Bay, als uns plötzlich ein heftiger Schneesturm überrascht. Unter schwierigen Umständen gelingt mir dieses Bild einer Pinguin-Parade auf dem Weg zur Futtersuche.

Der Stammvater aller Hühner lebt im dichten Dschungel

Der Rote Dschungelhahn ist ein scheues Tier.

Der Rote Dschungelhahn ist ein scheues Tier.

Der Rote Dschungelhahn Südostasiens, der Bankiva, gilt als Urvater aller Hühner. Mit etwas Glück kann man diesen scheuen Vogel in den Wäldern dieser Region finden. Wie alle Hühner bevorzugen sie dichtes Unterholz, in dem sie sich vor Raubvögeln verstecken können, und verlassen den schützenden Wald nur zum Fressen.

Der wilde Hahn wird etwa 50 bis 75 Zentimeter gross und hat ein farbenprächtiges Kleid. Man nimmt an, dass die ersten domestizierten Hühner ca. 2000 v. Chr. über die Seidenstrasse in den Westen gebracht wurden. Über den Orient und Ägypten gelangten sie schliesslich nach Europa. Eine weite Verbreitung erfolgte aber erst durch die Römer, die das Haushuhn als Eier- und Fleischlieferanten züchteten. Seit dem Morgengrauen bin ich mit meinem lokalen Guide im Bandhavgarh-Nationalpark in Indien unterwegs. Wir sind eigentlich auf der Suche nach Königstigern und halten immer wieder an, um nach Warnrufen der anderen Tiere zu lauschen, die sich untereinander vor dem gefährlichen Jäger warnen.

Die letzten Tage konnte ich mehrmals von Weitem einen Dschungelhahn sehen. Aber immer verschwanden sie schnell im dichten Unterholz, sobald wir näher kamen. Heute ist mir das Glück hold und es gelingt mir das Bild dieses stolzen und farbenprächtigen Stammvaters aller Hühner.

Für Stiefel beinahe ausgerottet

Bisons im Yellowstone Nationalpark.

Bisons im Yellowstone Nationalpark.

Wer kennt sie nicht: Die Bilder von riesigen Bisonherden in den weiten Prärien von Nordamerika – Lebensgrundlage der Indianer. Die Geschichten von Winnetou und Old Shatterhand; die Heldentaten von Buffalo Bill, dem Büffeljäger. Diese Büffeljäger haben das grösste Landsäugetier des amerikanischen Kontinents, das einst dreissig Millionen Exemplare zählte, beinahe ausgerottet. Als die Nachfrage nach Leder im 19. Jahrhundert anstieg, wurde die Jagd kommerzialisiert und ihr Bestand zunehmend gefährdet.

Richtig los ging es aber nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71, als die europäischen Staaten ihre Armeen neu ausrüsteten – darunter auch mit Stiefeln für die Soldaten. Millionenweise wurden die Tiere durch die Bisonjäger abgeschlachtet, die Haut abgezogen und zu Leder verarbeitet. Der Rest verrottete in den Prärien. Nur gerade eine Herde von 200 Tieren blieb 1894 im Schutze des Yellowstone Nationalparks übrig.

Heute haben sich die Bestände wieder auf wenige zehntausend Exemplare erholt. Ganz allein bin ich an einem bitterkalten Wintermorgen im Yellowstone Nationalpark unterwegs. Im Wissen um die Geschichte berührt mich die Begegnung mit diesen prächtigen Bisons und erfüllt mich mit Scham und Ehrfurcht gegenüber der Natur.

Ein Akrobat im Regenwald

Ein Rotaugenlaubfrosch.

Ein Rotaugenlaubfrosch.

Einer der schönsten aller Frösche ist wohl der Rotaugenlaubfrosch, der im Regenwald von Mittelamerika lebt. Wissenschaftlich heisst er «Leuchtend schöne Baumnymphe» und wie die Nymphen in der griechischen Mythologie lebt auch er in den Baumwipfeln und steigt nur in der Nacht herab, um nach Futter zu suchen oder sich der Fortpflanzung zu widmen. Tagsüber klebt er an der Unterseite von Blättern, gut getarnt vor hungrigen Vögeln. Die farbigen Beine eng an den Körper geschlungen, die leuchtend roten Augen geschlossen, schmiegt er sich nahe an die Blätter und ist, nur noch ein grünes Häufchen, kaum zu erkennen. Doch in der Nacht ist der 5 bis 7 Zentimeter grosse Frosch unterwegs und kann sich mit seinen Greifhänden auch auf dünnsten Halmen fortbewegen.

