Lifestyle

Neuer Modetrend: Diesen Winter sind Wanderschuhe auch in der Stadt angesagt

Urbane Gipfelstürmerinnen sind derzeit in allen grossen Modehauptstädten unterwegs.

Urbane Gipfelstürmerinnen sind derzeit in allen grossen Modehauptstädten unterwegs.

Gut besohlt und geschnürt stapfen Frauen durch die kalte Jahreszeit. Wanderschuhe sind ein Modetrend, der gekommen ist, um zu bleiben.

Was mag es bedeuten, wenn junge modeaffine Frauen sich schwere Schuhe an die Füsse schnüren? Wenn sie im kurzen Rock, aber mit grobem Sohlenprofil durch die Stadt stapfen, dem ­Regen und der Kälte in dicken Lederschuhen trotzen, mit denen sie auch jede Höhentour schaffen könnten?

Es bedeutet wohl, dass die Zeiten rau sind, nicht nur saisonbedingt. Dass Frauen gut daran tun, einen festen Stand zu haben, in einem Schuh mit warmem Futter und robuster Sohle. Ein Schuh, um zum Überholmanöver anzu­setzen, nicht mit Geschwindigkeit, ­sondern mit Ausdauer.

Und so sieht man Wanderschuhe, die man jetzt ­Hiking Boots nennt und die nicht mehr von den Outdoor-, sondern auch von den Designer­marken kommen, plötzlich auch in der Stadt, im Club und im Büro.

Den Trend ins Rollen gebracht hat Gucci mit seiner Version eines ziemlich hässlichen Wanderschuhs, der mit einem Kristallband verziert wurde.

Nix für den Berg: mit Kristallen verzierter Trekkingschuh von Gucci . Ab 1340 Franken.

Nix für den Berg: mit Kristallen verzierter Trekkingschuh von Gucci . Ab 1340 Franken.

Als dann das It-Label Ganni in Kopen­hagen seine Models in klobigen Bergschuhen den Laufsteg erklimmen liess, war es um die Modeszene geschehen. Die gefragtesten Gianni-Modell mit leicht erhöhtem Absatz, sind längst überall ausverkauft. Nachahmermodelle überfluten gerade die Onlineshops.

Gorproc: Nur das Uncoole ist richtig cool

Der Wanderschuhtrend dieses Winters ist eine logische Folge einer Entwicklung, die schon einige Jahre anhält. Alltagskleidung, gemacht, um zu funktionieren, nicht, um zu imponieren, wird zuerst an Modebloggern gesichtet und fotografiert und kurze Zeit später an den Modeschauen von grossen Designern neu interpretiert.

Aus dem dänischen Hause Angulus , mit Kreppsohle und gut gefüttert. Ab 150 Franken.

Aus dem dänischen Hause Angulus , mit Kreppsohle und gut gefüttert. Ab 150 Franken.

So geschehen mit Daunenjacken, Arbeiteroveralls, Birkenstock-­Schlappen und zuletzt auch mit Multifunktionsjacken. Natürlich hat der Trend einen Namen bekommen: Gorpcore. Die Wortkreation leitet sich von der Abkürzung Gorp ab, die für «Good Old Raisins and Peanuts» steht, also dem Studentenfutter, das viele Wandersleut mit in den Rucksack packen.

Wer einen übergrossen North-­Face-Daunenparka zu einem Faserpelz kombiniert und dazu eine leicht zerschlissene Jeans und Wanderschuhe im Retro-Look trägt, der hat den Gorp­core-Style begriffen. Der Journalist Jason Chen, der für «The Cut», den Fashion-Ableger des «New York Magazin» schreibt, hat den Begriff kreiert. Chen ist hingerissen von der Idee, dass Kleidungsstücke, die gar nicht versuchen cool zu sein, gerade darum erst richtig cool erscheinen.

Schweizer Wanderschuhe aus den 60er-Jahren

Von dem Trend profitiert eine Schweizer Schuhfirma aus dem Aargau. In vierter Generation produziert die Familie Ammann festes Schuhwerk mit einem Hauch Folklore.

Das klassische Ammann-Modell aus den 1960er-Jahren, in Silber. Ab 260 Franken.

Das klassische Ammann-Modell aus den 1960er-Jahren, in Silber. Ab 260 Franken.

Die Michel ­Jordi Ethno Shoes aus den 1990er-Jahren dürften vielen noch ein Begriff sein. Diesen Winter hat die Schuhfirma aus Oberentfelden mit dem Modell Sarnac, dessen Entwurf aus den Sechziger­jahren stammt, einen Schuh im Sor­timent, der sogar Hipstern in Zürich ­gefällt.

Auch der österreichische Wanderschuhhersteller Dachstein dürfte angenehm überrascht gewesen sein, als sein uriges Modell «Geierwally» mit Lammfellfutter plötzlich an den Füssen internationaler Bloggerinnen gesichtet wurde.

Modell «Geierwally» von Dachstein , trägt Frau jetzt auch in der Stadt. Ab 150 Franken.

Modell «Geierwally» von Dachstein , trägt Frau jetzt auch in der Stadt. Ab 150 Franken.

Der altmodische Look, die klassische Schnürung mit Hacken, das dicke Leder und der mindestens knöchelhohe Schnitt sind wichtige Elemente der modischen Hiking Boots, die auch gut zur aktuellen Nachhaltigkeitsdiskussion passen. Sie überdauern mehr als eine Modesaison.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1