Gärtnerei

Pflegeleichter als eine Steinwüste: Geheimtipp Staudenpflanzen

Sobald die Blumen ihren idealen Standort im Garten gefunden haben, benötigen sie kaum noch Pflege. Speziell eignen sich Stauden.

Sobald die Blumen ihren idealen Standort im Garten gefunden haben, benötigen sie kaum noch Pflege. Speziell eignen sich Stauden.

Wer einen pflegeleichten Garten wünscht, muss nicht auf Schotterflächen setzen: Staudenpflanzen schauen praktisch für sich selbst, und die Natur profitiert erst noch von der Biodiversität.

Weisser Flusskiesel, schwarzer Marmorkies oder Granit, dazwischen ein paar zurechtgestutzte Koniferen – fertig ist der Garten. Dass da kein Jäten erwünscht ist, geschweige denn ein Rasenmähen oder Laubrechen, liegt auf der Hand. Sieht ja auch sauber aus. Kein Wunder, hat sich diese Gartengestaltung in den letzten Jahren wie Unkraut verbreitet. Nicht allein in den Privatgärten, sondern auch bei Mehrfamilienhäusern und im öffentlichen Raum. Nur: Die Gartenbesitzer haben die Rechnung ohne die Natur gemacht.

Wirklich pflegeleicht sind auch die Schotter- oder Steinwüsten nicht. «Irgendwann erobert sich die Natur ihren Raum trotzdem zurück. Allerdings ist dann das Entfernen wirklich mühsam», wie Alain Diebold, Geschäftsführer der Diebold und Zgraggen Gartenbau AG aus Fislisbach, betont. So mühsam, dass viele zu Chemie für die Unkrautbekämpfung greifen, obwohl das aus Gewässerschutzgründen seit 2001 nicht mehr erlaubt ist. «Danach ist der Boden komplett tot.» Keine Bienen, keine Insekten, keine Asseln, keine Regenwürmer mehr.

Mittlerweile sind die Steinwüsten sind nicht mehr das Nonplusultra, sondern schon fast ein Mahnmal, auf dessen Besitzer man mit dem Finger zeigt. Kommt nach dem Flug-Shaming das Garten-Shaming? Gut möglich, denn inzwischen gibt es zahlreiche Gemeinden, die sich engagiert für wertvollen Grünraum einsetzen und in ihren Richtplänen Massnahmen zur Erhaltung und Aufwertung der Landschaft und Natur festlegen. In Olten etwa wurde Anfang des Jahres eine Motion der Grünen überwiesen, mit der Schottergärten künftig vermieden werden sollen. In Deutschland, wo die Problematik bereits stärker thematisiert wird, gibt es Städte, die solche Gärten konsequent verbieten.

Zum Glück rufen nun auch die grossen Gartenschauen wie die Giardina in Zürich und die weltweit bekannteste, die Chelsea Flower Show in London, die neue Natürlichkeit aus. Und siehe da! Plötzlich darf es auch einmal etwas ungeordneter sein. Und vor allem bunter und vielfältiger.

Das heisst mitnichten, dass der Garten immer nur eine Menge Arbeit mit sich bringen muss. Wenn nämlich die Voraussetzungen stimmen, ist das Gegenteil der Fall, und man kann den Garten mehrheitlich sich selbst überlassen. «Wer mit der Natur arbeitet, hat sie nicht gegen sich», lautet denn auch Alain Diebolds Credo. Diebold zeigt für die Aktion «Mission B» auf SRF, wie das geht, und gestaltete kürzlich in Baden eine Schotterfläche in ein blühendes Blumenbeet um. Ziel von «Mission B» ist es, die Biodiversität in der Schweiz nachhaltig zu fördern.

Das kann jeder in seinem Garten tun. Dazu sollte man zuerst einmal eine Bestandesaufnahme vornehmen. In welche Himmelsrichtung ist Ihr Garten ausgerichtet? Wie verläuft der Sonnenstand zu den verschiedenen Tags- und Jahreszeiten? Wo und wann ergeben sich dadurch sonnige oder schattige Plätze? Wie ist die Windexposition?

Ideale Lösung

Wenn man dann vor der leeren Blumenrabatte steht, ist es nicht immer einfach, für den jeweiligen Standort genau die richtige Pflanzenwahl zu treffen. Und schliesslich sollen sich die Pflanzen nicht nur farblich ergänzen, sondern möglichst auch das ganze Jahr hindurch blühen und duften.

