Fashion-Detox

Nein zur «dreckigsten Industrie der Welt» – warum Anna Maier 42 Wochen lang keine neuen Kleider kauft

Zum 42. Geburtstag nahm sich Anna Maier 42 Wochen Verzicht vor. Auch weil sie fürchtet, ein ganzes Jahr ohne Kleider-Shopping nicht durchzustehen.

Zum 42. Geburtstag nahm sich Anna Maier 42 Wochen Verzicht vor. Auch weil sie fürchtet, ein ganzes Jahr ohne Kleider-Shopping nicht durchzustehen.

Die Moderatorin Anna Maier ist das prominenteste Beispiel der Fashion-Detox-Bewegung, die sich selbst das Kleiderkaufen verbietet.

Eine dieser flauschigen Teddyjacken, die diesen Winter überall zu sehen sind, würde Anna Maier gerne kaufen. Wird sie aber nicht. Sie wird keine neue Jacke kaufen, auch keine Hosen, keine Stiefel. Ganze 42 Wochen lang will sich die Radio- und Fernsehmoderatorin keine neuen Kleider kaufen. Für sie bedeutet dies eine Zäsur: «Ich mag Mode sehr, Stil gehört für mich zum Ausdruck der Persönlichkeit.» Wie viele Kleider in ihrem Schrank hängen, kann sie nicht sagen, «es sind mehr als genug». Aber eigentlich trage sie doch immer die gleichen Hosen und Pullis.

15 Kilogramm neue Kleider pro Jahr

Damit geht es der ehemaligen SRF-Moderatorin wie den meisten Schweizerinnen und Schweizern. 15 Kilogramm Kleidung kaufen wir durchschnittlich jedes Jahr. Diese hängen wir uns in Schränke, die schon randvoll sind mit Klamotten, welche wir grösstenteils nicht tragen. Schätzungsweise 30 Prozent unserer Kleidung haben wir selten oder gar nie an. Nach einer Umfrage von Greenpeace Deutschland sind es sogar 40 Prozent. Kleider, die alle gewebt, gefärbt, ­gebleicht, genäht, verpackt und durch die halbe Welt transportiert werden mussten – um allzu oft nur eine kurze Konsumlust zu stillen.

Mehr Treibhausgas-Austoss als alle Langstreckenflüge

Als «dreckigste Industrie der Welt» bezeichnen Umweltorganisationen die Bekleidungsbranchen schon seit Jahren. Die Textilindustrie soll mehr Treibhausgase als alle Langstreckenflüge zusammen produzieren.

An ihrem 42. Geburtstag vor 14 Wochen startete Anna Maier darum das Projekt Myfashiondetox, wöchentlich berichtet sie seither auf ihrem Instagram-Account von ihrer Kleiderkaufdiät.

Seit ihrem Ausstieg 2016 als Moderatorin beim Schweizer Fernsehen SRF und einem Jahr Auszeit auf Mallorca habe sie sich viel mit Nachhaltigkeit auseinandergesetzt, erzählt sie bei einem Kaffee in Zürich. Sie will mit ihren eigenen Ressourcen – ein Bandscheibenvorfall hat sie vor drei Jahren zur Auszeit gezwungen – und jenen der Umwelt schonender umgehen.

Maier verschenkt ihre Lieblingsstücke

Als Folge ihrer Fashion Detox hat die Mutter dreier Kinder auch angefangen, ihren Kleiderschrank auszumisten. Und weil sich darin «viele lieb gewonnene Stücke befinden», verschenkt sie im Dezember jede Woche ein Kleidungsstück an ihre Follower. Vor drei Wochen etwa den beigen Blazer, den sie auch als Moderatorin von «Schweiz Aktuell» trug.

Unter dem Schlagwort «Fashion Detox» finden sich in den Sozialen Medien viele Beispiele von (meist) Frauen, die den Kleider-Konsumverzicht propagieren. Eine Vorreiterin ist die Amerikanerin Courtney Carver. Sie hatte genug davon, vor einem überquellenden Schrank zu stehen mit dem Gefühl, nichts anzuziehen zu haben.

Sie dachte sich ein kleines Experiment aus: Project 333, eine Art Diät für den Kleiderschrank. Alle drei Monate wird eine Garderobe aus exakt 33 Teilen zusammengestellt. Alle übrigen Kleidungsstücke werden aussortiert und in Kartons verstaut. Nichts Neues soll dazugekauft werden. Alle drei Monate wird, je nach Saison, dann eine neue «Capsule Wardrobe» gebildet. Dazu dürfen beliebte Kleidungsstücke aus der vorherigen Garderobe bleiben und ­einige wenige neu gekauft werden. Ihre Idee hat inzwischen Tausende Anhänger weltweit und brachte Courtney eine neue Karriere als Minimalismus-Vertreterin und Autorin ein.

Kleider kaufen, um den Status zu manifestieren

Auch Natascha Wegelin alias Madame Moneypenny hat ein Jahr lang keine neuen Kleider gekauft. Vordergründig wollte sie vor allem Geld sparen. Hintergründig ging es ihr darum, die Spirale von Haben-wollen-kaufen-und-wegwerfen zu durchbrechen. «Warum kauft man sich immer den neuesten Kram? Es geht um Status, darum, dass andere sehen, was man sich alles leisten kann. Dass man dazugehört. Davon wollte ich mich lösen», schreibt sie auf ihrem Blog. Nach einem Jahr, in dem sie sich nur einen Bikini und neue Laufschuhe gekauft hatte, war für sie klar, dass der Konsum­verzicht für sie zu einer Lebenseinstellung geworden war.

So weit ist Anna Maier noch nicht. Doch sie ist erstaunt, wie einfach es ihr bislang fällt, dem Kaufimpuls standzuhalten.

Es sei im Gegenteil eine Erleichterung, sich keine Gedanken über den nächsten Kleiderkauf machen zu müssen. Die Tochter eines Schweizers und einer Inderin ist in einfachen Verhältnissen aufgewachsen. «Bei uns gab es an Weihnachten keine Geschenke.» Ihre Kinder zwischen 6 und 18 Jahren bekommen Geschenke und auch neue Kleider, doch Maier will sie Bescheidenheit lehren. «Das ist mir wichtig. Und dass in den Dingen allein kein Glück liegt.» Auch nicht in einer ­flauschigen Teddyfell-Jacke.

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Autor

Katja Fischer De Santi

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