Mike Martin, Professor an der Universität Zürich und einer der renommiertesten Altersforscher Europas, geht von einer neuen Dimension aus: «Ich vermute, dass wir bis 2050 die ersten 130-Jährigen oder vielleicht noch ältere Personen erleben werden», sagt er zur «Schweiz am Sonntag».

Die zuletzt älteste Schweizerin starb erst vor wenigen Wochen: Sie wurde 110 Jahre alt. «Ich wehre mich dagegen, es als Problem zu betrachten, dass wir immer älter werden», sagt Martin.

«Es wird nur dann ein Problem für die Sozialsysteme, wenn wir das mit einer starren Pensionierungsgrenze verbinden.»

Der Altersforscher fordert deshalb mehr Flexibilität. Dass Ältere nicht mehr arbeiten, habe oft nichts mit ihrer Leistung zu tun, sondern damit, dass man ihnen den Job nicht mehr zutrauen würde.

Fähigkeiten wie Konzentration oder Gedächtnis hätten einen Leistungshöhepunkt, der deutlich über 65 liege. «Die Unternehmen müssen sich anpassen und Arbeitsplätze für 70- oder sogar 75-Jährige anbieten.»

Der Wunsch der Bevölkerung sieht allerdings anders aus: Wie eine Umfrage der «Schweiz am Sonntag» unter 1200 Personen zeigt, möchte fast die Hälfte der Befragten 90 Jahre und älter werden – gleichzeitig würde ein Drittel am liebsten schon mit 60 in Pension gehen.