Mode

Roger und der hässliche Turnschuh – und warum das super passt

Schmale Krawatte, blauer Anzug, etwas längere Haare: Roger Federer macht auch abseits des Tennisplatzes eine gute Figur. Bild: Getty (London, Mai 2019)

Schmale Krawatte, blauer Anzug, etwas längere Haare: Roger Federer macht auch abseits des Tennisplatzes eine gute Figur. Bild: Getty (London, Mai 2019)

Roger Federer hat Stil, aber auf die gut schweizerische, klassische Art. Das passt zu den Turnschuhen, die er nun verkauft.

«Ich kenne wenige Männer, die einen Prada-Anzug so gut tragen, wie er es tut», diesen Satz soll niemand geringerer als die legendäre Anna Wintour, Chefin der US-«Vogue», einst über Roger Federer gesagt haben. Er habe diese ungewöhnliche Eleganz, in allem was er tue. Ja, er ist eine Stilklasse für sich, unser Tennisheld. Weder Rapper Kanye West noch der Schauspieler Ryan Gosling konnten ihm 2016 das Wasser reichen, als er von den Leserinnen und Lesern des Magazins «GQ» zum «Most Stylish Man» gewählt wurde.

Seine zweite Leidenschaft: die Mode

Und nun will der 20-fache Grand-Slam-Gewinner Turnschuhe verkaufen. Am Wochenende wurde bekannt, dass er sich am Schweizer Unternehmen On beteiligt hat. Er wird nicht Werbeträger, sondern Mitbesitzer des aufstrebenden Laufschuhproduzenten. Er gehe damit seiner zweiten Leidenschaft nach, der Mode, liess sich der 38-Jährige zitieren. Nur, wirklich modisch sind On-Schuhe nicht. Dafür bequem, innovativ und sehr erfolgreich. Innerhalb von nur neun Jahren wurde aus dem Start-up aus Zürich die global am schnellsten wachsende Laufschuhmarke der Welt.

Mit diesen Schuhe setzt man kein Fashion-Statement

© CH Media

Aber ein Fashion-Statement kann man mit den On-Schuhen trotz Ugly-Sneaker-Trends nicht setzen. Zu wenig Retro, zu wenig auffallend, vielleicht auch zu bequem sind sie dafür. Gemacht um Läufer «wie auf Wolken» an ihr Ziel zu bringen, sieht man die bunten Treter längst auch an weniger sportlich ambitionierten Füssen. Lehrer und Ärztinnen schwören auf die bequemen Sportschuhe, die man bald öfters auf der Strasse als auf der Laufbahn sichtet. Bei On betont man derweil, dass man keine Freizeit- sondern Laufschuhe entwickle. Das Unternehmen will vor allem mit der ausgeklügelten Sohlentechnik punkten. Und seine Schuhe lieber an Profisportlern denn an Influencern und Models sehen. Womit wir wieder bei Roger Federer wären. Denn dieser mag Mode mögen, richtig modisch war und ist er nicht. Hält er sich einmal nicht an die Stiltipps seiner Freundin Anna Wintour, dann wird’s schwierig. Wie etwa 2016, als er an der Met-Gala in New York einen schwarzen Anzug von Gucci trug, auf dessen Rücken eine glitzernde Kobra gestickt war.

Was Roger Federer trägt, fällt weder auf noch ab

Wenn etwas an Roger Federer stilvoll ist, dann sein Understatement. Was er trägt, fällt (normalerweise) nicht auf, aber auch nicht ab. Seine Anzüge sind klassisch, aber so perfekt geschnitten, dass er in jedem James-Bond-Film mitspielen könnte. Seine Tennis-Tenues trägt er am liebsten in Weiss oder Schwarz. Verschwitzt sieht er darin auch nach fünf Stunden Turnier nicht wirklich aus. Sein Stil passt perfekt zu seinem Image: sauber, klassisch. Er macht keine Fehltritte, hat keine Romanzen, keine hässlichen Scheidungsgeschichten, keine extravaganten Ausfälle. Alle lieben Roger und er liebt alle. Das zahlt sich aus. Seine Werbeverträge sind nur vom Allerfeinsten: Rolex, Mercedes, Credit Suisse, Moët und Chandon gehören dazu. Die britische Zeitung «Sun» rechnete letztes Jahr aus, dass Roger Federer allein mit seinen Werbeverträgen ein Reinvermögen von 890 Millionen Dollar angehäuft haben muss.

Sorgen um seine Post-Tennis-Zeit müsste er sich aus finanzieller Sicht keine machen. Aber Roger Federer wäre nicht Roger Federer, wenn er nicht auch sein Karriereende minutiös planen würde. Man will sich auch nicht vorstellen, dass er dereinst wie Boris Becker durch die Klatschspalten taumelt oder wie Andre Agassi mit Steffi Graf in der Unauffälligkeit verschwindet.

Deshalb unterschreibt der 20-fache Grand-Slam-Sieger auch fleissig Verträge, die ihn über seine Karriere als Tennisprofi hinaus begleiten werden. Sein Sponsorwechsel 2018 von Nike zum japanischen Kleiderhersteller Uniqulo war ein erster Schritt. Sein Einstieg bei On als Investor ist der Nächste. Vielleicht wird er Anna Wintour ein Paar Laufschuhe schenken. Und hoffentlich weiter Anzüge von Tom Ford tragen – ohne Turnschuhe.

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