Die Szene: Der Tennis-Star winkt einen Balljungen herbei und zeigt auf den Boden, worauf der Junge mit Handtüchern zu wischen beginnt.

Das Spiel geht weiter. Die Zuschauer wundern sich. Das SRF-Kommentatoren-Duo rätselt: «Was war das?», fragt Bürer. Günthardt: «Hat er sich da vielleicht leicht übergeben? Das war sehr braun für Schweiss.» Bürer resümiert: «Das war kein Schweiss.»

«Nicht üblich, aber es passiert»

«Man sieht es ja nicht genau, aber es ist vermutlich schon ein wenig Erbrochenes», sagt Sportmediziner German Clénin. «Es ist zwar nicht üblich, dass man sich übergeben muss. Aber es passiert. Langstreckenläufer etwa können sich sicher erinnern, dass ihnen schon schlecht wurde», erklärt der Chefarzt vom Medizinischen Zentrum Bern-Ittigen. Das sei die Überanstrengung.

Natürlich komme es auch darauf an, was man gegessen und getrunken habe. Doch bei Nadal sei das wohl nicht das Problem gewesen. Spitzensportler wie er würden nicht vor Spielen wie diesen plötzlich auf ein neues Getränk setzen.

Es könne auch an der Blutverteilung liegen. Denn das Blut ist für die Muskeln parat, nicht für Magen und Verdauung. Dort herrscht Pause. Der Mageninhalt bleibt im Bauch. Deswegen sollte man auch kurz vor dem Sport nicht essen, sondern, wie auch Hobbysportler wissen, drei bis vier Stunden vor einem Wettkampf.

«Bei Ausdauersportlern steigen die Laktat-Werte, das heisst die Stoffwechsellage wird sauer. Das kann auch dazu führen, dass man sich übergeben muss», erklärt Clénin. Nadal verlange von seinem Körper alles, er kämpfe wie ein Löwe und gehe an sein Limit. «Seine Spielweise provoziert es, er geht eben an die Grenze, kotzt sich voll aus. Wenn ich alles gebe, ist das Risiko, dass etwas kommt, grösser», sagt Clénin.

Stress und wenig Energie

Nicht zu vergessen ist der psychische Stress. Die Anspannung und der Wunsch nach dem Sieg. Nadal, so Clénin, sei während des ganzen Spiels stark unter Druck gewesen. Sportpsychologe Jan Rauch spricht von einem psychologischen Phänomen, das in Extremsituationen auftauche. Stress könne Übelkeit verursachen. Das Stresshormon Cortisol wird freigesetzt.

Auch Rauch erklärt, dass die Energie vom Magen-Darm-Trakt abgezogen wird. Man kenne das etwa von Vorstellungsgesprächen. «Weniger Energie, drei Stunden auf dem Platz, da kommt alles zusammen», so Rauch.

Andere tun es auch

Nadal wäre auch nicht der Einzige, der während eines Spiels erbrechen musste. 1996 übergab sich Pete Sampras, als er gegen Alex Corretja spielte. Während der French Open 2014 musste sich Novak Djokovic übergeben.

Pete Sampras bricht zusammen (Davis Cup 1995) und übergibt sich (US Open 1996).

Pete Sampras bricht zusammen (Davis Cup 1995) und übergibt sich (US Open 1996).

Eine der legendärsten «Kotz-Szenen» passierte an den French Open 2012. Grigor Dimitrov bricht auf dem Court zusammen. Er hat Krämpfe, fällt zu Boden und krabbelt vom Platz. Auf der anderen Seite steht Richard Gasquet. Ihm geht es auch nicht viel besser. Er übergibt sich. Geteiltes Leid, halbes Leid sozusagen.

Deutschland-Brasilien: Lionel Messi übergibt sich im WM-Final 2014

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Nicht nur bei Tennis-Stars spielt der Magen hin und wieder verrückt. Eine argentinische Zeitung spricht bei Profi-Sportlern, die während eines Wettbewerbs erbrechen, sogar vom «Messi-Syndrom». Der Fussballer ist bekannt dafür, dass er sich während Fussballspielen übergibt.