Neue Studie

Menschen in einer Partnerschaft sind einsamer als Singles

Bridget Jones ist zwar schwanger, aber immer noch single.

Bridget Jones ist zwar schwanger, aber immer noch single.

Alleinstehende werden zu Unrecht bedauert. Forscher haben herausgefunden, dass sich Menschen in Partnerschaft oft einsamer fühlen als Singles.

Bridget Jones ist zurück auf den Leinwänden. Mit ihren 43 Jahren stolpert sie im mittlerweile dritten Teil der Komödie als hoffnungsloser Single durch den Film, und noch immer wird uns die verzweifelte Suche einer Frau nach ihrer zweiten Hälfte im vollen Ausmass ihrer Mitleidenswürdigkeit vorgeführt.

Professor Bella de Paulo würde beim Betrachten solcher Filme wohl nur resigniert den Kopf schütteln. Die amerikanische Psychologieprofessorin kämpft seit Jahren gegen die Stigmatisierung Alleinstehender: Laut ihren Forschungsergebnissen wirkt sich ein Leben als Single tendenziell positiver auf Gesundheit und Sozialleben aus als das Leben als Paar.

Alleinstehende seien unabhängiger von ihrer Umwelt, wodurch sie sich seltener antriebslos fühlten und einen authentischeren und daher erfüllenderen Lebensentwurf verwirklichten, als sie das in einer Beziehung je tun könnten.

Zum eigenen Glück ist nicht der Beziehungsstatus entscheidend

Ausserdem hätten sie stärkere soziale Bindungen zu Familie, Freunden, Nachbarn und Mitarbeitenden. Der Paar- und Psychotherapeut Peter Würsch bestätigt, dass zum eigenen Glück nicht der Beziehungsstatus entscheidend sei, sondern die Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen. Gefühle von Geborgenheit seien demzufolge nicht auf eine romantische Beziehung beschränkt. «Die Fokussierung auf die Gefahr der Vereinsamung verbirgt die vielfältigen Bereicherungen des Alleinseins», fasst de Paulo zusammen.

Laut der britischen Tageszeitung «The Independent» wertete die Professorin mehr als 800 verschiedene Studien aus, die in den letzten 30 Jahren durchgeführt wurden und Alleinstehende analysierten. So fand sie heraus, dass die Bewertung von Singles aufgrund ihres Lebenslaufs durch ihre Mitmenschen eindeutig negativer ausfällt als diejenige von Verheirateten oder Liierten, selbst wenn diese bis auf ihren Beziehungsstatus identisch sind.

In ihrem Buch «Singlism: What It Is, Why It Matters And How to Stop It» gab sie dieser Art von Diskriminierung einen Namen: «Singlismus». Mit dem Sammelbegriff bezeichnet sie die Stereotypisierung von Alleinstehenden in verschiedensten Bereichen wie Politik, Medien und Religion. Dieser Stigmatisierung will de Paulo entgegenwirken, indem sie die vergessenen Vorzüge des Singlelebens wissenschaftlich belegt.

Rebekka Weidmann von der Universität Basel relativiert allerdings die Forschungsergebnisse de Paulos. Sie hält fest, dass Menschen in zwei Gruppen eingeteilt werden können: Partner, welche sogenannte «Vermeidungs-Ziele» verfolgen und sozialen Konflikten lieber aus dem Weg gehen, als sich ihnen stellen, sind unglücklicher in Beziehungen als Singles. Partner mit «Annäherungs-Zielen» jedoch, also Menschen, die bewusst Beziehungsnähe zu anderen suchen, bezeichnen sich im Vergleich zu Alleinstehenden als zufriedener. Bridget Jones bleibt wohl die Heldin des Annäherungstyps.

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