Nach dem Erfolg von «Eat Better Not Less» legte Nadia Damaso kürzlich mit einem weiteren Kochbuch nach. «Eat Better Not Less Around The World» landete gleich auf Platz 1 der Schweizer Bestsellerliste – noch vor jenem des Kochbuch-Gotts Jamie Oliver. Ihr Buch ist voller gesunder, meist vegetarischer und einfach nachzukochender Rezepte. Dazu liess sich die junge Foodbloggerin und Autorin von den Erlebnissen auf ihren Reisen inspirieren.

Frau Damaso, was haben Sie heute zum Frühstück gegessen?

Nadia Damaso: Heute hab ich mir eine Acai-Bowl mit frisch gebackenem Granola gemacht, dazu gabs einen «Extra-viel-Milchschaum-Cappuccino».

Sie bleiben also den gesunden Menüs aus Ihrem Buch treu.

Ja, wenn man sich so ernährt, hat man nichts anderes in den Schränken. Ich habe keine Lust auf Fertigprodukte. Ich freue mich, wenn ich etwas mit frischen Zutaten machen kann. Ich liebe es, zu essen. Und ich liebe es, lange zu essen.

Was sieht man, wenn man bei Ihnen in die Vorratsschränke schaut?

Mein Kühlschrank ist immer voller Gemüse und Früchte. Im Gestell habe ich Körner, Nüsse und Getreide. Man durchläuft ja Phasen, in denen man immer das Gleiche macht. Die letzten Tage habe ich jeden Abend eine vietnamesische Pho-Suppe gemacht, lecker. Danach hat man genug für eine Weile.

Entscheidend für den eigenen Geschmack ist auch, wie im Elternhaus gekocht wurde. Was haben Sie von zu Hause mitbekommen?

Essen war bei uns immer etwas Gemeinschaftliches. Meine Familie kam dreimal am Tag zum Essen zusammen. Bis wir Kinder ausgezogen sind. Gekocht hat immer meine Mutter. Es gab schweizerische Küche, Nudeln mit Pilzrahmsauce oder eine leckere Rösti, mit Käse überbacken, zum Beispiel. Die Zutaten waren aber immer frisch. Sauce inklusive.

Woher kommt Ihre Faszination für Essen?

Ich habe mich schon sehr früh für Essen interessiert. Schon mit zehn Jahren habe ich für die ganze Familie Menüs gekocht. Später war dann mein Aufenthalt in Kanada für meinen heutigen Weg entscheidend. Im Auslandjahr habe ich zehn Kilo zugenommen. Zurück in der Schweiz, wollte ich die wieder loswerden. Da habe ich begonnen, mich intensiv mit Zutaten auseinanderzusetzen. Da bin ich auch auf «Eat better not less» gekommen. Die Idee also, dass man genug und gut essen kann, also nicht verzichten muss, und trotzdem abnehmen kann. Wer abnehmen will, denkt oft an Salat ohne Sauce. Viel gesünder wäre der gleiche Blattsalat, wenn man ihn mit Hirse, gebackenen Süsskartoffeln, Feigen, gerösteten Mandeln und einem Tahini-Limetten-Dressing aufpeppt. Das sättigt, versorgt einen zusätzlich mit Energie und man hat danach nicht gleich wieder Hunger.

Von der Foodbloggerin zur Kochbuchautorin und vom ersten Buch nun zum zweiten – was haben Sie auf dem Weg gelernt?

Zuerst einmal das: Je mehr man kocht, desto mehr findet man seine Art und Weise. Man weiss mit der Zeit besser, was einem schmeckt. Seit meinem ersten Buch hat sich aber auch meine Wertschätzung gegenüber Essen verändert. Auch durch die vielen Reisen. Ich habe gesehen, dass es ein grosses Privileg ist, überhaupt auswählen zu können, was man essen möchte. Und es ist nicht selbstverständlich, überhaupt etwas zum Essen zu haben. Beim ersten Buch war ich engstirniger in Bezug darauf, was ich generell als «gesund» oder «richtig» ansehe. Vegetarismus oder Veganismus haben einen geringen bis gar keinen Stellenwert, je nachdem, wo man sich auf der Welt befindet. Bei meiner Reise für mein Reise-Kochbuch traf ich in Peru Fischer. Diese Männer verdienen seit 30 Jahren ihren Lebensunterhalt mit Fischen und können mit vegetarischen Gerichten nichts anfangen.

Wo wurde Ihnen bewusst, dass Essen keine Selbstverständlichkeit ist?

In Kambodscha zum Beispiel. Da müssen manche Kinder aus dem dreckigen Fluss Ratten fischen, von denen sich dann die ganze Familie ernährt. Wir in der Schweiz sind privilegiert.

