Zur Villa Kunterbunt fehlen nur noch die Veranda und das Pferd: Im Innern des dreistöckigen, unter Denkmalschutz stehenden Hauses taucht Anet Corti durch den klimpernden Türvorhang auf und lädt mit einem breiten Lachen ein in ihr verspieltes Reich. Im Gang der Vierzimmerwohnung steht ein Gartenzwerg zum Empfang bereit, in der Küche leuchtet eine Lampe in Form eines Hirschkopfs und darunter steht eine Vielzahl von Plastikfigürchen: Barack Obama neben Freud und dem Papst, gekrönt von der Eisernen Lady Maggie Thatcher, die als Nussknacker ihre Dienste leistet. Die Kabarettistin lebt ihren Spieltrieb nicht nur auf der Bühne, sondern auch in ihrer gemütlichen Altbauwohnung aus.

Möbel mit Geschichten

Obwohl sie erst im Mai eingezogen ist, hat sie den grosszügigen, hellen Räumen bereits ihre eigene Note verpasst. Nebst Blumenketten und Krimskrams hat sie ein Flair für Retrodesign-Möbel. «Das hat sich eher zufällig so ergeben», meint sie und erzählt von den Stücken, die sie auf dem Flohmarkt oder im Brockenhaus ergattert hat. «Ich mag Möbel mit einer Geschichte.» Mit vielen davon verbindet sie eigene Erinnerungen: Etwa mit den Stühlen aus dem Kleintheater Luzern, auf denen immer noch die Sitznummer klebt. Oder mit den rosaroten Sesseln im Erker, die von der gemeinsamen Bingo-Show mit Beat Schlatter stammen.

In dieser Nische mit dem roten Tisch und der knallorangen Lampe schreibt sie oft ihre Bühnentexte. «Von hier aus kann ich mir direkt aus dem Fenster eine Feige vom Baum im Garten pflücken», schwärmt sie von der grünen Idylle ringsum, wo im Sommer eine Laube unter Reben und eine gusseiserne Freiluft-Badewanne locken – auch ein kleines Paradies für die Kinder ihrer Schwester, die im oberen Stock wohnen und oft bei ihrer Tante zu Besuch sind. Ein Anziehungspunkt für den Neffen ist das alte Kinderspielzeug, das in Cortis Vitrinen steht. Sie sammle nicht, sagt sie, aber wenn sie auf dem Flohmarkt wieder einmal eine Comicfigur, einen Roboterhund oder einen alten Gameboy entdeckt, kann sie nicht widerstehen.

Katastrophenzimmer

Dass sich die kleine, quirlige Baslerin in ihrem Bühnenprogramm «Win-Win» ausgerechnet mit der trockenen Bürowelt beschäftigt, erstaunt nur auf den ersten Blick, birgt das Thema doch viel Komikpotenzial. «Die Strukturen in den Büros, der Konkurrenzdruck und die zufällig zusammengesetzte Schicksalsgemeinschaft bieten genug Zündstoff», sagt sie. Wenn sich die Komikerin als überforderte Direktionsassistentin Betty Böhni die Haare rauft oder als grantige Empfangsdame schnödet, erkennen die Zuschauer sich selbst oder ihre Arbeitskollegen wieder. «Und wer hat sich im Büro nicht schon mal gewünscht, alles kurz und klein zu schlagen?», schmunzelt Corti. Sie selbst muss sich mit Bürokram nur selten rumschlagen. «Das mache ich dann in meinem Katastrophenzimmer», sagt sie und weist auf eine verschlossene Tür, hinter der sich das Chaos verberge.

Wenn sie nicht gerade an einem Bühnenprogramm tüftelt, liebt sie es, in ihren vier Wänden zu «bäschele», wie es die Baslerin ausdrückt. Den Spiegelschrank hat sie selbst renoviert und die Tonfigur einer tanzenden Frau auf dem farbigen Sideboard stammt ebenfalls von ihr. Daneben steht ein Hingucker der Künstlerin Priska Ryffel: Ein Block mit Klingelknöpfen und Namensschildern wie «Die Astrophysikerin», «Die Matrosin» oder – passend zur Hausbewohnerin – «Die Künstlerin».

Ein Traum der Schauspielerin wäre es, die Kirche, die an das Haus angrenzt, in ein Theater samt Café und Ausstellungsraum umzuwandeln. «Aber das bleibt wohl eine Fantasie», sagt sie augenzwinkernd. Besser verwirklichen lässt sich der geplante Fondueabend im Winter. Ein Muss im mit Holzwänden ausgestatteten Wohnzimmer, findet sie. «Zum urchigen Fondue-Stübli fehlt jetzt nur noch das karierte Tischtuch.»