Ich bin in einer feuchtheissen Nacht mit meinem Guide Yehudi im Regenwald von Costa Rica unterwegs. 

Mit Taschenlampen suchen wir schon längere Zeit die Bäume und Sträucher ab, in der Hoffnung eine solche Nymphe zu entdecken. Endlich finden wir ein Prachtexemplar, welches auf seinem Ausflug das Gleichgewicht verloren hat und einem Reckturner gleich die Balance sucht. Schnell ein, zwei Fotos gemacht und wir lassen das Fröschlein ziehen auf seiner Suche nach Futter – oder einem Partner.

Früh übt sich, wer ein König werden will

Früh übt sich, wer ein König werden will

Früh übt sich, wer ein König werden will

Löwen sind nach den Tigern die zweitgrössten Katzen der Welt und leben in Indien und Afrika. Seit Menschengedenken sind sie ein Symbol für Macht und Herrschaft, von Sagen und Mythen umwoben und dominieren unzählige Wappen und Fahnen.

Besonders die Männchen mit ihrem markanten Kopf und der riesigen Mähne gelten als die Könige der Tiere. Löwen leben in Rudeln und werden von einem bis zu vier erwachsenen Männchen angeführt, die Weibchen sind für die Jagd und die Aufzucht des Nachwuchses zuständig.

Männliche Nachkommen dürfen nur bis zur Geschlechtsreife in der Gruppe bleiben und werden dann ausgestossen. Sie streifen nachher als Einzelgänger umher oder scharen sich in Junggesellengruppen zusammen. Wenn sie ein Rudel erobern wollen, müssen sie die Anführer, in einem meist blutigen Kampf, vertreiben.

Ich bin im Mala Mala Game Reserve, im Norden von Südafrika. Schon seit einiger Zeit beobachte ich mit meinem Guide Greg zwei junge Löwenmännchen. Spielerisch springen sie umher und jagen sich, als aus dem Spiel plötzlich ein Kampf um die Rangordnung wird. Fauchend gehen sie aufeinander los, bis eines der Tiere zurückweicht. Früh übt sich, wer ein König werden will.

Kleiner Schwatz im Vollmondlicht

Hyazinth-Aras sind mit einer Länge von rund einem Meter die grösste aller Papageienarten.

Hyazinth-Aras sind mit einer Länge von rund einem Meter die grösste aller Papageienarten.

Hyazinth-Aras sind mit einer Länge von rund einem Meter die grösste aller Papageienarten. Ihr Gefieder ist kobaltblau, nur die Stellen um den Schnabel und die Augen sind leuchtend gelb. Sie leben in Südamerika und sind laut der Roten Liste vom Aussterben bedroht – es gibt nur
noch etwa 3000 Exemplare. Die zunehmende Rodung der Wälder für die Landwirtschaft, aber auch die Vorliebe von Vogelzüchtern auf der ganzen Welt machen ihnen zu schaffen.

In der Umgebung der Fazenda Barranco Alto im Pantanal in Brasilien gibt es aber noch eine grosse Population dieser prächtigen Tiere, da die Acuripalme im Umfeld der Lodge weit verbreitet ist. Die Nüsse dieser Palme sind die Hauptnahrung dieser prächtigen Vögel. Ich bin mit Lucas unterwegs, um im Lichte des Vollmonds nach nachtaktiven Tieren zu suchen.

Es ist kein gewöhnlicher Vollmond, sondern ein «blauer Mond». Das hat nichts mit seiner Farbe zu tun, sondern mit dem seltenen Ereignis, dass es in diesem Monat der zweite Vollmond ist. Normal sind Papageien um diese Zeit ruhig und melden sich erst wieder in den frühen Morgenstunden. Dieses Paar ist trotzdem im hellen Licht des Vollmonds unterwegs und hält einen kleinen, dennoch lauten Schwatz.

Der bärtige Muscheltaucher mit grossem Hunger

Bis zu 50 Kilogramm Muschelfleisch frisst ein Muscheltaucher-Bulle pro Tag.

Bis zu 50 Kilogramm Muschelfleisch frisst ein Muscheltaucher-Bulle pro Tag.

Im hohen Norden der Arktis zu fotografieren, ist ein besonderes Privileg. Im Sommer geht die Sonne nie unter und die Lichtstimmung wird gegen Mitternacht fast mystisch, wenn die Sonne tief am Horizont steht.

