Es dreht sich nicht alles um Stroh bei den Künzis, aber sehr viel. Getreidedekorationen und Stroh-Trinkhalme machen inzwischen rund ein Drittel des Einkommens aus. Das Geschäft ist damit neben der Milchwirtschaft mit den zwanzig Kühen für den 18 Hektar grossen Hof ein wichtiges Standbein.

Claudia und Ruedi Künzi stehen am Rand ihres 1000 Quadratmeter grossen Getreideackers etwas oberhalb des Dorfes und prüfen Wachstum und Qualität. Im Oktober haben sie, wie immer in den vergangenen Jahrzehnten, neun verschiedene alte Getreidesorten gesät.

Viel Handarbeit und Herzblut

Inzwischen reichen die Gerste und der Weizen der Bäuerin bis zu den Schultern. Daneben gedeiht unter anderem auch russischer Roggen – alles schön in Reih und Glied. Glücklicherweise wurde die Saat von Sturm und Hagel verschont. Das verspricht ein gutes Getreidejahr zu werden.

Ab jetzt sind viel Handarbeit und Sorgfalt gefragt. Ende Juni bis Mitte Juli wird von Hand mit der Sichel oder dem Bindenmäher das hochgewachsene Getreide geerntet. Doch aufgepasst: Geknickte Halme eignen sich nur noch als Streu für das Läger der Kühe.

«Die alten Getreidesorten haben kleine Ähren und lange Halme», erklärt der sechzigjährige Landwirt. Für Strohdekorationen und Trinkhalme seien sie damit bestens geeignet. Bauern mit traditionellem Getreideanbau setzen hingegen auf neue Sorten mit grossen Ähren, vielen Körnern und niedrigem Wuchs.

Die Künzis nehmen den Umweltschutz sehr ernst. Ihr Betrieb ist dennoch kein Biobetrieb. «Getreide muss schön sein. Wer kauft schon Strohhalme oder Strohkränze mit schwarzen Flecken?», fragen sie rhetorisch. Ohne Behandlung gegen Pilzkrankheiten liessen sich diese Flecken nicht vermeiden. Claudia und Ruedi Künzi sind sich auch bewusst, dass sich mit Stroh-Trinkhalmen der Plastikverbrauch nur leicht reduzieren lässt und weiterreichende Schritte notwendig sind.

Strohlädeli und Werkstatt

«Drei sonnige Tage braucht es für die Ernte», sagt Claudia Künzi. Das frisch geschnittene Getreide trocknet zunächst in ausgebreiteten Garben auf dem Acker, wird regelmässig in der Sonne gewendet und dann in die Scheune eingebracht.

Im Strohlädeli vis-à-vis, das gleichzeitig auch Werkstatt ist, rüstet Claudia Künzi dann die Halme. Sie schneidet den obersten Teil mitsamt der Ähre zum Strohflechten ab. Aus den restlichen Halmteilen entstehen Trinkhalme. Die Wachstumsknoten im Getreide, die jeweils herausgeschnitten werden müssen, bestimmen die Länge der Röhrchen.

Jeder Halm wird einzeln begutachtet und geschnitten. Hilfreich ist eine selbst konstruierte Maschine. Mit einer Art Guillotine mit Pedal lässt sich das Stroh in 13 respektive 20 Zentimeter lange Röhrchen schneiden, ohne das es gequetscht wird. Wie die Röhrchen entkeimt werden, bleibt das Betriebsgeheimnis der Künzis.

Der Dekobereich mit geflochtenen Strohsternen, Strohfiguren, Gestecken, Mobiles und Getreidegarben läuft ganz gut. Künzis haben unter anderem lange Garben mit Ähren und Stroh für die Filme «Zwingli» und «Schellenursli» geliefert. Die Anfragen erfolgen in der Regel online. Sie bieten auch Kurse im Strohflechten an.

Einbruch nach Tsunami

Schwankungen gibt es hingegen bei den Trinkhalmen. «Seit 2005 ist der Verkauf mehr oder weniger im Dornröschenschlaf versunken», stellt Claudia Künzi fest. Dabei hatte es im Sommer 2003 noch so gut ausgesehen. Ein Hotelmanager von den Malediven bestellte in Maschwanden Stroh-Trinkhalme für die Bar des Resorts. Aus ökologischen Gründen wollte der gebürtige Schweizer die Plastikprodukte ersetzen.

«Wir hatten wohl mit dem Anbau und der Ernte von Stroh Erfahrungen, aber Trinkhalme in einer grösseren Menge waren für uns damals absolutes Neuland», sagt Claudia Künzi. Die Sortenwahl, das Schneiden, Reinigen und Verpacken habe viele Tests erfordert.

Deutlich teurer

Die richtige Röhrchendicke hatte schliesslich der russische Roggen. 50'000 Stroh-Trinkhalme wurden bis 2005 in die Malediven geliefert. Als der Tsunami kam, stellten sich andere Probleme als Trinkhalme. Die Kontaktperson vor Ort liess sich pensionieren, und der Auftrag fiel weg.

Mit der Diskussion um die Reduktion von Plastik hat inzwischen der Verkauf der Trinkhalme wieder angezogen. Kein Hindernis sind dabei die deutlich höheren Preise. Stroh-Trinkhalme kosten im Päckli zu 20 Stück je nach Länge 5 Franken respektive 4.80 Franken. Sie sind damit rund 16-mal teurer als chinesische Plastikhalme.

Stroh statt Plastik

Kunden setzten die teureren Strohhalme gezielt ein, stellt die Bäuerin fest. «Sie schätzen, dass das Produkt bei uns angebaut wurde und keine langen Transportwege hinter sich hat», sagt sie. Im Detailhandel und in Bars sind die Strohhalme noch nicht erhältlich. Eine Expansion des Geschäfts wäre aber wünschenswert.

Für Stroh-Trinkhalme sprechen gute Gründe: Alternativprodukte wie Glas-, Metall- oder Kartonröhrli benötigen für die Herstellung Rohstoffe und Energie. Sie müssen mehrmals transportiert werden und sind nicht ökologisch abbaubar wie das Stroh.