Sorgfältig drückt Bartender Peter Roth von der «Kronenhalle» in Zürich die Rosmarin-Zweige mit dem Mörser an, «damit die Aromen voll zur Geltung kommen», und giesst anschliessend über die Eiswürfel Gin, Ginger Bier und Tonic Water. Nicht irgendeinen Gin, sondern den neu lancierten Gin 27 von der Firma Appenzeller Alpenbitter, den der renommierte Barman mitentwickelt hat. Ginger Sonic nennt er seinen neuen Drink.

Der Walcholderbrand Gin, der Mitte des 17. Jahrhunderts von den Niederländern erfunden wurde und dann durch die Engländer weltweite Verbreitung fand, hat sich in den letzten Jahren zum Edelgetränk gemausert. Das hat nicht allein mit der TV-Serie «Mad Men» zu tun, deren Protagonisten sich gerne mal einen Pink Lady oder French 25 servieren lassen. Seit 1999 das Brennverbot für stärkehaltige Rohstoffe in der Schweiz aufgehoben wurde, kreieren immer mehr Destillateure auch hierzulande ihren eigenen Wacholderschnaps. Mit gutem Grund. «Denn im Gegensatz zu Wodka bietet er einfach viel mehr Möglichkeiten zum Mixen», sagt Lorenz Humbel aus Stetten. Er war einer der ersten Gin-Macher und destillierte schon vor ein paar Jahren den «White Socks», als die Trendwelle die Schweiz noch nicht erfasst hatte.

Renaissance von klassischen Cocktails

Klassische Cocktails feiern an den Bars eine Renaissance. Viele von ihnen – vom Tom Collins bis Negroni – werden mit dem Wacholderschnaps zubereitet. Die Dante Bar im Zürcher Kreis 4 beispielsweise führt mittlerweile über 50 Gin-Sorten aus der ganzen Welt. «Früher hatten wir ein paar Gins im Angebot, heute sind es rund 25», erzählt auch Peter Roth von der Kronenhalle-Bar. «Mit dieser Spirituose können wir ganz neue Drinks mixen», schwärmt er. Nicht nur seinen Ginger Sonic, auch den Salina, den sein Kollege Christian Heiss mit Mandelsirup, Maraschino und Zitronensaft kreiert hat.

Rund drei Dutzend Gin-Sorten findet man auch in Zürichs höchster Bar, dem «Clouds», darunter die Eigenkreation namens Clouds Gin, die Bar-Chef Andreas Kloke mit Lorenz Humbel entwickelt hat. Die Exklusivität wurde vom Verband Distisuisse bereits als «Spirituose des Jahres» ausgezeichnet.

International vorne dabei

Es muss also längst nicht immer Hendricks oder London Dry Gin sein. Denn Alternativen aus dem eigenen Land gibt es inzwischen genug. «Sie können mit den internationalen Produkten qualitativ absolut mithalten», bescheinigt Ruedi Zotter, Herausgeber des Magazins «Bar News». Dabei lassen die Schweizer Destillateure ihrer Kreativität freien Lauf. Neben Walcholder und Koriander, die traditionellerweise im Gin enthalten sind, experimentieren sie lustvoll mit Kräutern, Wurzeln oder Früchte. Die Distillerie Willisau veredelt ihren Xellent Swiss Edelweiss Gin mit Waldmeister und Edelweissblüten, Ruedi Käser verfeinert seinen Castle Gin mit Hibiskusblüten und Rosenblättern. Beim Gin 1948 von Kindschi aus Schiers dominieren Lavendelblüten, Zimtrinde und Ingwerwurzel und beim Nutmeg Gin von Matter-Luginbühl aus Kallnach der Muskat, der ihm auch den Namen gibt. Beim White Socks von Humbel bringt die Zugabe von Kirsch eine überraschende Note hinein.

Kein Wunder, dass bereits einige der Brände international ausgezeichnet wurden, wie etwa der White Socks mit der Silbermedaille an der International Wine & Spirits Competition oder Käsers Castle Gin mit einer Goldmedaille an den Worldspirit Awards. Den Studer Swiss Gin gibt es sogar im berühmtesten Warenhaus Londons, im Harrods. Gin-Liebhaberin Queen Mum hätte wohl am Schweizer Gin ihre Freude gehabt.