„Bewusst gestaltete Landschaften, die die Muster und Beziehungen in der Natur imitieren und dabei eine Fülle von Nahrungsmitteln, Fasern und Energie für lokale Bedürfnisse bereitstellen“ – so beschreibt der Australier David Holmgren, Mitbegründer Permakulturkonzepts, 2002 das Prinzip der Permakultur. 

Doch was genau bedeutet das? Übersetzt heisst Permakultur (englisch „permanent agriculture“) so viel wie „dauerhafte Landwirtschaft“ und meint die nachhaltige, zukunftsfähige Nutzung des Landes – vom kleinen Garten bis zur ganzen Erde. Permakultur ist eine Methode, um stabile, weitgehend sich selbst erhaltende und regulierende Lebensräume zu schaffen oder wiederherzustellen. Im Zentrum steht dabei das Zusammenspiel von Mensch, Tier und Pflanze.

Charakteristisch für Permakultur sind:

  • kleinräumige Landnutzung
  • unterschiedlich intensiv bewirtschaftete Zonen (von sehr intensiv bis sehr wild)
  • grosse ökologische und biologische Vielfalt
  • Mischung von einheimischen und fremdländischen Wild- und Kulturpflanzen sowie Tieren
  • multifunktionale Elemente
  • positive Beziehungen und Verknüpfungen der einzelnen Elemente
  • dauerhafte Lösungen mit wenig Unterhalt

Planung und Gestaltung eines permakulturellen Gartens

Eine Permakultur will gut durchdacht und geplant sein. Wie ist die Bodenbeschaffenheit? Welches Klima herrscht vor? Welche Tiere leben hier?

Auf die Planungsphase folgt die Gestaltungsphase. Generell gelten folgende Prinzipien für die Gestaltung eines Naturgartens:

  • Dauerhaftigkeit / Nachhaltigkeit: Langfristiges Planen und Handeln, Förderung der Bodenfruchtbarkeit, regeneratives System.
  • Stabilität durch Mehrfachfunktionen: Jedes Element hat mehrere Funktionen und gibt dadurch dem ganzen System Stabilität.
  • Vernetzung: Die Erde ist ein lebendes System, eine Gemeinschaft, in der alles existenziell miteinander verbunden und voneinander abhängig ist.
  • Biodiversität: Erhalt der genetischen Vielfalt von Pflanzen und Tieren.
  • Kooperation mit der Natur: Statt einen Kampf gegen einzelne „Schädlinge“ zu führen, wird mit der Natur gearbeitet.
  • Integration von altem Wissen und neuester Forschung: Kombination von alten Landwirtschaftskenntnissen aus dem asiatischen Raum mit neuen, westlichen, wissenschaftlichen Ergebnissen.
  • Schaffung dezentraler, kleinräumiger Selbstversorgungssysteme und Niedrigenergiesysteme: Schonender Umgang mit allen Ressourcen, optimale Licht- und Wärmenutzung; beste Ausnutzung von Standort und Kleinklima.
  • Geschlossene Kreisläufe: Recycling, Wiederverwertung des Abfalls und des Abwassers, kein Einsatz von Handelsdüngern und Pestiziden. 

Minimaler Aufwand, maximaler Erfolg bei der Gartengestaltung

Die Grundidee des permakulturellen Gärtnerns unterscheidet sich nicht von der konventionellen Bewirtschaftung eines Gartens: Ziel ist es, möglichst viel Ertrag zu erwirtschaften und eine möglichst grosse Pflanzenvielfalt zum Gedeihen zu bringen.

Doch im Unterschied zum üblichen Gärtnern gilt im Permagarten das Prinzip „Lass die Natur dich regulieren“. Durch die enge Zusammenarbeit mit der Natur minimieren Permagärtner ihren Aufwand und maximieren ihren Ertrag. Das Geheimnis dahinter liegt im Vertrauen auf die Selbstregulierung der Natur. Und auf Pflanzen, die nicht viel Pflege brauchen, aber trotzdem stets Ernte bringen. Der Fokus dieser Art der Bewirtschaftung liegt mithin auf Dauerhaftem und Bleibendem.