Blumen- und Pflanzmischungen bieten da die ideale Lösung. Sie bringen schliesslich einige Vorteile: Mit nur einer Kaufentscheidung hat man die Garantie, dass die gewählte Mischung dieselben Standort- und Pflegeansprüche hat. Besonders solche mit Stauden machen Sinn, weil sie langlebiger sind. Die Staudengärtnerei von Daniel Labhart in Schafisheim etwa arbeitet mit Pflanzenziegeln, die bequem eingebaut werden können.

Stauden sind ohnehin wunderbar. Allein ihr Anblick, wenn sich vielfarbige Blüten öffnen und damit Bienen und Schmetterlinge anlocken. Vor allem hat das Unkraut in Rabatten, wo Stauden dicht an dicht wachsen, keine Chance und das Jäten erübrigt sich. Es gibt eine Fülle von Stauden, die – wenn sie in Schweizer Gärtnereien gezogen wurden – sich perfekt an die lokalen Bedingungen anpassen und gut wachsen. Das Schöne daran: Einmal gepflanzt, erfreuen sie das Gartenbild jedes Jahr wieder von neuem – ohne dass man einen Finger rühren muss.

Duftnesseln (Agastache) mit ihren dramatisch violett blühenden Sorten wie «Black Adder» oder «Blue Fortune» machen sich in jedem Garten gut, wie auch die grünlich-weiss blühende «Alabaster».

Wer die Blütenkerzen nach dem Hauptflor zurückschneidet und die Pflanzen etwas düngt, wird im Herbst mit einer zweiten Blüte beglückt. Als ideale Ergänzung dazu empfehlen sich Sonnenhut (Echinacea), Kugeldisteln (Echinops) oder Salbei. Sie alle blühen bis weit in den Herbst hinein. Wer die Pflanzen alle zwei bis drei Jahre teilt, wird mit einer intensiveren Wuchs- und Blühkraft belohnt.

Prachtkerzen (Gaura lindheimeri) und der hohe Sommer-Phlox (Phlox paniculata) gehören zu den eindrücklichsten Gartenstauden. Erstere mit ihren unendlich vielen filigranen Blütenästchen, die auch einen sonnigen Standort gut vertragen, Letztere mit ihren Blütenfarben in jeder Nuance – von Schneeweiss über Pastell, Rot bis zu Violett. Besonders widerstandsfähig sind die Sorten «Bright Eyes» (helles Rosa mit pinker Blütenmitte), «David» (reinweiss) oder «Red Riding Hood» (kirschrot).

Eine Frage des Aufwands

Übrigens müssen die Stauden im Spätherbst auch nicht runtergeschnitten werden. Lassen Sie die Blütenstände ruhig stehen, die Vögel werden sich über die Winternahrung freuen, und Ihr Garten steht nicht so nackt da.

Letztlich ist es eine Einstellungssache, wie arbeitsintensiv ein Garten ist. Sofern man tolerant genug für das Ungeplante ist, kann man sich getrost auch mal auf die Garten-Vagabunden verlassen. Das sind Pflanzen, die sich selbst ihren Lebensraum suchen. Und weil sie perfekt auf den Standort angepasst sind – sonst würden sie sich ja nicht dort niederlassen –, benötigen sie auch nur minimale Pflege.

Eine, die ihre Gärten nach diesem Prinzip anlegt, ist Simone Kern. Wie das geht, erklärt sie in ihrem Gartenbuch «Der antiautoritäre Garten» (Kosmos-Verlag). Deshalb ruft sie dazu auf, den Pflanzen die Freiheit zuzugestehen, sich dort anzusiedeln, wo es ihnen gefällt und wo ihre Lieblingsplätze sind. Die perfekte Win-win-Situation also! Es gibt eine Menge solcher Pflanzen, wie etwa Akelei, Eibisch, Glockenblume, kugelförmiger Lauch, süsse Wolfsmilch oder Herbst-Anemone. Gerade wo man noch Lücken im Garten hat, sind solche Vagabunden ideal. Die wesentlichen Dinge im Garten geschehen von allein, schreibt Simone Kern. «Es ist schon viel getan, wenn wir ihnen nicht im Wege stehen.»

Autor

Silvia Schaub

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