Auszeichnung

«Millionen von Menschen das Leben gerettet»: Medizin-Nobelpreis für die Entdecker des Hepatitis-C-Virus

Die drei Gewinner: Harvey J. Alter, Michael Houghton und Charles M. Rice.

Die drei Gewinner: Harvey J. Alter, Michael Houghton und Charles M. Rice.

Der diesjährige Nobelpreis für Medizin und Physiologie geht an die Entdecker des Hepatitis-C-Virus. Die drei Forscher haben Untersuchungs- und Testmethoden entwickelt, «die Millionen von Menschen das Leben gerettet haben», wie das Nobelkomitee mitteilte.

Der Amerikaner Harvey J. Alter (geboren 1935), der Brite Michael Houghton (1949) und der Amerikaner Charles M. Rice (1952) werden mit dem Nobelpreis für Medizin und Physiologie ausgezeichnet. Sie haben massgeblich dazu beigetragen, dass man neben den Erregern von Hepatitis-A und -B dem dritten Virus auf die Spur kam, das übers Blut übertragen wird und die Leber angreift. Nicht rechtzeitig behandelt wird die Infektion chronisch und führt schliesslich zu schweren Leberentzündungen, Leberzirrhose oder Leberkrebs.

Harvey J. Alter trug wesentlich dazu bei, Bluttransfusionen sicherer zu machen. Er entwickelte Tests, welche die Hepatitis-Erreger in Blutkonserven nachweisen konnte, und konnte mit Fragebögen Risikospender, die das Virus unter Umständen trugen, ausfindig machen. Seit 2000 gibt es praktisch keine Infektionen durch verunreinigte Blutpräparate mehr.

Blutkonserven Hepatitis-C-frei dank Test

Michael Houghton ist ein britischer Virologe. Er war dabei, als man in den 1980er Jahren den Hepatitis-C-Virus erstmals isolieren konnte. Es gelang ihm, ihn teilweise zu reproduzieren (klonieren) und einen Test zu seinem Nachweis zu entwickeln. Der Test trug entscheidend dazu bei, Blutkonserven Hepatitis-C-frei zu machen.

Charles M. Rice ist ein amerikanischer Virologe. Er produzierte den ersten infektiösen HCV-Klon und trug so dazu bei, die Verbreitungs- und Wirkungsweise des Erregers eingehender zu studieren.

Beim Impfen angesteckt

Hepatitis-C wird durch das Blut übertragen. In westlichen Ländern sind vor allem Drogenkonsumenten gefährdet, die sich über gemeinsam benutztes Injektionsbesteck infizieren. Die sexuelle Infektion ist möglich, aber selten. Auch die Übertragung von der Mutter auf ein Neugeborenes kommt vor. Früher war die Infektion durch Bluttransfusionen häufig. Es gab auch Fälle, wo sich Menschen während Impfkampagnen durch unzureichend gereinigtes Impfbesteck angesteckt haben. Weltweit sind etwa 70 Millionen Menschen betroffen.

Eine Infektion in der Anfangsphase wird oft nicht diagnostiziert, weil die Symptome schwach sind oder keine auftreten. Oft wird sie auch mit einem grippalen Infekt verwechselt. In der Akutphase gibt es mittlerweile antivirale Therapien, welche die Krankheit heilen können. Sie haben zum Teil aber schwere Nebenwirkungen. Unbehandelt wird die Krankheit bei mehr als 70 Prozent der Infizierten chronisch und führt dann bei ca. einem Viertel der Patienten nach etwa 20 Jahren zu einer Leberzirrhose. Eine HCV-Infektion erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, Leberkrebs zu entwickeln.

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