Gartenarbeit im Permagarten

Im Permagarten gelten andere Prinzipien – und damit verändert sich die Gartenarbeit von Grund auf. So wird beispielsweise nicht umgegraben, sondern nur gemulcht. Die Erdlockerung wird den Würmern überlassen. Damit diese optimal arbeiten können, sollte die Erde stets abgedeckt sein. Positiver Nebeneffekt: Jäten ist fast nicht mehr nötig – und wenn doch, dann wird das ausgerissene Unkraut wieder auf das Beet gelegt, damit die Nährstoffe, die das Unkraut entnommen hat, wieder ins Erdreich übergehen.

Permagärtner kaufen keine Samen, sondern verwenden in ihrem Reich nur samenechtes Gemüse, von dem auch wieder Saatgut geerntet werden kann. Dabei beachten sie die Fruchtfolge.

Vertrauen auf die Hilfe der Tiere

Ob Insekten oder wildes Kleintier: Im Permagarten ist jedes Lebewesen willkommen – und alle Tiere helfen fleissig bei der Gartengestaltung mit.

Permagärtner achten auf ein ökologisches Gleichgewicht. So locken Blühpflanzen rund um das Gemüse Nutzinsekten an, die die Schadinsekten vertilgen. Nützlings Biotope in der Nähe des Gemüses – etwa Laub-, Holz – oder Steinhaufen – bieten Igeln und Eidechsen einen Unterschlupf. Auch Insektenhotels und Vogelnisthilfen sind Bestandteil eines permakulturellen Gartens. Die tierischen Assistenten fressen die ungebetenen Gäste wie Läuse, weisse Fliegen und Schnecken.

Doch nicht nur kleine Tiere haben Platz im Permagarten. Auch grosse Nutztiere wie Hühner oder Schafe sind willkommen. Denn auch sie helfen mit beim Gärtnern, indem sie Flächen freiräumen, die später wieder zum Anbau genutzt werden können.

Frühlingserwachen in der Permakultur

Die Gartensaison beginnt im Permagarten ähnlich wie im Hausgarten – mit der Voransaat der einjährigen Gemüsepflanzen. Anschliessend steht der grosse Frühjahrsputz an: Sobald das Wetter stabiler wird und die Insekten die dürren Halme nicht mehr benötigen, wird im nachhaltigen Garten aufgeräumt. Die geschnittenen Pflanzenstängel können Sie im Permagarten wiederverwenden – als Mulchmaterial etwa.

Als nächstes werden die Beete zur Einsaat oder aber auch schon für die ersten Jungpflanzen von Salat und Rettich vorbereitet.

Gemüsevielfalt in der Wildnis nach Plan

Ein Permakultur-Garten ist zwar wild, aber nicht chaotisch: Er braucht gewisse Pflege, darf sich aber auch verändern und in seiner eigenen Dynamik entwickeln.

Alles im Permagarten ist essbar. Neben dem angebauten Gemüse gibt es unzählige Wildkräuter, aber auch Wildgemüse. Und auch der Löwenzahn ist nicht Feind, sondern Freund.  

Die Vielfalt der wilden Gemüse ist nicht zuletzt dem langen Verzicht auf den Rasenmäher zu verdanken. Nur auf einer ungemähten Wiese kann sich Wildgemüse aussamen.

Hilfe beim Anlegen eines Permagartens

Bei uns in der Schweiz gibt es diverse Regionalgruppen, deren Zweck der gegenseitige Austausch und die gegenseitige Unterstützung ist. Neulinge können darüber hinaus Kurse und Workshops für eine Gartengestaltung nach Grundsätzen der Permakultur belegen. Und nicht zuletzt gibt es natürlich Bücher, die die wichtigsten Regeln der Permakultur erklären. Probieren Sie es aus, Ihr Garten wird es Ihnen danken!