Dolly Röschli hört Stimmen. Und sie hat Humor. «Nein, ich bin nicht krank im Kopf», sagt sie und lacht. Die Stimmen, die sie hört, das seien die Verstorbenen, die Geistwesen, mit denen sie Kontakt aufnehmen und kommunizieren könne. Dolly Röschli, 43, ist ein sogenanntes Medium. In der Sendung «TalkTäglich» auf Tele Züri versuchte sie am Dienstagabend Moderator Hugo Bigi zu erklären, was es damit auf sich hat.

Die gebürtige Emmentalerin, die heute in der Region Zürich lebt, bietet ihre Fähigkeiten anderen an. Für ihre Kunden nimmt sie Kontakt mit Verstorbenen auf. Auf ihrer Website beschreibt sie das so: «Eine ganzheitliche, mediale Lebensberatung, basierend auf dem englischen Spiritualismus. Dieser geht von der Annahme aus, dass beim Tod nur der Körper stirbt, die Seele jedoch weiterlebt und kommunizieren kann.»

On- und offline

Diese andere Welt ist für Dolly Röschli nicht im Jenseits, sondern vielmehr im Diesseits. Die Verstorbenen können ständig und überall auftreten. Deshalb schaltet sie sich bewusst on- und offline, wie sie sagt. 

Wenn sie arbeitet, ist sie online, wenn sie Feierabend hat, schaltet sie ab. «Und dann bin ich ganz normal.» Denn sonst würde sie ständig mit den verstorbenen Seelen in Kontakt kommen – «das wäre ja anstrengend und mühsam».

Der Urgrossvater und das kleine Mädchen

Dass sie «ganz, ganz normal» ist und auch ein solches Leben führt – «Esoterik gibt es bei mir nicht» – betont Röschli zwei Mal. Sie sagt auch: «Ich bin überzeugt, dass viele von uns diese Begabungen in sich haben.» Meist sei man als Kind offener für solche Wahrnehmungen, durch die Sozialisierung würden diese «abtrainiert».

«Aber woher kommt denn das?», will der Moderator wissen. «Wenn ich das wüsste – dann wäre mir das als Kind auch leichter gefallen», antwortet Dolly Röschli. Dass ihre besondere Begabung in ihrer Kindheit nicht immer leicht war, hat sie unter anderem in einem Buch verarbeitet, das kürzlich erschienen ist. Die anderen Kinder fanden sie komisch, die Erwachsenen dachten, sie kommuniziere mit einem imaginären Freund – bis die Familie dann herausfand, dass das kleine Mädchen mit ihrem Urgrossvater sprach, den sie nicht mehr kennen gelernt hatte.

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«Ein Geschäft mit der Angst?»

Und nun kommen Menschen zu ihr, die von Verstorbenen Abschied nehmen oder Ungeklärtes klären wollen. «Wenn man sie kritisieren wollte, könnte man sagen, sie machen ein Geschäft mit der Angst», sagt Hugo Bigi. «Eher ein Geschäft mit der Trauer», antwortet Röschli.

160 Franken verlange sie auf die Stunde. «Und das reicht auch – mein Ziel ist es nicht, dass jemand regelmässig kommt.» Ums Abschiednehmen und Loslassen gehe es. Bis man sich vielleicht an einem anderen Ort wieder trifft. (smo)

Sehen Sie hier die Sendung «TalkTäglich» mit Dolly Röschli in voller Länge:

Hallo, Jenseits