Wenn über Wohnungspolitik gesprochen wird, kommt irgendwann unweigerlich das Stichwort: «Der Wiener Weg». In Wien sind die Mieten tatsächlich meist niedriger als in vergleichbar grossen und attraktiven Städten und zudem ist die Innenstadt nicht luxussaniert. Grund dafür: Die Stadt ist die grösste Vermieterin. Nicht nur in Wien, sondern gar Europas. So kann die Stadt den Immobilienmarkt steuern und Exzesse verhindern. Angefangen hat die aktive Wohnbaupolitik und -förderung im «Roten Wien» der 1920er-Jahre. Es galt damals, die ärmlichen Quartiere der Habsburgerzeit zu sanieren, die Hygiene zu verbessern und Wohnraum für die vielen Zuwanderer zu bauen. Schon zuvor hatte die Stadt Landreserven angelegt – etwa als der Ring oder später die Donauinsel zur Überbauung freigegeben und Dörfer eingemeindet wurden.

Nicht nur für Reiche

Heute sind rund 220'000 Wohnungen im Besitz der Stadt, weitere 200'000 gehören gemeinnützigen Wohnbauträgern. 60 bis 65 Prozent der Wienerinnen und Wiener leben in solchen geförderten Wohnungen – mit unbefristeten Verträgen und konstanten Mieten. Jährlich entstehen zusätzliche 7000 bis 13'000 neue. Wohnbaustadtrat Michael Ludwig sagt: «Wir wollen Wohnungen, die sich die Wiener leisten können. Und zwar in der ganzen Stadt. Ich will nicht, dass Wohnen in der Stadt nur für Reiche möglich ist.»

Soziale Durchmischung, fussläufige Distanzen, Velowege, sorgfältige Gestaltung der öffentlichen Räume, Nachhaltigkeit und architektonische Vielfalt sind Leitplanken der Wiener Wohnbaupolitik. Durch die Vormachtstellung der Stadt spielt der Miet- und Immobilienmarkt in Wien weniger verrückt. Und die Verdrängung der Einheimischen aus der Innenstadt durch Airbnb und Verkäufe an ausländische Investoren sind deutlich seltener.