Feinstaub

Personal im Shopville am Zürcher Hauptbahnhof klagt über Atemprobleme

Ladenmitarbeiter im Shopville haben längere Pausen, damit sie das Shopville verlassen können.

Ladenmitarbeiter im Shopville haben längere Pausen, damit sie das Shopville verlassen können.

Eine Umfrage zeigt: Die Angestellten im Zürcher Hauptbahnhof spüren die belastete Luft beim Arbeiten. Nun fordert die Gewerkschaft von den SBB Präventionsmassnahmen.

Feinstaub in der Luft ist so klein, dass man meist nichts sieht. Im Shopville unterhalb des Zürcher Hauptbahnhofs wird die dreckige Luft jedoch sichtbar: Ein Mitarbeiter von Mister Minit streicht über die Wand und zeigt auf seinen Finger. «Sehen Sie, so dreckig ist es hier», sagt er. Der Finger ist mit einer grauen Schicht belegt. Er berichtet, dass es den Mitarbeitern erlaubt ist, längere Pausen zu machen als anderswo, in denen sie das Shopville verlassen. Der Mann sagt: «Ich würde auch lieber am Säntis oder Gotthard arbeiten, aber das geht halt nicht.»

Die Mitarbeiter in fünf von sieben befragten Läden geben an, dass sie während der Arbeitszeit oft schwer atmen oder Atemprobleme hätten. Zwei Angestellte sagen, dass sie nichts spüren vom Feinstaub in der Luft.

Eine Mitarbeiterin eines Blumengeschäfts, die anonym bleiben will, berichtet, dass vor ein paar Monaten eine neue Mitarbeiterin in die Filiale unten gekommen sei. «Sie hatte starke Atemprobleme und musste immer wieder an die frische Luft. Deshalb fragte sie die Geschäftsleitung, ob sie in die Filiale oben wechseln kann. Die haben ihr das erlaubt. Ich habe gehört, dass sie jetzt weniger Atemprobleme hat.» Die Blumenverkäuferin sagt ausserdem, sie müssten fast täglich die Wände abstauben, weil der Staub sich so schnell an ihnen absetze.

Gewerkschaft interveniert

Vincent Brodard von der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV sagt: «Uns sind die hohen Feinstaubwerte nicht bekannt. Die Situation in Zürich ist speziell. Aus dem Prinzip der Prävention müssten die SBB Massnahmen ergreifen, um die Luftverschmutzung stärker zu bekämpfen.» Die SBB könnten sich nicht damit begnügen, dass die Normen eingehalten werden. «Wir werden beim Unternehmen intervenieren, damit die Informationen über die belastete Luft an die betroffenen Angestellten weitergegeben werden.»

Der AZ-Artikel vom Mittwoch über die hohen Feinstaub-Werte im Zürcher Bahnhof wurde von verschiedenen anderen Medien aufgenommen. Auf der Internetseite des «Tages-Anzeigers» schreibt ein Leser, dass in den 70er-Jahren noch die Regel gegolten habe, dass jedes unterirdische Geschäft auch eine überirdische Filiale haben muss, damit die Angestellten nur zwei Tage pro Woche untertags arbeiten mussten. Er folgert: «Im Gegensatz zu den 1970ern scheinen entweder die Arbeiter/innen robuster oder deren Schutz weniger wichtig.»

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