Wer auf Blütenstaub stark allergisch ist, würde eigentlich am liebsten nur dann nach draussen gehen, wenn die Pollenkonzentration möglichst gering ist. Das bisherige Mess- und Erfassungssystem war aber noch nicht in der Lage, genügend präzise Informationen zu liefern.

Rund ein Fünftel der Bevölkerung leidet in der Schweiz an Pollenallergien. Für diese Menschen sind die Polleninformationen, die MeteoSchweiz heute aus einem nationalen Pollenmessnetz gewinnt, wichtig. Dieses Netz umfasst vierzehn Messstationen, welche die wichtigsten Klima- und Vegetationsräume der Schweiz berücksichtigen.

Die Messstationen muss man sich wie «Staubsauger» vorstellen, die alle in der Luft schwebenden Partikel aufsaugen: Staub, Pilzsporen oder Pollen. Unter dem Mikroskop wird festgestellt, was in der Luft ist und wie viel wovon. Das geschieht von Montag bis Montag. Die Daten stehen dann am darauffolgenden Mittwoch zu Verfügung. (Am Mittwoch zum ersten Mal in diesem Winter.) «Die Daten sind damit aber eigentlich veraltet», sagt Bernard Clot, Leiter Biometeorologie von MeteoSchweiz.

Laserdaten auf den Computer

Aus diesem Grund will man ein neues Pollen-Überwachungssystem einrichten, das die Daten möglichst unmittelbar, also in Echtzeit, der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen kann. Die Messung erfolgt automatisch in zwei Schritten: Zuerst wird die angesaugte Luft mit einem Rot-Laser und danach mit einem UV-Licht-Laser analysiert.

Das Gerät erkennt innert Sekunden präzise nicht nur die Grösse und Form der Partikel, sondern auch die Art und ihre Konzentration. Zum Beispiel von Erlen-, Birken-, Gräser- oder Ambrosiapollen, von Anfang Jahr bis Ende September. Wenige Augenblicke später sind die Daten auf dem Computer, wo sie automatisch verarbeitet werden.

Prognosen lassen sich erstellen, indem man die aktuelle Blütensaison einbezieht und Wetterlage und Wetterentwicklung mitberücksichtigt. Diese Prognosen werden für Allergiker öffentlich zugänglich gemacht. Auch auf der MeteoSchweiz-App «MeteoSwiss» sind dereinst diese Informationen zur Pollenkonzentration verfügbar oder auf der Website des Allergiezentrums Schweiz.

Outdoor-Aktivitäten planen

Was sind die Vorteile des neuen Systems gegenüber heute? «Die Daten sind nicht nur stündlich aktuell. Anhand von Modellen können auch detailliertere Prognosen für den nächsten Tag aufgrund der Daten von heute erstellt werden», erklärt Bernard Clot. Ausserdem erwarte man eine deutlich bessere Qualität der Polleninformation, mit der Analyse von bis zu 100 Partikeln pro Sekunde.

Auch Allergologe Peter Schmid-Grendelmeier, der mit Bernard Clot in dieser Frage zusammenarbeitet, ist froh, wenn er bald Pollendaten in Echtzeit zur Verfügung hat. «Dadurch kann ich nämlich die Patienten besser beraten und allfällige Verschlechterungen ihrer Beschwerden besser verstehen», sagt er. Ausserdem liessen sich auch die Zusammenhänge zwischen Pollenflug, Umwelt und Patientensymptomen gründlicher erforschen.

Die genaue Pollenprognose ermöglicht den Patienten auch, ihre Outdoor-Aktivitäten entsprechend zu planen und die Medikamente in ihrer Therapie präziser anzupassen. Und schliesslich hätten nicht nur Ärzte, sondern auch Apotheker ein Instrument zur Hand, das hilft, Empfehlungen abzugeben für die Vorbeugung, zum Beispiel bei Heuschnupfen, oder abzugrenzen gegenüber anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen.

Realisierung ab 2019

Eine eben abgeschlossene Studie hat den Nutzen wissenschaftlich belegt. Beteiligt daran war ein breit abgestütztes Team mit Vertretern aus verschiedensten Gebieten wie Aerobiologie, Pflanzenbiologie, Medizin, Public Health (Öffentliche Gesundheit), Meteorologie und Behördenvertretern. Man rechnet mit Kosten zwischen drei und vier Millionen Franken, ein entsprechendes Budget soll beim Bund beantragt werden. Der Ausbau des Messnetzes soll 2019 beginnen und etwa drei bis vier Jahre brauchen.