Nadia Damaso liebt es, gesund zu essen.

Nadia Damaso liebt es, gesund zu essen.

Noch immer haben viele kaum Bezug zur exotischen Küche. Was kann der Schweizer Laie tun, um in diese Food-Welt einzutauchen?

Das Wichtigste ist die Motivation, etwas Neues auszuprobieren. Sonst bleibt man besser beim Züri-Geschnetzelten. Am besten kauft man mal eine Frucht oder ein Gemüse, das man nicht kennt. Dann kann man sich überlegen, was man damit anstellen könnte. Oder man braucht einfach die Zutaten, die man zu Hause hat, und kombiniert sie mal neu. Man sollte einfach mal probieren. Beim Kochen dreht sich so viel darum. So merkt man, was man mag. Viele Küchenschränke sind über die Jahre verstaubt, wenn der Zucker leer ist, füllt man ihn mit dem genau gleichen wieder auf. Viele Küchenschränke hätten eine Überarbeitung nötig.

Was können arbeitstätige Mütter und Väter mit wenig Zeit kochen?

Keine Zeit zu haben, ist für mich eine Ausrede. Wenn es einem etwas Wert ist, dann findet man die Zeit dafür. Man kann ganz einfach und mit wenig Aufwand etwas Feines machen. Es gibt vieles, das man vorbereiten kann. Man kann zum Beispiel am Wochenanfang Quinoa kochen. Damit kann man am anderen Tag einen Porridge machen oder an einem Abend Gemüse anbraten und dazugeben. Oder am Sonntag Müsli-Getreide im Ofen knusprig backen und die ganze Woche davon zehren. Ich bewahre das Müesli immer im Tiefkühler auf und gebe es von da in die Schale, weil es viel knuspriger ist.

Ihr Buch ist auch fürs Auge etwas. Es ist voller schöner Bilder und pastelliger Farben. Alles wirkt perfekt abgestimmt. Wie kommt das?

Man sieht dem Buch an, dass ich eine Perfektionistin bin. Zum Beispiel an den Farben. Ist das Menü auberginefarbig, habe ich den Pullover der abgebildeten Marktfrau auf der nächsten Seite am Computer gleich eingefärbt. Ohne meinen Perfektionismus wäre ich nicht da, wo ich bin. Er nimmt aber auch Energie. In den Monaten, in denen ich am Buch gearbeitet habe, war ich sieben Tage die Woche 16 Stunden pro Tag am Schreiben, Kochen, Fotografieren und Bearbeiten. Alles drehte sich nur noch um das Buch. Mit meiner Art ecke ich an, weil ich genau weiss, wie ich etwas haben will. Das kann für andere stressig sein. Für viele ist gut genügend gut. Für mich nicht.

Was machen Sie, wenn Ihr Erfolg als Bloggerin einmal abbricht?

Es gibt so viele Blogger. Ich fände es interessant, wenn auf einen Schlag alles auf Instagram und Co. gelöscht werden würde. Dann würde man sehen, wer sich im echten Leben etwas aufgebaut hat. Ich selbst nenne mich nicht Foodbloggerin. Ich mag es nicht so, wenn mich jemand so nennt. Ich bin Kochbuchautorin oder Foodkünstlerin. Ich nutze die sozialen Medien nun für mein Business. Aber ich wäre ohne soziale Medien auch ganz klar nicht da, wo ich heute bin. Über diese Kanäle hat alles angefangen.

Sie haben ein eigenes Business, sind erfolgreich, und das alles, obwohl Sie erst 21 sind. Werden Sie oft darauf angesprochen?

Sehr oft. Viele Leute unterschätzen mich. Wenn ich mit gestandenen Köchen zusammenarbeite, spüre ich, dass sie Vorurteile haben. Weil ich jung und blond bin wahrscheinlich. Dabei habe ich schon mit zehn Jahren gewusst, dass ich mal etwas machen werde, das Erfolg haben wird. Darum war es für mich auch nicht speziell, dass ich mit 19 mein erstes Buch rausgebracht habe. Dahinter steht ja ein langer Prozess. Das sehen viele nicht.

Was hat den Prozess angestossen, womit fing alles an?

Mit einer Brownie-Mischung, die ich als Kind mit meinem Sackgeld gekauft habe. Die Brownies haben mich geschmacklich nicht überzeugt. Also ging ich los und kaufte eine zweite. Diesmal hatte ich zu wenig Mehl, also gab ich mehr Nüsse dazu und verzierte die Brownies mit Walnüssen und Honig. Sie haben super geschmeckt. Das war meine erste Lektion: Seither koche ich nicht mehr nach Rezept.