Thomas Walter, hat die Schweiz nördlich der Alpen genügend Flächen für den Reisanbau?

Thomas Walter: Wir haben eine Potenzialkarte erstellt. Nicht direkt für Reisflächen, aber für Feuchtackerflächen, die sich eignen würden. Es gibt in der Schweiz etwa 130 000 Hektaren drainierte Fruchtfolgeflächen. Aus diesen Flächen lassen sich die für den Reisanbau herausschälen. Mindestens 10 000 Hektaren könnte man wohl nutzen, wenn nicht noch mehr.

Wer könnte das?

Bauern mit Pioniergeist, für die es kein grosses Risiko darstellt, wenn der Versuch nicht gleich grosse Mengen abwirft. Wir sind froh, wenn einige Bauern das ausprobieren, die an einem geeigneten Standort wohnen. Wir sehen den Anbau von Reis für die Landwirte als Ergänzung. Gerade auch, wenn man an den Klimawandel denkt. In der Po-Ebene machen das die Bauern seit Jahrzehnten. Heute haben wir im Mittelland beinahe Verhältnisse wie in der Po-Ebene vor zwanzig Jahren.

Gibt es einen Markt für Schweizer Reis?

Wir importieren beinahe allen Reis in die Schweiz. Hier gibt es somit einen freien Markt für einheimischen Reis.

Welche Regionen eignen sich?

Das könnte an vielen Orten funktionieren. Ausschlaggebend ist, woher das Wasser für die Flutung kommt. Das sollte während der 3½ Monate der Bewässerung nicht zu kalt sein, nicht unter 15 Grad. Das St. Galler Rheintal könnte sich eignen, ebenso die Linthebene in den Kantonen Schwyz und St. Gallen. Ein Pilotversuch im Reusstal war auch geplant. Wir werden unser Projekt in den Kantonen Waadt und Bern weitermachen. Zwei Anfragen gab es auch aus dem Kanton Aargau, die aber noch nicht ins Projekt aufgenommen wurden.

Im Tessin wird im Oktober Reis geerntet

Im Tessin wird im Oktober Reis geerntet

m Oktober, ist auf den Tessiner Reisfeldern, den bislang einzigen Reisanbauflächen der Schweiz, Erntezeit. 200 Tonnen Risottoreis ernten die Landwirte.

Auf Ihren zwei Reisfeldern haben Sie biologisch produziert, ohne Einsatz von Chemikalien. Beim weltweiten Reisanbau wird aber nicht darauf verzichtet.

Für uns war der Chemieeinsatz kein Thema. Und es gibt auch in Norditalien Reisbauern, die biologisch produzieren. Das Wasser erstickt gewisse Unkräuter. Gewachsen sind darin Hühnerhirse und Rohrkolben. Diese haben wir gejätet. (Kn.)