Comic-Figuren

Pumuckl musste abspecken – weil er für Kinder ein Vorbild ist?

Fett und schlank: Der alte (l.) und der neue Pumuckl.

Fett und schlank: Der alte (l.) und der neue Pumuckl.

Kinder werden immer übergewichtiger. Was verleitet sie dazu, zu viel und zu ungesund zu essen? Etwa gar Comic-Figuren oder beliebte literarische Vorbilder?

Aufsehen, Erstaunen – gar Empörung – erregte die Meldung, dass Pumuckl, der freche rothaarige Kobold, von seinem Verlag eine Schlankheitskur verpasst bekommen habe. «Magerkeitswahn» war noch das Harmloseste, was Pumuckl-Fans dem Zeichner vorwarfen. Der konterte, er habe sich an seinen Söhnen orientiert. Der Verlag operierte mit dem Wörtchen «dynamisch». Was Topmodels und anderen Halbnackt-Promis recht ist (dass man mit Photoshop ihren Rundungen auf den Bildern auf den Leib rückt), das muss Comic-Figuren wie Pumuckl billig sein. Heidi und die Biene Maja sollen übrigens auch noch schlankere Beine bekommen haben.

Meister Eder und sein Pumuckl in der Folge «Pumuckl und Puwackl».

Meister Eder und sein Pumuckl: «Pumuckl und Puwackl»

Pumuckl ist – seine Fans finden allerdings nichts dabei – nicht unbedingt eine Vorbildfigur. Er ist ein Anarchist. Ein Troll eben. Er spielt Streiche, die fast schon ins Bösartige gehen. Er nimmt es mit der Moral nicht so genau, ist vielleicht gar amoralisch. Da darf man sich doch getrost fragen, ob ihm sein Bäuchlein nicht doch noch ein paar Sympathiepunkte eingetragen haben könnte? Oder pädagogischer: Ob ihn der Umstand, dass er fett ist, nicht noch mehr als Vorbild disqualifiziert?

Das wäre wünschbar. Seit Platon hofft das Abendland, dass das Schöne und das Gute gemeinsam auftreten. Das Böse ist das Hässliche. Moralisch bleibt das ein frommer Wunsch. Oft sind zwar die Guten optisch nicht sehr attraktiv. Beliebter bei den Menschen sind aber alleweil schöne Exemplare. Der attraktive Bösewicht – ihn gibt es – darf dann im mindesten nicht allzu charmant sein. Ganz beliebt ist der Hässliche, der zur moralischen Läuterung fähig ist. Das wird an Exemplaren wie Caliban, Quasimodo oder Monostatos durchexerziert. Mit wechselndem Erfolg.

Wie wirkmächtig sind überhaupt fiktive Vorbilder? Macht Obelix Kinder dick? Muss Pumuckl schlanker werden, damit seine Leser nicht dick werden? Beeinflusst das Aussehen von Comic-Figuren das Essverhalten von Kindern?

Amerikanische Psychologen wollten es wissen. Eine Forschergruppe unter Margaret C. Campbell von der University of Colorado at Boulder machte drei Experimente, um die Frage zu beantworten. Sie zeigten den Kindern «charakterlose» Figuren (also nicht gut oder böse oder sympathisch oder so, sie sahen aus wie Frösche oder Säcke mit Füssen), die entweder fett oder normal waren. Dann mussten sie assoziieren und am Schluss durften sie sich mit Süssigkeiten bedienen.

Ergebnis: Nachdem sie einen fetten Frosch gesehen hatten, nahmen die Kinder etwas mehr Candys. Tröstlich: Ebenfalls getestet wurde der Effekt, den Ernährungswissen hat. Und hier zeigte sich, dass das fette Comic-Vorbild bei aktiviertem Ernährungswissen «unschädlich» gemacht werden kann. Der Effekt zeigt sich aber nur, wenn das Wissen «aktiviert» wird, ohne pädagogischen Zeigefinger wird genascht, wie wenn man nicht wüsste, dass es dick macht.

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