Automobil

Saubere Kombination: Der Touareg V8 überzeugt mit grossem Motor und wenig Abgasen

Nur ein Emblem am Kühlergrill, ansonsten ist der V8 optisch nicht von seinen schwächeren Brüdern zu unterscheiden.

Nur ein Emblem am Kühlergrill, ansonsten ist der V8 optisch nicht von seinen schwächeren Brüdern zu unterscheiden.

Der VW Touareg V8 TDI und sein prominenter Vorfahr setzen beide auf einen einzigartigen Zehn-Zylinder-Diesel.

Die Aufgabe war klar: Der erste grosse SUV von VW sollte einen Dieselmotor erhalten, der alles andere in den Schatten stellt. So wurde der Touareg, benannt nach dem in der Sahara lebenden Volk Tuareg, im Herbst 2002 mit einem Motor präsentiert, denn es in der Autowelt nie zuvor gegeben hatte und auch danach nie wieder gab. Ein V10 mit fünf Litern Hubraum und zwei Turboladern. 313 PS und 750 Nm maximales Drehmoment klingen für heutige Verhältnisse nicht mehr ganz so ausserirdisch, solche Werte werden schon von kleineren Sechszylinder-Dieseln erreicht, doch damals war das schlichtweg atemberaubend.

Der V10 TDI wurde aus zwei Reihen-Fünfzylinder-Dieselmotoren mit Pumpe-Düse-Einspritzung zusammengesetzt. Die technische Umsetzung war einmalig komplex. Durch neuartige Beschichtungen und integrierte Gussteile wurde der Aluminium-Motorblock stabiler gemacht. Vor allem musste der V10 so kompakt wie möglich werden, um überhaupt unter die Haube des Touareg zu passen.

Statt der üblichen Riemen und Ketten für den Antrieb der Nockenwellen und der Nebenaggregate wie Klimakompressor oder Lichtmaschine, konstruierte man eine komplexe Zahnrad-Kassette, die an der Rückwand des Motorblocks angebaut wurde.

Damit passt der Monster-Motor knapp in das SUV; allerdings muss er schon für kleinste Wartungsarbeiten mitsamt dem 6-Gang-Automatikgetriebe ausgebaut werden. Das lässt die Wartungskosten nach oben schnellen – und die Gebrauchtwagenpreise rapid fallen. Die günstigsten «Spitzendiesel», wie VW den Motor damals nannte, sind schon für weniger als 5000 Franken im Angebot. Exemplare mit weniger als 100 000 Kilometer, wie der abgebildete Touareg von Auto Moser in Horw, kosten bis 15 000 Franken.

Weiterhin faszinierend

Zeitgemäss ist der V10 TDI aus heutiger Sicht freilich nicht mehr. Den Verbrauch gab VW damals mit 12,6 l/ 100 km an, mit einer Schadstoff-Einstufung nach Euro 3 ohne Partikelfilter ist der Diesel zudem alles andere als ein Saubermann. Trotzdem hat es der Touareg mit dem einmaligen Triebwerk verdient, aufgehoben zu werden, wie er auf einer kurzen Testfahrt beweist. Schon das Cockpit mit zahlreichen Knöpfen, Schaltern und pixeligen Digitalanzeigen fühlt sich an wie eine Zeitreise.

Auch der V10 TDI von 2002 setzt optisch auf Unscheinbarkeit. Sein Motor ist aber ein einmaliges Technik-Wunderwerk.

Auch der V10 TDI von 2002 setzt optisch auf Unscheinbarkeit. Sein Motor ist aber ein einmaliges Technik-Wunderwerk.

Der Motor startet bereits per Knopfdruck und läuft im Stand überraschend fein und unauffällig. Das bleibt bei normal gemächlicher Fahrt weitestgehend so, ändert sich aber dramatisch, wenn der Zehnender etwas stärker gefordert wird. Er braucht rund 2000 Umdrehungen, um richtig in Fahrt zu kommen. Er scheint erst einmal tief einzuatmen, bevor er mit nach wie vor beeindruckender Kraft anschiebt, dazu in Zehnzylinder-typischer Manier röhrt, untermalt von zwei schnaubenden Turboladern.

Es ist hör- und spürbar, dass hier eine gleichermassen kolossale wie einzigartige Maschine am Werk ist. Der Sprint auf 100 km/h gelingt laut Werksangabe in 7,8 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit soll bei 231 km/h liegen; das las sich damals freilich deutlich imposanter als heute.

2006 wurde der V10 TDI im Zuge einer Modellpflege mit Partikelfiltern ausgerüstet und erreichte damit die Abgasnorm Euro 4. Im Jahr 2007 folgte im sportlichen Topmodell R50 eine leistungsgesteigerte Version mit 351 PS und 850 Nm Drehmoment, der ­Neupreis lag bei 125 840 Franken. Der R50 markierte gleichzeitig das Ende des V10 TDI; der zweiten Touareg Generation, die 2010 auf den Markt kam, pflanzten die Wolfsburger höchstens noch acht Zylinder unter die ­Haube.

