Für Eltern ist es ein Tag der Freude, wenn der Bescheid kommt, dass ihr Kind auf den gewünschten Termin hin in einer Kindertagesstätte aufgenommen wird. Ob es in der künftigen Kita auch gut untergebracht ist, war für die Eltern bis jetzt schwer eruierbar. Denn muss eine Kita für eine Betriebsbewilligung klare Anforderungen erfüllen, bleibt die pädagogische Qualität einer Einrichtung für Eltern undurchsichtig.

Dies wird sich künftig ändern: Am Freitag lancierten der Verband Kindertagesstätten der Schweiz (Kitas) und die Jacobs Foundation das Qualitätslabel «QualiKita». Erstmals existiert damit ein nationaler Standard für Kitas. 27 (von 44) Kitas, die am Pilotprojekt teilgenommen hatten, dürfen sich nun als erste mit dem Label schmücken. Ab sofort können sich weitere Kitas für den Zertifizierungsprozess anmelden.

«Das Interesse ist sehr gross», sagt Talin Stoffel vom Verband Kitas. «Schliesslich entspringt der Wunsch nach einem Qualitätslabel auch aus der Branche selbst.» Nach dem quantitativen Ausbau der familienergänzenden Kinderbetreuung in den letzten Jahren steht nun die Qualität stärker im Fokus. Dies umso mehr, als wissenschaftlich nachgewiesen ist, dass Qualität in der familienergänzenden Kinderbetreuung eine zentrale Rolle spielen sollte.

Transparenz hilft nicht allen Eltern

Die einheitlichen und umfassenden Qualitätsstandards sollen zur Transparenz in der Kita-Landschaft beitragen. Dank des starken Ausbaus an Betreuungsplätzen können Eltern an manchen Orten tatsächlich zwischen verschiedenen Kitas diejenige auswählen, die ihnen am besten zusagt. Andernorts müssen sie nach wie vor froh sein, überhaupt einen Platz zu bekommen. Ihnen bringt also die erhöhte Transparenz wenig. «In Zukunft wird der Markt in der Kita-Landschaft wohl besser spielen», sagt Stoffel dazu. Die landesweiten Standards sollen aber auch den Kitas selbst dazu dienen, Entwicklungsprozesse im Bereich Qualität anzustossen.

Erst 27 von über 2000 Kinderkrippen in der Schweiz sind «QualiKitas». Doch auch in Zukunft müssten sich Eltern nicht gleich Sorgen um das Wohlbefinden ihres Kindes machen, wenn dieses nicht in einer Kita mit Auszeichnung betreut wird, sagt Stoffel. «Es kann sein, dass die Kita gut arbeitet, die Leistungen transparent ausweist und sich vorerst nicht für das Label bewirbt. Wenn Eltern ein komisches Gefühl haben, sollten sie nachfragen.»

Keine Abstufung innerhalb Label

Anders als ursprünglich angekündigt gibt es nun doch keine Drei-, Vier-, oder Fünf-Sterne-Krippen. Eine Einrichtung bekommt das Label oder sie bekommt es nicht.

Überprüft werden im Laufe der Zertifizierung durch eine unabhängige Stelle acht Bereiche, die für die Qualität in einer Kita ausschlaggebend sind. Zu diesen Bereichen gehören etwa «Beziehungen und Interaktionen», «Personal und Qualifikationen», wie auch «Entwicklungs-, Unterstützungs- und Lernaktivitäten». Die Zertifizierung ist für die Kitas mit Kosten verbunden. Eine kleine Kita mit 12 Plätzen bezahlt rund 1700 Franken im Jahr für die Zertifizierung, eine viermal grössere Kita 2800 Franken.

Dass ausgezeichnete «QualiKitas» ihre Preise erhöhen, glaubt Stoffel nicht. «Es ist ein preissensibler Bereich. Erhöht die Kita die Preise, suchen die Eltern andere Betreuungsmöglichkeiten.»