Die Bereitschaft einer Zusammenarbeit zwischen zwei Frauen hängt stark davon ab, ob sie sich in ihrer beruflichen Stellung unterscheiden oder nicht. Zumindest US-Professorinnen kooperieren offenbar eher mit gleichrangigen Kolleginnen als mit untergeordneten Mitarbeiterinnen. Bei Männern dagegen spielt die Frage des Ranges in der Hierarchie eine viel geringere Rolle. Das berichten US-amerikanische und kanadische Forscher im Fachblatt «Current Biology».

Die Forscher analysierten für ihre Studie die Zusammensetzung von Autorenteams wissenschaftlicher Veröffentlichungen.

«Im Alltagsleben haben wir oft den Eindruck, dass Frauen kooperativer und freundlicher miteinander umgehen als Männer. Aber das stimmt nicht, wenn eine Rangordnung mit ins Spiel kommt», sagt Joyce Benenson von der Harvard University in Cambridge. Zusammen mit ihren Kollegen untersuchte sie kooperatives Verhalten bei ordentlichen Professoren und Professorinnen des Fachbereichs Psychologie, die an fünfzig nordamerikanischen Universitäten tätig waren.

Dazu werteten sie sämtliche 369 Veröffentlichungen dieser Wissenschafter aus, die zwischen 2008 und 2012 in Zusammenarbeit mit Autoren desselben Geschlechts aus der jeweils eigenen Fakultät entstanden waren. Die Forscher unterschieden, ob der Mitautor die gleiche akademische Position innehatte oder «nur» Juniorprofessor bzw. -professorin war.

Die Frauen kooperierten seltener mit einer Juniorprofessorin als die Männer mit einem Juniorprofessor. Waren beide Autoren ordentliche Professoren bzw. Professorinnen, ergaben sich keine solchen Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Männer und Frauen verhielten sich auch dann gleichermassen kooperativ, wenn Haupt- und Mitautor von unterschiedlichem Geschlecht waren.

Mädchen spielen lieber zu zweit

Diese Ergebnisse passen zu Beobachtungen, die man bereits bei Fünf- bis Sechsjährigen machen kann, sagt Benenson. In diesem Alter würden Jungen eher in Gruppen spielen, während Mädchen sich lieber zu zweit zusammentun. Auch bei den Schimpansen, den dem Menschen am nächsten verwandten Affen, würden männliche Tiere eher kooperieren.

Im Verlauf der Evolution könnte es sich für Männer als vorteilhaft herausgestellt haben, neben der Konkurrenz um die soziale Stellung bei Bedarf zum Nutzen der Gruppe auch zu kooperieren. Als mögliche Ursachen kämen neben diesen biologischen Gründen zusätzlich kulturelle und umweltbedingte Einflüsse infrage, sagt Richard Wrangham, ein Mitglied des Forscherteams.

Noch nicht untersucht ist, wer von beiden Frauen die Schuld an der geringeren Kooperationsbereitschaft trägt: Verweigert die niederrangige Akademikerin die Zusammenarbeit mit der Chefin oder mag diese nicht so gern eine direkte Konkurrentin unterstützen? Interessant sei auch die Frage, sagt Benenson, wie die Kooperativität unter Frauen verbessert werden könnte.