Besser, aber glatter

Zeitsprung in die Gegenwart: Auch die aktuelle, dritte Generation des VW Touareg ist wieder mit einem «Spitzendiesel» zu haben. Der Achtzylinder mit vier Litern Hubraum ist in ähnlicher Grundform im Audi SQ7, SQ8 und im Bentley Bentayga Diesel verbaut. Dort sorgt ein elektrisch angetriebener Zusatzverdichter dafür, dass der Motor bei jeder Drehzahl sofort Ladedruck aufbauen kann und entsprechend spontan und druckvoll anschiebt. Die teure Technologie spart VW beim stärksten Touareg. Stattdessen setzt man auf aufwendige Mechanik, was fast schon als Reminiszenz an den V10-Diesel verstanden werden kann.

Nur ein Emblem am Kühlergrill, ansonsten ist der V8 optisch nicht von seinen schwächeren Brüdern zu unterscheiden.

Nur ein Emblem am Kühlergrill, ansonsten ist der V8 optisch nicht von seinen schwächeren Brüdern zu unterscheiden.

Die beiden Turbolader arbeiten hier nicht als gleichberechtigte «Bi-Turbos», sondern in Form einer Registeraufladung. Bei tiefer Drehzahl öffnet sich nur ein Auslassventil pro Zylinder. So wird nur der kleinere Lader angesteuert, damit der Motor zügig Druck aufbaut. Ab 2200 Umdrehungen öffnen sich schliesslich beide Ventile, der zweite, grössere Turbolader schaltet sich zu, und der V8 kann aus dem Vollen schöpfen. Das führt zu beeindruckenden Leistungsdaten. 421 PS und vor allem: 900 Nm Drehmoment ab 1250 Umdrehungen. So wären 250 km/h möglich, der Sprint auf 100 km/h kann in 4,9 Sekunden erledigt werden. Wichtiger ist aber, wie sich der Motor im Alltag anfühlt.

Überlegene Kraft

Der grosse Reiz des grossen Diesels im Touareg ist nicht, was er leisten könnte, wenn er sich anstrengt, sondern eben, dass er sich eigentlich nie richtig anstrengen muss. Er schüttelt den Vortrieb unvergleichlich lässig aus dem Ärmel, wird nie laut – und braucht selten mehr als 2000 Umdrehungen. Selbst beim Beschleunigen auf die Autobahn nicht. Das Bild ändert sich auch kaum, wenn ein 1½ Tonnen schwerer Hänger am Haken hängt; laut Datenblatt darf das SUV bis 3½ Tonnen ziehen, was man ihm auch ohne zu zögern zutraut.

Die starke Maschine passt also perfekt zum Touareg, der sich dank tiefem Innenraumgeräusch und wohlig komfortabler Luftfederung ohnehin zum perfekten Langstreckenauto gemausert hat. Bleibt noch die Frage, ob ein grosser Diesel denn überhaupt noch zeitgemäss ist. Denn das aktuelle Topmodell, der Touareg R mit 462 PS, der noch dieses Jahr lanciert wird, vertraut nicht mehr auf einen reinen Verbrennungsmotor. Der CO2-Bilanz zu liebe kommt er als Plug-in-Hybrid mit 48 Kilometer rein elektrischer Reichweite und einem Normverbrauch von vermutlich knapp 3,5 l/100 km.

Auf dem Papier hat der Diesel also eigentlich ausgedient. Aber: Der Plug-in-­Hybrid macht eben nur Sinn, wenn viele Kurzstrecken gefahren werden und der Akku regelmässig geladen wird. Wer viele Langstrecken fährt und des Öfteren auf ein starkes Zugfahrzeug angewiesen ist, fährt mit dem Top-Diesel nach wie vor besser. Der Werksverbrauch für den Achtzylinder liegt bei 7,4 l/100 km, im Test waren es schliesslich 8,3 l/100 km, wobei bei flüssiger Überlandfahrt auch weniger als 7 Liter möglich sind, mit Anhänger sind es rund 11 Liter.

Erfreulich ist auch die Schadstoffbilanz des V8 TDI: Unabhängige Tests ermittelten jüngst 14 mg Stickoxid pro Kilometer; der aktuell einzuhaltende Grenzwert liegt bei 80 mg/km. Das zeigt, dass ein moderner Diesel sehr wohl sauber sein kann.

Mit einem Grundpreis von 103 900 Franken gibt sich der stärkste Touareg ­zudem verhältnismässig preiswert, zumin­dest mit Blick auf ähnlich stark moto­risierte Konkurrenten.

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