Die Zahlen der Kriminalitätsstatistik sind eindrücklich: 2012 wurden 199 Kilo und 43 Liter GBL beschlagnahmt. Das sind enorme Mengen, denn für einen Rausch braucht es nur einige Tropfen.

Unter jenen, die auf Partys Drogen nehmen, geben nur zwischen dreieinhalb und vier Prozent an, dass sie GBL/GHB konsumieren. "Angesichts der Mengen, die konfisziert wurden, müsste davon im Partybereich viel mehr sein. Die Daten gehen nicht auf", sagt Peter Menzi von der Schweizerischen Koordinations- und Fachstelle Sucht, Infodrog.

Und Alexander Bücheli vom Kontaktnetz für Fachleute, Betreiber und Behörden, Safer Nigthlife Schweiz, sagt: "Partydroge Nummer eins ist der Alkohol; GBL/GHB spielt kaum eine Rolle mehr."

Ende der 1990er-Jahre war GHB noch als legale Alternative zu Ecstasy beliebt. Inzwischen ist GHB und der GBL-Missbrauch in der Schweiz verboten. In anderen Ländern dagegen ist GBL legal - und via Internet in Flaschen mit bis zu 10 Litern zu bestellen.

Wo bleibt der Rest?

Den Behörden blieb dies nicht verborgen, weshalb sie seit Ende 2010 gezielt nach GBL-Sendungen Ausschau halten. Darauf schnellte die Zahl der Beschlagnahmen nach oben. 2011 wurde ein Rekord vermeldet, die Zahlen für 2012 lagen nur leicht darunter.

Diese deuten auf einen grossen Bedarf hin. Doch laut den Suchtexperten ist dieser marginal. Wo ist der Rest? "Ein Teil landet im Müll oder verstaubt - ähnlich wie Schnaps - auf einem Regal", sagt Christian Schneider, Analyst beim Bundesamt für Polizei (fedpol). "Eine Halbliterflasche GBL reicht bei einem Freizeitdrogenkonsumenten für ein ganzes Leben."

In der Schweiz gebe es aber eine unbekannte Anzahl GBL/GHB-Süchtige. "Das bedeutet, dass relativ wenige Konsumenten einen relativ grossen Anteil am Konsum haben."

Zudem seien Zahlen aus Drogenkonsum-Umfragen mit Vorsicht zu geniessen: "Bei gewissen Substanzen wie Heroin geben die Leute vermutlich oft selbst einen Einmalkonsum nicht zu." Doch diese Phänomene erklärten nur einen Teil der Lücke, sagt Schneider.

Drehscheibe Schweiz

Büchelihat eine weitere Erklärung: Ein Teil des importierten GBL wird in das bei Konsumenten beliebtere GHB umgewandelt und auch wieder exportiert.

"Niemand will es zugeben, doch es ist bekannt, dass die Schweiz Dank ihrer zentralen Lage eine Drehscheibe für Drogen ist. Diese werden meistens ins benachbarte Ausland exportiert, ", sagt er. Der Schweizer Zoll beschlagnahme immer wieder für den Export bestimmte Drogen.

Die Statistiken zeigen auch bei anderen Substanzen wie Thai-Pillen und modernen Halluzinogenen eine Lücke zwischen Import und Konsum.

Kleine Milieus

Schneider verweist darauf, dass es für die Behörden schier unmöglich ist, den Dealern auf die Spur zu kommen. "Die Deals finden in einem halböffentlichen oder privaten Raum statt." Je kleiner das Milieu, desto schwieriger sei es für die Polizei, Drogenübergaben zu entdecken.

Auch beim GBL/GHB hat sich der Handel auf private Kanäle verschoben, wie Bücheli sagt. "Bei Internetbestellungen muss man seine Identität preisgeben, weshalb die Gefahr grösser ist, dass man erwischt wird." Da decke sich der Konsument lieber beim Händler seines Vertrauens ein.