Ich bin auf einem Schiff nördlich von Spitzbergen, auf der Suche nach Eisbären. Eine Schlechtwetterfront zwingt uns, nach Süden zu fahren und in einer Bucht der Inselgruppe «Sieben Inseln» Schutz zu suchen.

Das Wetter hier ist besser und wir nutzen die Zeit, um mit dem Schlauchboot nach Walrossen Ausschau zu halten. Walrosse sind grosse Robben und zeichnen sich durch ihre riesigen Stosszähne sowie den Borstenbart aus. Sie werden etwa drei Meter lang und Männchen können über eine Tonne wiegen. Umso erstaunlicher ist ihre Diät, die hauptsächlich aus Muscheln besteht, gelegentlich ergänzt durch Tintenfische, Schnecken und Krabbentiere.

Mit ihren Flossen oder ihrem Borstenbart wühlen sie die Muscheln am Meeresboden auf und öffnen sie geschickt zwischen ihren Lippen. Bis zu 50 Kilogramm Muschelfleisch frisst ein Bulle pro Tag. Nach kurzer Suche finden wir dieses schöne Exemplar, halten aber Distanz, um ihn bei seiner mühseligen Arbeit nicht zu stören.

Ein Wald als Bärenland – der Winter kann kommen

Ein Braunbär trottet dorthin, wo ein Guide Lachse ausgelegt hat.

Ein Braunbär trottet dorthin, wo ein Guide Lachse ausgelegt hat.

Es ist Herbst, als mich ein Guide im Niemandsland entlang der finnisch-russischen Grenze zu einer kleinen Hütte begleitet. Der Wald ist unverkennbar Bärenland, denn immer wieder sehen wir tiefe Abdrücke von riesigen Tatzen im Morast und Kratzspuren an den Bäumen. Dennoch ist es nicht besonders gefährlich, sich im Gehölz zu bewegen.

Die Braunbären haben einen ausgeprägten Geruchssinn und können uns schon von Weitem riechen. Sie sind sehr scheu und gehen Begegnungen mit Menschen aus dem Weg. Das ist auch der Grund, weshalb ich diese Hütte aufsuche. Sie dient als Versteck, um Bären beobachten und fotografieren zu können. Neben einem kleinen Loch, in dem das Objektiv der Kamera platziert wird, gibt es ein Fenster mit einem halbdurchlässigen Glas. So kann ich aus dem Dunkel zwar hinausschauen, aber von aussen sieht man nicht hinein.

In der Nähe der Hütte hat der Guide Reste von Lachsen ausgelegt, um die Bären anzulocken. Nach stundenlangem Warten trottet plötzlich ein mächtiges, vollgefressenes Männchen an der Hütte vorbei. Schon bald braucht er seinen Speck, denn der Schnee ist nicht mehr weit, und er wird seinen Winterschlaf halten.

Fressen und gefressen werden

Eine Papageienschlange hat einen Frosch im Maul.

Eine Papageienschlange hat einen Frosch im Maul.

In der Nahrungskette der Natur gibt es ein stetes Fressen und Gefressenwerden. Ein intaktes Ökosystem braucht dabei ein bestimmtes Verhältnis zwischen Jägern und Gejagten. Der Mensch als Beobachter empfindet aber nicht für alle Räuber die gleichen Sympathien. Wenn ein Frosch eine Mücke frisst, ist das völlig in Ordnung. Wenn aber eine Schlange den mückenfressenden Frosch verschlingt, ist das für viele abstossend.

Eine Grosszahl der Menschen hat eine Abneigung gegenüber Schlangen, wobei umstritten ist, ob diese angeboren oder erlernt ist. Mich faszinieren sie. Ich bin in Costa Rica im Regenwald des Tieflandes auf der Suche nach Rotaugenlaubfröschen. Die niedlichen Tiere sind nachtaktiv und schlafen tagsüber an der Unterseite von Blättern. Mit ihren Saugnäpfen an den Füssen können sie sich dort anheften und sind so vor den Blicken hungriger Vögel geschützt.

Beim Durchsuchen der Bäume und Sträucher stosse ich unvermittelt auf einen jagenden Frosch – das heisst, auf den Rest von ihm. Eine Papageienschlange ist mir zuvorgekommen und ist daran, ihn zu verschlingen. Vor den Vögeln konnte er sich verstecken – die Schlange aber hat ihn von hinten erwischt.

Nebel in Afrika

Eine Giraffe taucht im Mala-Mala Game Reserve gespenstisch aus dem Nebel auf.

Eine Giraffe taucht im Mala-Mala Game Reserve gespenstisch aus dem Nebel auf.

