Routine erträgt Tabita Dietrich nicht mehr. «Jeden Tag motiviert es mich, dass ich mein Leben leben kann, wie ich will», sagt sie in der Sendung «TalkTäglich» auf Tele Züri. Immer gleiche Abläufe erinnern sie an die Jahre im Gefängnis.

«Verurteilt» ist der Titel des Buches, das Tabita Dietrich, heute 28 Jahre alt, darüber geschrieben hat, was ihr widerfahren ist. Mitte September ist es erschienen.

«Jetzt ist etwas nicht mehr gut» 

Die Geschichte nahm ihren Anfang am Flughafen von Tobago. Die damals 23-jährige Tabita Dietrich wartete auf ihren Anschlussflug nach London. Dann veränderte sich von einem Moment auf den anderen ihr Leben.

Die junge Schweizerin wartete in der Schlange der Gepäckkontrolle und wurde aufgefordert, ihr Gepäck durchsuchen zu lassen. Sie liess es zu.

Doch als ein Beamter ein Klappmesser hervorholte, um ihre Laptoptasche aufzuschneiden, wurde ihr klar: «Jetzt ist etwas nicht mehr gut.»

Die kurze Hoffnung

Aus der Laptoptasche rieselte weisses Pulver. Es waren drei Kilo. Tabita Dietrich wurde wegen Drogenbesitz verhaftet. «Ich hatte Angst», erzählt sie.

Tabita Dietrich hatte die Tasche mit einem Kollegen in der Karibik gekauft, sie vermutet, dass dieser sie später ausgetauscht hat.

Unschuldig im karibischen Gefängnis

Unschuldig im karibischen Gefängnis

Sehen Sie hier das Gespräch mit Tabita Dietrich in der Sendung «TalkTäglich» in voller Länge.

Dietrich wurde gesagt, dass Ausländer meist mit einer Busse davon kommen, wenn sie alles zugeben. Mit dieser Hoffnung verbrachte sie die erste Zeit im Gefängnis.

Dann kam am 21. August 2013 das Urteil: drei Jahre Haft. Zwei davon musste sie auf Trinidad-Tobago bleiben, den Rest sass sie in der Schweiz ab.

Urin, Erbrochenes und «komisches Brot»

«Die ersten Wochen habe ich jeden Tag beim Aufwachen geweint», erzählt Dietrich. Doch sie beschloss zu überleben. Trotz widriger Umstände – hygienisch und ernährungstechnisch.

Zu essen gab es «so komisches Brot», schildert sie. Davon liess sie bald die Finger. In ihrem Buch schreibt sie, wie es in der Zelle nach Urin, Kot und Erbrochenem stank.

Schwierig war auch, dass sie weiss war. Wärterinnen und Häftlinge begegneten ihr entweder mit Angst oder Verachtung. «Eine Begegnung auf Augenhöhe war nicht möglich.»

Nicht an zuhause denken

Geholfen habe ihr in dieser Zeit, nur im Moment zu leben. An die Zukunft oder ihre Liebsten zuhause durfte sie nicht denken. «Ich habe sehr fokussiert gelebt und habe mir einfach für den anstehenden Tag einen Plan gemacht.»

Heute lebt Tabita Dietrich mit ihrem – damaligen – Freund in Irland. Was sie erlebt habe, sei für sie ein positiver Antrieb, über sich hinaus zu wachsen, sagt sie. Und erstaunlicherweise: «Ich habe keinen Schaden davongetragen.» (smo)