Tierpflege

Linda Tellington-Jones: «Ich habe auch schon Elefanten behandelt»

Die 75-jährige Linda Tellington-Jones ist die Erfinderin der Tellington-TTouch-Methode. Sie wird eingesetzt, um das Verhalten und die Gesundheit positiv zu beeinflussen. «Ich beginne bei den Ohren», erklärt Linda Tellington-Jones.

«Ich beginne bei den Ohren», erklärt Linda Tellington-Jones den fast 30 angehenden Practitionern (lizenzierte Anwenderinnen der Tellington-Methode). Ruhe breitet sich im Saal aus, alle sind aufmerksam. «Bitte alle ruhig atmen», sagt Tellington in ihrem schrulligen Deutsch mit englischem Akzent. Sie selber wirkt entspannt und dennoch hoch konzentriert. Sie kniet auf einem Kissen und streicht dem gross gewachsenen Mischlingsrüden sanft die Ohren aus, «bis in die Spitzen», wie sie betont. Es dauert wenige Minuten, bis der Hund sich langsam hinlegt. Er scheint sich ganz den Berührungen von Lindas Fingern und Händen hinzugeben, völlig entspannt.

Alles wird positiv beeinflusst

Tellington-TTouch (das erste «T» steht für trust, Vertrauen) wird hauptsächlich eingesetzt, um das Verhalten und die Gesundheit positiv zu beeinflussen. Die Methode reduziert den Stress und vertieft gleichzeitig die Beziehung zum Tier, führt zu Entspannung und verleiht Wohlbefinden. Nicht nur dem Tier, sondern auch derjenigen Person, welche die «Touches» ausführt. Der grosse Vorteil dieser Methode: Sehr rasch können TTouches selber angewandt werden.

Ob die Tellington-Methode für alle Tiere geeignet ist? «Ich habe schon Elefanten ‹getoucht›, Tiger, Panther, Schildkröten und war in vielen Zoos», sagt Tellington. Mit Tiermedizinern und Universitätsprofessoren pflegt sie weltweit gute Beziehungen; auch zum Zürcher Zoo, wo sie einmal bei einem stark erkälteten Schneeleoparden die Genesung einleitete. «Die TTouches sind für alle Tiere gut», sagt Linda Tellington. Ebenso für den Menschen, auch am eigenen Körper lässt sich TTouch gut anwenden. Eine Minute sich selber die Ohren ausstreichen, und das Kopfweh verschwindet.

Wer Tellington-TTouch macht, wird sehr schnell spüren, dass da viel passiert. Es sei einiges mehr, als wenn man während des Fernsehens den Hund oder die Katze kraule, sagt Linda Tellington-Jones. «Es ist eine ganz bewusste, qualitätsvolle Kommunikation» – und darum beste Beziehungsarbeit.

TTouches sind mehrheitlich kreisende Bewegungen (ein und ein Viertelkreis) mit Händen und Fingern am ganzen Körper sowie an bestimmten Stellen. Es ist keine Massage im klassischen Sinn und wirkt nicht primär auf die Muskeln ein. TTouch stimuliert das Nervensystem, erfordert darum nur eine relativ geringe Druckstärke. Dabei werden die Körperzellen und Nervenbahnen so aktiviert, dass alle Gehirnwellen und beide Gehirnhälften gleichzeitig angeregt werden.

Der Londoner Wissenschafter C. Maxwell Cade, Biophysiker und Zen-Meister, hat die Wirkung der TTouches mittels Elektroenzephalogramm untersucht und nachgewiesen. Inzwischen sind zahlreiche wissenschaftliche Studien über die TTouch-Methode gemacht worden. Die Behandlungen führten in allen Fällen zu einer merklich ruhigeren Atmung und tieferen Herzfrequenz. Blutanalysen wiesen eine frappante Reduktion von Stresshormonen aus.

Tellington-TTouch zufällig entdeckt

Linda Tellington wuchs in Kanada mit Pferden auf, war erfolgreiche Reiterin und setzte sich mit dem Training und der Rehabilitation von Pferden auseinander. In Übersee galt sie in Pferdezucht- und Pferdesportkreisen früh als Kapazität. Mit ihrer auf Pferde ausgerichtete Bewegungs- und Aktivierungstherapie nach Feldenkrais hatte sie in den 70er-Jahren bereits Erfolge. Sie sei zufällig auf ihre eigene Methode gestossen, sagt Linda Tellington.

Es war 1983, als sie gebeten wurde, sich eine als nervös und aggressiv geltende Stute anzusehen. «Ich habe sie zuerst mit meinen Händen berührt und kreisende Bewegungen auf ihrer Haut gemacht. Das Pferd entspannte sich», erzählt sie. Die Besitzerin sei völlig erstaunt gewesen und habe eine Erklärung haben wollen. Sie habe der Besitzerin die Bewegungen nochmals gezeigt. Inzwischen hat sie «Tellington TTouch» entwickelt und zu einem weltweiten Markenzeichen gemacht. Mehrere Dressur- und Springreiter haben es dank der Tellington-Methode inzwischen zu Weltmeistertiteln und Olympiasiegen gebracht.

Bodenarbeit und Bandagen

Wichtige Bestandteile der Tellington-Methode nebst den TTouches sind die Bodenarbeit und die Körperbandagen. Bei der Bodenarbeit wird das Tier ruhig durch einen Parcours geführt, was Balance, Körperbewusstsein, Lernfähigkeit und Gelassenheit fördert. Die Tiere werden dabei befähigt, sich in neuen Situationen schneller und besser zurechtzufinden. Die Körperbandage – dabei wird der Körper mit breiten Bandagen an bestimmten Körperpartien eingepackt – fördert das Körpergefühl und -bewusstsein ebenso, wirkt beruhigend und entspannend und wird bei hyperaktiven oder unsicheren Hunden sowie bei Stress, Ängsten (beispielsweise bei Feuerwerk oder Gewitter) eingesetzt.

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