Wer an Afrika denkt, verbindet das meist mit Wärme, ja Hitze. Während den üblichen Reisezeiten stimmt das wohl auch. Aber der zweitgrösste Kontinent der Erde hat sehr unterschiedliche Klimazonen und Jahreszeiten.

Von der Sahara-Wüste im Norden über Zentralafrika bis zum südlichsten Punkt in Südafrika erstrecken sich fast 8000 Kilometer. Und ganz im Süden kann es schon mal kalt werden, denn der Südpol, der kälteste Ort der Erde, ist nicht mehr so weit weg. Ich bin im Mala-Mala Game Reserve in Südafrika.

Dieser private Park in der Nähe des Sand-Rivers ist ein idealer Ort, um Löwen und Leoparden zu fotografieren. Es ist afrikanischer Winter und eine Kaltfront hat zudem antarktische Luft in das Gebiet gebracht. Bei der Morgensafari ist es gegen null Grad – auf dem offenen Jeep ist das unangenehm kalt, da nützen auch die bereitgestellten Wolldecken nicht viel. Das Wasser des Flusses ist aber immer noch warm, und so hat sich dichter Nebel über das Gebiet gelegt. Es ist ruhig im Park, fast mystisch erscheinen die bizarren Äste des kleinen Waldes. Als eine Giraffe gespenstisch aus dem Nebel auftaucht, ist das Bild perfekt.

Die Trolle von Finnland

Ausgewachsen werden die Bartkauze bis zu 67 Zentimeter lang.

Ausgewachsen werden die Bartkauze bis zu 67 Zentimeter lang.

Eulen lösen bei vielen Menschen eine grosse Faszination aus, so auch bei mir. Anders als bei den meisten Vögeln sind ihre Augen nach vorne gerichtet und geben ihnen deshalb ein menschenähnliches Gesicht. Ich bin in Finnland, mit dem Ziel, den Bartkauz zu fotografieren. Ausgewachsen werden diese Eulen bis zu 67 Zentimeter lang und leben am Rand von borealen Nadel- und Mischwäldern der nördlichen Halbkugel. Nach langer Suche finde ich mit meinem Guide Jari zwei Jungvögel am Waldrand.

Wir nähern uns vorsichtig und halten aus Rücksicht auf die Tiere und zu unserem Schutz einen Sicherheitsabstand ein. Die Mutter würde die Jungen aggressiv verteidigen und uns mit ihren scharfen Krallen attackieren. Die Jungen verlassen das hoch gelegene Nest mit etwa vier Wochen. Sie können noch nicht fliegen, sondern flattern mehr schlecht als recht Richtung Boden. Mit ihren langen Beinen krabbeln sie dann auf einen herumliegenden Ast, auf dem sie vor Räubern wie Wölfen oder Füchsen geschützt sind. Dort werden sie von ihren Eltern versorgt, bis sie nach drei Monaten selbstständig zu jagen beginnen. Wie ein Troll schaut mich der Kauz an – bewacht von der Mutter, die uns gewähren lässt.

Der kleine Unterschied

Braunbären in den Wäldern von Finnland.

Braunbären in den Wäldern von Finnland.

Braunbären verwenden etwa 16 Stunden des Tages für die Futtersuche. Sie sind Allesfresser, und neben Fleisch und Fisch fressen sie auch gerne Blätter, Wurzeln, Pilze, Nüsse, Früchte, Beeren und als ganz besonderen Leckerbissen Honig. Sie streifen allein in den weiten Wäldern umher, nur in der Paarungszeit suchen sie die Nähe zum anderen Geschlecht. Nach der Paarung ist das befruchtete Ei in einer Keimruhe und nistet sich erst im Herbst in der Gebärmutter ein; dies aber nur, wenn die Bärin genügend Fettreserven hat. So ist sichergestellt, dass sie ausreichend Milch für die Jungen hat, die während der Winterruhe geboren werden. Sie kommen in der Höhle nackt und blind zur Welt. An diesem Ort sind sie geschützt und haben etwa drei bis vier Monate Zeit, um genügend gross und stark zu werden.

Dieses Paar kann ich aus einer Beobachtungshütte in den Wäldern von Finnland fotografieren. Sie ziehen schon eine Weile miteinander umher und kommen immer wieder in die Nähe der Hütte. Das Weibchen scheint nicht besonders interessiert zu sein und kratzt seinen Rücken an einem Baum, während das Männchen seine Aufmerksamkeit offensichtlich dem kleinen Unterschied widmet.

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