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Schluss mit türkischen Import-Nüssen – Jetzt gibts erstmals Nuss-Schoggi mit Schweizer Haselnüssen

© Sébastian Lavoyer

Schweizer Schokolade mit Schweizer Haselnüssen – eigentlich nichts Besonderes? Könnte man meinen.

Herzhaft beisst Ueli Ramseier in die Haselnussschokolade. Endlich hält er sie in Händen, endlich kann er sie kosten, die erste Schweizer Haselnussschokolade mit Schweizer Haselnüssen, mit seinen Haselnüssen.

Ramseier ist einer der Schweizer Haselnuss-Pioniere. Zusammen mit seiner Frau Bettina und Nachbar Peter Sahli unterhält er in Murzelen BE, oberhalb des Wohlensees, eine knapp eine Hektare grosse Plantage. Er begann 2014, setzte 170 Haselbäume, sechs Sorten mit klingenden Namen wie «Wunder von Bollweil» oder «Hall’sche Riesen». Vor zwei Jahren hat sich auch Sahli entschieden, unweit der Pionier-Anlage von Ramseier 70 weitere Haselbäume zu setzen.

, sagt Sahli.

Ihre Kleinanlage steht an einem Südhang, rund 100 Höhenmeter oberhalb des Wohlensees. Direkt am Waldrand. Saftiges Grün, so weit das Auge reicht, und am Horizont die Voralpen. Die Bise rauscht in den Blättern der aufgepfropften Haselbüsche.

Die Haselnuss-Bauern Ueli Ramseier (links) und Peter Sahli (rechts) zusammen mit Chocolatier Willi Schmutz auf ihrer Plantage in Murzelen BE.

Die Haselnuss-Bauern Ueli Ramseier (links) und Peter Sahli (rechts) zusammen mit Chocolatier Willi Schmutz auf ihrer Plantage in Murzelen BE.

Für seinen Compagnon Ueli Ramseier war von Anfang an klar, dass er in eine Nische will. Er stammt nicht aus einer Bauernfamilie, konnte weder Hof noch Ländereien übernehmen. Etwas anderes als eine Nische wäre schlicht zu teuer. Er brauchte etwas, das hohen Ertrag auf wenig Fläche abwirft.

Ramseier lässt die Schokolade auf der Zunge zergehen:

Erstmals überhaupt konnten sie ernten und verkaufen, die erste Ernte vor einem Jahr fiel einem Pilzbefall zum Opfer. Dieses Jahr warfen die Bäume rund 200 Kilogramm ab. In ein paar Jahren dürften es fünfmal so viel sein. Um die 30 Franken kostet das Kilo ohne Schale, in etwa so viel wie erstklassige Piemonteser Haselnüsse, die gefragtesten überhaupt. Ramseier sagt: «Wir sind natürlich auf Abnehmer angewiesen, die bereit sind, für ein Schweizer Produkt mehr zu bezahlen.»

Hier kommt der Willi Schmutz ins Spiel. Zusammen mit seinem Partner Martin Schwarz wurde er 2018 zum Schweizer Chocolatier des Jahres erkoren. Sie sind bekannt für gewagte Experimente aus qualitativ hervorragenden Zutaten.

Sehen Sie im Video, wie die Schweizer Haselnüsse produziert werden:

Haselnüsse aus Wohlen BE für Schoggi von Casa Nobile

Haselnüsse aus Wohlen BE für Schoggi von Casa Nobile

Zur Illustration ein Blick in die neue Frühlingskollektion: Da hat es ein Praliné dabei aus Spargel, Rhabarber und Spinat. Oder ein anderes mit Erdbeere, Erbse und Minze. Jedes eine kleine Geschmacksexplosion.

Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen: Die neue Frühlingskollektion der Chocolatiers Willi Schmutz und Martin Schwarz.

Da läuft einem das Wasser im Mund zusammen: Die neue Frühlingskollektion der Chocolatiers Willi Schmutz und Martin Schwarz.

Schweiz importiert mehr als 9000 Tonnen türkische Haselnüsse

Und dann macht er etwas so Konventionelles wie Haselnuss-Schokolade? «Das war ein Mosaiksteinchen, das noch gefehlt hat in unserem Sortiment», sagt Schokoladen-Künstler Schmutz. Auch wenn die erste Produktion der Haselnuss-Bauern aus Murzelen vorerst bloss für 2200 Tafeln reicht. Ein Teil davon mit dunkler Schokolade, der andere, etwas süsser, aus Milchschoggi – beide mit knackig gerösteten Murzeler Haselnüssen. Viel Handarbeit, die gesamte Produktion in der Schweiz – das kostet und schlägt sich natürlich auch auf den Preis nieder: 9.90 Franken zahlt man für eine Tafel.

So konventionell Haselnussschokolade ist, so versprechen die Hersteller doch eine Neuheit. Es gebe keinen anderen Schokoladeproduzenten, der Haselnussschokolade aus Schweizer Nüssen mache.

, erklärt Ueli Ramseier. Hierzulande kommen fast 90 Prozent der Haselnüsse aus der Türkei.

Das, obschon die Haselnuss neben den Buchennüsschen eigentlich die einzige heimische Nuss ist. Und obwohl die Nachfrage nach Haselnüssen in der Schweiz eigentlich immens ist. Schon 1830 brachte Charles-Amédée Kohler die erste Haselnussschokolade auf den Markt. Heute gehört sie zu den beliebtesten Klassikern überhaupt. Entsprechend gross ist die Nachfrage der Chocolatiers.

Haselnussplantagen im Piemont sind nicht besonders auffällig – solche in der Schweiz schon.

Haselnussplantagen im Piemont sind nicht besonders auffällig – solche in der Schweiz schon.

Rund 10000 Tonnen geschälter Haselnüsse importiert die Schweiz pro Jahr. Die Schweizer Produktion steckt in den Kinderschuhen. Knapp ein Dutzend Bauern pflanzen hierzulande Haselnüsse an. Vor allem in der Ostschweiz und im Jura, aber auch im Aargau und im Bernbiet.

Bei der Haselnuss funktioniert Copy/Paste nicht

Ueli Ramseier und Peter Sahli stehen noch am Anfang mit ihren Plantagen. Aber die Basis halten in ihren Händen, die Schokolade von Willi Schmutz mit ihren Nüssen. Jetzt wollen sie mehr, mehr Nüsse, mehr lernen. «Hier sind die Bedingungen so anders als im Elsass oder im Piemont. Der Boden, das Klima, die Lage – das ist kein Selbstläufer», sagt Sahli. Sie haben sich alles selbst beigebracht. Zum Beispiel das Schneiden der Bäume, damit sie genug Licht bekommen.

Aus Risikoüberlegungen haben sie verschiedene Sorten angepflanzt und genug Abstand zwischen den Pflanzen gelassen. Bald wollen sie sich einen Haselnuss-Sauger zulegen, um effizienter ernten zu können. Die Tests waren vielversprechend.

Natürlich haben sie in den vergangenen Jahren auch Fehler gemacht. Aber sie wurden immer weniger. Und irgendwann soll die Nuss quasi von selbst rollen. Die Wertschätzung für lokales Schaffen wächst. Vor allem, wenn es qualitativ so zu überzeugen weiss wie die neuste Kreation von Casa Nobile.

© CH Media

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