Es war nur eine Frage der Zeit, bis der Slow-Faktor auch unser Einrichtungsverhalten einholen würde. Nach Hygge und Wabi-Sabi heisst es in diesem Herbst also: «Slow Living». Wobei, von einem Einrichtungstrend kann man nicht wirklich sprechen. Schon eher von einer Haltung, die zum Ziel hat, eine Stufe runterzufahren, zu entschleunigen – und vor allem zu entrümpeln.

Hinter dem Begriff Slow steckt schliesslich ein Akronym, das sich zusammensetzt aus den vier Anfangsbuchstaben der Begriffe sustainable, local, organic und whole. Auf Deutsch: nachhaltig, lokal, bio und ganzheitlich.

Überraschend ist dieser Trend nicht, doch er scheint sich immer mehr zu fokussieren. Nachhaltig zu handeln, bezieht sich auf den Umgang mit unserer Ernährung oder unserer Mobilität und beeinflusst vermehrt unser Wohnverhalten. Damit setzen wir bewusst ein Zeichen gegen die hektische und schnelllebige Zeit.

Das Zuhause soll zum erholsamen Ruhepol werden, wo man Kraft sammelt. Und das gelingt eben nicht, wenn man sich mit Tausenden von Dingen umgibt, die man eigentlich längst entsorgen wollte.

Weniger, dafür besser, lautet das Credo. Damit die Generationen nach uns nicht einen Haufen von Plastik und Spanplatten zu entsorgen haben. Also bedeutet das, sich bewusst einzurichten, werthaltige, langlebige und fair produzierte Möbel anzuschaffen, die nicht schon beim nächsten Trend wieder wegkommen, sondern durch eine gewisse Patina im besten Fall sogar an Wert und Charme gewinnen.

Zuerst gilt es, Ballast abzuwerfen

Slow Living in die eigenen vier Wände zu bekommen, ist keine Riesenkunst. Es geht zuerst einmal darum, Ballast abzuwerfen. Wer nicht gerade einen Umzug plant und sich ohnehin von vielem trennen muss, findet inzwischen eine Reihe von Ratgeberliteratur dazu. Selbst via Netflix leitet zum Beispiel Marie Kondo, die Meister-Ausmisterin aus Japan, zum Entrümpeln an.

Doch wie richtet man sich nach dem Prinzip «Slow Living» ein, wenn man sich von Unnötigem befreit hat? Verspieltes, Opulentes hat bei diesem Einrichtungsstil keinen Platz – ausser es handelt sich um ein ausgesuchtes und persönliches Lieblingsstück.

Solche sind nicht nur umweltbewusst, weil vielleicht schon seit Generationen in der Familie, sondern eben auch einzigartig und manchmal unperfekt.

Ansonsten stehen Naturmaterialien im Zentrum, die haptische Qualitäten aufweisen und möglicherweise nach alter Handwerkskunst oder handgefertigt hergestellt wurden, wie etwa geknüpfte Teppiche oder Keramikarbeiten.

Lehm, Steingut, Naturfasern aus Leinen, Baumwolle, Wolle oder Jute, naturbelassenes Holz oder Marmor und Terrazzo feiern ein Revival. Die Formen sind einfach und minimalistisch.

Auch in Sachen Farbe schaltet dieser Trend ein paar Gänge zurück. Die Slow-Farben sind zurückhaltend, meist monochrom, natürlich beige und grau, nude in allen denkbaren Nuancen bis hin zu pudrigen Rosa-Tönen.

Einrichtungshäuser wie Pfister, Interio oder Søstrene Grene (neuerdings mit einer Filiale in Basel) bieten eine schöne Palette – falls man trotzdem einmal etwas brauchen sollte.

Es erstaunt nicht, dass wir uns in dieser komplex gewordenen Welt immer häufiger nach Einfachheit und Übersicht sehnen und uns mit dem Thema Besitz auseinandersetzen. Und plötzlich merken, dass wir nicht immer mehr brauchen, um uns glücklich zu fühlen. Sondern lediglich das Richtige.