Die Promidichte in der Schweiz ist hoch. Besonders beliebte Wohnorte bei den VIPs: die Ufer von Zürichsee und Genfersee. Auch der Bodensee ist populär. Doch was treibt Stars und Sternchen ins Land der Uhren, der Schokolade und der Banken?

Einer der grössten Anreize, um in der Schweiz zu leben, ist zweifellos die Besteuerung. Personen, die hier wohnen, aber nicht hier arbeiten, werden pauschal besteuert. Heisst: Die Steuern werden nicht nach dem tatsächlichen Einkommen und Vermögen festgelegt, sondern nach dem „jährlichen effektiven Lebensaufwand“. Damit können vermögende Personen Millionen einsparen. Das verhältnismässig teure Leben in der Schweiz fällt da nicht ins Gewicht.

Allerdings findet seit mehreren Jahren ein Wandel statt. Denn auch wenn weniger als ein Promille der Steuerpflichtigen in der Schweiz pauschal besteuert werden: Das Schweizer Stimmvolk wehrt sich zunehmend gegen diese als ungerecht empfundene Praxis. In den letzten Jahren wurde die Pauschalbesteuerung in verschiedenen Kantonen deshalb abgeschafft, darunter auch in Zürich. Der Bundesrat sieht in ihr jedoch ein Instrument zur Stärkung der Standortattraktivität der Schweiz.

Exklusivität auf allen Ebenen

Natürlich punktet die Schweiz nicht allein mit finanziellen Anreizen. Sie bietet vor allem auch eine gewisse Exklusivität: Mehr oder weniger alles, was man hier bekommt, hat Klasse. Das beginnt beim (zugegebenermassen nicht gerade günstigen) Essen im Supermarkt bis hin zu Luxusgeschäften, exklusiven Kliniken und prestigeträchtigen Internaten. In Zürich lockt die Bahnhofstrasse mit internationalen Modelabels, teuren Juwelieren und den besten Chocolatiers der Welt. In Richtung Bürkliplatz, nahe beim See, liegen die umsatzstärksten Läden ganz Europas. In Genf heisst die entsprechende Luxusmeile Rue du Rhône, doch auch kleinere Orte wie Gstaad oder St. Moritz stehen dem exquisiten Angebot der Schweizer Metropolen in nichts nach. Im ganzen Land gibt es Luxuskliniken, die sich auf eine prominente Klientel fokussieren. Das gleiche gilt für die exklusiven Privatschulen, die auf eine wohlhabende internationale Schülerschaft ausgerichtet sind.

Welche Promis leben in der Schweiz?

Die wohl bekannteste Prominente, die in der Schweiz lebt, ist Soul-Sängerin Tina Turner. Seit 2013 hat die gebürtige Amerikanerin sogar den Schweizer Pass. Die 78-Jährige lebt zurückgezogen in einer märchenhaften Villa in Küsnacht, unmittelbar an der sogenannten Goldküste des Zürichsees – mit einem parkähnlichen Garten und privatem Seeanstoss. Der Name „Goldküste“ rührt einerseits von den wohlhabenden Bewohnern, andererseits von der idealen Besonnung der Küste her. Auch Christoph Blocher, mit einem Vermögen von knapp 12 Milliarden Franken einer der reichsten Schweizer, residiert in einem riesigen Anwesen an der Goldküste – nur wenige Kilometer von Tina Turner entfernt. Sein Nachbar, wenn er denn mal daheim ist: Roger Federer. (Das gegenüberliegende linke Ufer des Zürichsees wird übrigens als „Pfnüselküste“ – Zürichdeutsch für Schnupfen-Küste – bezeichnet, weil es vorwiegend im Schatten liegt.)

Die Schweiz ist auch bei anderen Stars beliebt. Der Franzose Charles Aznavour und die Schwedin Anni-Frid „Frida“ Lyngstad (Sängerin von „Abba“) leben hier. Lange wohnte auch Popstar Phil Collins am Genfersee, bevor er 2015 zu seiner Ex-Frau Orianne nach Miami zog. Bis 2008 lebte Countrysängerin Shania Twain am Genfersee. Johnny Hallyday, der Ende letzten Jahres verstarb, nannte von 2006 bis 2013 Gstaad sein Daheim. Und James Blunt besitzt ein Chalet in Verbier, wo sogar ein Skilift nach ihm benannt ist.

Ebenfalls ein Chalet in der Schweiz, allerdings in Gstaad, besitzt nach wie vor Regisseur Roman Polanski. Und das, obwohl er 2009 am Flughafen Zürich in Haft genommen wurde und den Schweizern eigentlich nicht unbedingt wohlgesonnen sein müsste. Ähnlich naturverbunden wohnt Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel: Er zog 2007 vom Zugersee in eine alte Mühle am Bodensee. Dort hat sich übrigens auch Schauspielerin Ruth Maria Kubitschek niedergelassen, die 2013 die Schweizer Staatsbürgerschaft angenommen hat. Die Landschaft am Bodensee, ja der ganze Kanton Thurgau ist noch ziemlich unberührt.

Die Promis schätzen die Ruhe in der Schweiz

Grund für die Liebe vieler VIPs zur Schweiz ist neben den steuerlichen Vorteilen, der wunderschönen Landschaft und der idealen Infrastruktur (die beiden internationalen Flughäfen in Zürich und Genf sind von überall aus gut zu erreichen) vor allem die Ruhe, die sie hierzulande geniessen können. Viele Prominente schätzen, dass hier im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ihre Privatsphäre geschützt wird. Das liegt zu einem grossen Teil an der Mentalität der Schweizer: Ihre Zurückhaltung, oftmals als Verschlossenheit interpretiert, erlaubt es ihnen nicht, Prominente auf der Strasse anzusprechen oder gar um ein Foto zu bitten. Paparazzi gibt es in der Schweiz so gut wie gar nicht.

Fragt man im Küsnachter Tante-Emma-Laden nach Tina Turner, so bekommt man zur Antwort: Klar, man kenne sie, sie komme auch des Öfteren persönlich vorbei, doch Auskünfte über sie werde man nicht erteilen. Schliesslich sei man froh, eine derart bekannte Persönlichkeit als Kundin zu haben. Herbert Grönemeyer, der viele Jahre eine Freundin in Zürich hatte und in der Limmatstadt so gut wie zu Hause war, ging in einem beliebten Quartiercafé ein und aus, ohne aufzufallen oder gar angesprochen zu werden.

In der Schweiz gibt es keinen Hype um Prominente – vielleicht, weil es so viele von ihnen gibt. Ach ja, auch Ikea-Chef Ingvar Kamprad lebte übrigens bis zum Tod seiner Frau 2011 in der Schweiz – ganze 40 Jahre lang.