Weihnachten

Peach Weber über Sepp Blatter, Gölä und den Geschenkewahnsinn an Weihnachten

Festliche Weihnachtsbeleuchtung. (Themenbild)

Festliche Weihnachtsbeleuchtung. (Themenbild)

In seiner Kolumne für die Nordwestschweiz schlägt der Komiker dieses Mal den Bogen von Sepp Blatters «Mafifa"-Welt über die Trauerfahrt zu Ehren von Paul Walker bis zu Weihnachtsbesucher, die Geschenke klauen dürfen.

Nachdem kürzlich der platte Sepp gerichtlich Karikaturen über seine Wenigkeit verbieten liess und somit endlich den Mohammed-Status erreicht hat, wirken seine philosophischen Auswürfe noch göttlicher. Sein Englisch ist zwar irdisch, besser gesagt unterirdisch, deshalb wurde ihm auch schon mancher Auftritt bei Müller’s Giacobbo gewidmet. Ausgerechnet ihm, dem Paten der Mafifa, entschlüpfte der Satz:

«Mäik se wörld ä bötter pläiss!» Man könnte das jetzt für eine Blattitüde halten, aber der Satz ist richtig und wichtig. Dazu hier eine kleine Weihnachtsgeschichte, die mit Weihnachten absolut nichts zu tun hat. Indes, die Botschaft könnte eine weihnachtliche sein:

Ein Mensch hat mich in den letzten Wochen ziemlich überrascht: Pascal Willi, ein 22-jähriger Jüngling aus den Freiämter Bergen, hatte die Idee, nach dem Unfall von Paul Walker, für sein Idol, das sich im getunten Porsche als Beifahrer um den Baum gewickelt hatte, eine Trauerfahrt in unserer Gegend zu veranstalten. Als ich von dem Projekt las, war mein erster Gedanke: Was muss das für ein Armleuchterchen sein, das auf eine solche Idee kommt, denn für einen «Fast&Furios»-Schauspieler, der wohl auch in der Freizeit ziemlich fast&furios unterwegs war, da gilt doch ein Ende am Baum schon fast als natürliche Todesursache. Wo ist da die Tragik? Kurzerhand, ich fand es eine absolute Schnapsidee. Vor allem, als man lesen konnte, dass statt der erwarteten paar Leute sich schon Hunderte angemeldet hatten. Kein Wunder, bei Facebook treiben sich ja vorwiegend gelangweilte Leute herum, die für jeden Furz zu haben sind. Da kann man jede Hundsverlochete zum Event hypen. Meine Meinung war gemacht, das muss ein Trottel sein.

Als ich ihn dann aber mit seiner Leuchtweste mitten im Chaos sah, wie er sich redlich bemühte, die Geister, die er, der Zauberlehrling gerufen hatte, zu bändigen, zu organisieren, jedem einen Parkplatz zuzuweisen, um die Kantonsstrasse freizuhalten. Er stellte sich vor die Leute, hat ihnen erklärt, wie die Situation sei und dass er die Aktion abbrechen müsse. Und dann kam noch etwas, was dem Fass die Krone ins Gesicht schlug: Er hat mit seinen Kumpels am Schluss alles aufgeräumt. Da musste ich beschämt sagen: Hut ab, Pascal, grössten Respekt. Du bist ein Held des Alltags für mich.

Warum? Der Normalfall ist doch heute, dass ein paar anonyme Dooflinge irgendeine Aktion im Internet anleiern : «Tanz dich frei!», «Sauf dich doof!» Oder «Bums dich fidel!»

Sie mobilisieren tausend Leute, die auch nur über zwei Hirnzellen verfügen, veranstalten ein Chaos, hinterlassen eine Sauerei und halten sich noch für grossartige Kulturaktionisten. Dabei sind sie feige Hosenscheisserchen.

Nehmt Euch ein Beispiel an diesem Pascal, der hat die Suppe, die er angerichtet hat, wenigstens selber ausgelöffelt, hat die Verantwortung übernommen. Das ist heute die grosse Ausnahme und muss deshalb gebührend gewürdigt werden.

Die weihnachtliche Botschaft? Jeder hat das Recht, einen Blödsinn zu machen, vor allem in seiner Jugend. Sogar der grosse Philosoph Gölä hat ja in einem seiner Meisterwerke gesungen: «I hätt no viu blööder tah!» Was aber etwas in Vergessenheit geraten ist: Man sollte dann auch die Verantwortung dafür übernehmen. Hinstehen, den Fehler zugeben und die Folgen tragen.

Heute ist es doch eher der Normallfall, dass man zum Beispiel nach einem angerichteten Parkschaden zuerst mal schaut, ob es jemand gesehen hat, und, wenn nicht, feige absemelet. Da würde sich doch das Christkind in der Krippe umdrehen.

Apropotz, zum Schluss noch eine persönliche Anmerkung zum hochaktuellen Thema «Geschenke». Ich mag sie nicht. Wenn mir jemand spontan etwas schenkt aus tiefer Freude, mitten im Jahr, dann finde ich das allerliebst. Aber ich meinte die Schenkerei auf Kommando. Nur, weil jetzt zufällig Weihnachten, Geburtstag oder Valentinstag ist, soll mir ja niemand etwas schenken. Das ist Terror: Man wird genötigt, sich gefälligst zu freuen und das Ding womöglich auch noch aufzustellen. Und dabei hat man doch ziemlich alles, was man nicht braucht, oder? Es steht doch so viel Zeug herum, dass mir heute die Leute lieber sind, die mir bei einem Besuch etwas klauen.

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