Im Gespräch

Sara Aduse liess ihre Beschneidung operativ rückgängig machen – jetzt spricht sie über ihr Leiden

Traumatische Mädchen-Beschneidung: «Ich wollte nicht mehr leben»

«Ich wollte nicht mehr leben»: Sara Aduse schildert traumatische Szenen aus ihrer Kindheit und was die Beschneidung körperlich und seelisch mit ihr gemacht hat.

Mit fünf Jahren wurde Sara Aduse beschnitten. Die Folgen: jahrelanges körperliches und psychisches Leiden. Anfang Jahr hat sie die Beschneidung operativ rückgängig gemacht. Jetzt kämpft sie gegen die Genitalverstümmelung bei Mädchen und ruft Frauen dazu auf, mit der Tradition zu brechen.

Sara Aduse ist verstümmelt worden. Körperlich. Aber nicht nur. Die Beschneidung, die sie im Alter von fünf Jahren in Äthiopien erlebt hat, hat auch ihre Seele verwundet. 

Als Teenager sei sie «sehr schlimm» gewesen, vor allem gegenüber ihrer Mutter. «Weil ich das Ganze nicht verstanden habe.» Sie habe das Gefühl gehabt, nicht geliebt zu werden. «Ich war unsicher und darauf reagierte ich mit Aggressivität gegenüber meinen Mitmenschen.» Das schilderte sie in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele Züri.

«Ich fühle mich wieder ganz»

Sara Aduse stammt aus Äthiopien, mit zwölf Jahren kam sie in die Schweiz. Anfang dieses Jahres hat die heute 28-Jährige in Zürich mittels einer Operation Schamlippen und Klitoris wiederherstellen lassen.

Von einer Freundin habe sie erfahren, dass es in gewissen Fällen möglich ist, eine Beschneidung rückgängig zu machen. Jetzt sagt sie: «Ich fühle mich wieder ganz. Ich bin jetzt eine richtige Frau.»

«Von allen betrogen, von niemandem geliebt»

Das ist ihr auch versprochen worden vor ihrer Beschneidung, die ihre Grossmutter hat durchführen lassen. Stattdessen verspürte Sara Aduse nie gekannten Schmerz, grosse Angst und die meiste Zeit ihres Lebens das intensive Gefühl, nichts wert zu sein.

Noch mit 24 Jahren habe sie sich «von allen betrogen, verraten und nicht geliebt gefühlt». Mit einer Freundin habe sie dann an einem Persönlichkeitsentwicklungsseminar teilgenommen. Das war der erste Schritt auf Sara Aduses Weg zur inneren und äusserlichen Vollkommenheit. 

Aufklärung in Äthiopien

Jetzt will sie anderen helfen, auf diesen Weg zu kommen. «Ich bin daran, ein Buch zu schreiben», sagt Aduse. Und sie plane ein eigenes Seminar. Vor allem aber will sie dafür kämpfen, dass Mädchen nicht erleben müssen, was sie erlebt hat. «Ich gehe auf Äthiopien und will dort die Menschen aufklären. Es sollte so etwas nicht mehr geben auf der Welt.» (smo)

Sehen Sie hier die Sendung TalkTäglich mit Sara Aduse in voller Länge: 

Kampf gegen Mädchen-Beschneidung

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