Nachrüsten statt ausrangieren. Aufpimpen statt aufgeben. So will es Verteidigungsminister Guy Parmelin mit den Schweizer Kampfjets halten. Konkret will er fast eine halbe Milliarde Franken in die F/A-18 investieren und so die Flugzeuge rund fünf Jahre länger in der Luft halten. Zusätzliche 30 Millionen soll es für die Tiger-Flotte geben, damit diese noch jahrelang als «Service-Flugzeuge» dienen können.

Auf diese Weise will er die Lücke überbrücken. Die Lücke, die sich ab 2025 auftut, wenn die Jets die zertifizierte Lebensdauer erreicht haben. Weil die Schweizer Bevölkerung sich im Mai 2014 gegen den Kauf des schwedischen Kampffliegers Gripen entschieden hat, muss das VBS vorübergehend auf Plan B «Nachrüstung» zurückgreifen. Plan A «Neue Flotte» hat die Militärführung freilich nicht begraben, aber bis das Parlament den dafür nötigen Kredit gesprochen und die Bevölkerung den Kauf (vermutlich) abgesegnet hat, wird es noch Jahre dauern.

Überspitzt könnte man sagen: Parmelin folgt gerade einem Trend oder wir sind doch alle ein bisschen Parmelin. Denn betrachtet man diese Entscheidung losgelöst vom VBS, losgelöst vom Bundesrat, losgelöst vom Thema, passt sie bestens in den aktuellen Nachhaltigkeitsgedanken und zum Motto «Reparieren statt Konsumieren». Nicht wegwerfen, sondern reparieren oder modifizieren.

Wegwerfgesellschaft schmerzt

Schliesslich deuten mehrere Initiativen darauf hin, dass wir unseren Konsum hinterfragen. Immer mehr werden uns die Folgen, die wir verursachen, aufgezeigt. Seien es die Elektronik-Müllberge in afrikanischen Ländern, die verschwendeten Lebensmittel, die angeblich nicht mal mehr gut genug sind für Schweine, sei es unser Konto, das aufgrund unsere ständigen Neuanschaffungen blutet. Wir werden als Wegwerfgesellschaft bezeichnet. Hören wir diesen Begriff, zucken wir zusammen und denken: «Was, ich?»

Konkret geht es um die Philosophie, Dingen ein zweites Leben zu bescheren, anstatt gleich etwas Neues zu kaufen. «Wir können bestätigten, dass die Reparaturbewegung eine starke Anziehungskraft ausübt», sagt Raffael Wüthrich, der beim Schweizer Konsumentenschutz (SKS) den Bereich Energie und Nachhaltigkeit leitet.

Parmelin über die Beschaffung neuer Kampfjets

Bern - 21.11.16 - Am Montagabend stellt Bundesrat Guy Parmelin einen Zwischenbericht für die Beschaffung von neuen Kampfjets vor. Die Schweizer Luftwaffe soll ab 2025 neue Kampfflugzeuge erhalten. Damit aber die Sicherung des Luftraums gewährleistet ist, sollen alte Jets wie die F/A 18 oder die Tiger weiter genutzt werden. Die Sicherheit sei dabei nicht gefährdet, sagt Bundesrat Guy Parmelin.

Es gebe zwar keine Zahlen, wie viele Schweizer einem Produkt eine zweite Chance geben, doch er schwärmt vom Erfolg der Reparatur-Initiativen: «2015 existierten gut 20 Initiativen in der Deutschschweiz, dieses Jahr sind es bereits 40. Grosse Repair Cafés wie etwa in Bern locken pro Event 200 Besucher an.» mithilfe von Reparatur-Profis repariert man die Geräte selbst. Die Tendenz zeige ganz klar nach oben. Ende Oktober fand auch der erste Schweizer Reparaturtag statt. An 30 Standorten wurde ehrenamtlich gewerkelt. Generell könne über die Hälfte der gebrachten Gegenstände repariert werden, bei Textilien liege die Quote gar bei 100 Prozent. Am meisten bringen die Leute ihre Elektro(nik)geräte in die Repair Cafés vorbei (Mixer, Föhn, Staubsauger). Es folgen Textilien und Smartphones.

Kaputte Handys sind alltäglich. Beinahe jedem von uns ist dieses dünne, glatte Ding schon runtergefallen, der Akku machte Probleme oder es funktionierte einfach nicht mehr. Neues kaufen oder zum Handy-Doktor? Beim ersten Mal versuchen die meisten es noch mit einer Operation, schliesslich kosten die heutigen Smartphones (ohne Vertragsverlängerung) um die 600 Franken. Ja, der Apple Shop in Zürich ist täglich übervoll, sie verteilen sogar Termine. Aber auch die kleinen Handy-Reparatur-Geschäfte haben allerhand zu tun.

Wüthrich bringt die Obsoleszenz ins Spiel. Bei der geplanten oder künstlichen Obsoleszenz wird die Lebensdauer eines Produkts absichtlich reduziert. Hersteller werden immer wieder verdächtigt, absichtlich Schwachstellen in ihre Produkte einzubauen, um deren Lebensdauer zu verkürzen und ihren Absatz zu erhöhen. Kurzlebige Güter sind billiger in der Herstellung und werden schneller neu gekauft. Als Massnahme fordert die Stiftung für Konsumentenschutz etwa eine Mindestgarantie von fünf Jahren. Wüthrich glaubt wegen dieses Unmuts würden die Repair Cafés so viele Leute anziehen.

Müll-Menüs

Auch beim Essen werden die Themen Lebensdauer, Wiederverwertung und Nachhaltigkeit immer wichtiger. Laut dem Verein «foodwaste» geht rund ein Drittel aller in der Schweiz produzierten Lebensmittel zwischen Feld und Teller verloren oder wird verschwendet. Das sind pro Jahr zwei Millionen Tonnen Nahrungsmittel oder 140 000 Lastwagen. Am meisten Abfall (45 Prozent) fällt in Haushalten an.

Dagegen kämpft etwa die «Äss-Bar» an. In Zusammenarbeit mit Bäckereien werden in speziellen Verkaufsstellen Backwaren vom Vortag zu einem stark vergünstigten Preis verkauft. Ziel: ein Schritt zur ökologischen Rückbesinnung und weg von der Wegwerfgesellschaft. Gegen die Lebensmittelverschwendung setzen sich auch vermehrt Restaurants und Köche ein. Sie kreieren Menüs aus Bioabfall.

So weit kann man beim Verteidigungsdepartement nicht gehen, eines Tages landen auch die nachgerüsteten F/A-18 auf dem Schrottplatz und können nicht mehr weiterverwendet werden. Was die Recycling-Freunde jedoch freuen dürfte: Die Jets werden ein schön langes Leben gehabt haben.