Leben

Kurbäder und Kunst kombiniert – das gibt es nur im Südwesten Englands

Die heilende Wirkung des Wassers gab der Kurstadt ihren Namen: Bath.

Die heilende Wirkung des Wassers gab der Kurstadt ihren Namen: Bath.

Bristol und Bath: Die Städte im Südwesten Englands könnten unterschiedlicher nicht sein. Sie lassen sich aber perfekt kombinieren.

Malerisch schlängelt sich der Fluss Avon durch den Südwesten Englands, vorbei an grünen Hügeln und englischen Farmhäusern. Auf seinem Weg zum Meer durchfliesst er das schmucke Städtchen Bath, in dem es scheint, als wäre die Zeit stehen geblieben. Alte georgianische Häuser in gelbbraunen Farben reihen sich aneinander. Die Strassen sind belebt, Strassenmusiker spielen an jeder Ecke.

Den Aufschwung erlebte die Stadt im 16. Jahrhundert, als Königin Elisabeth I. Bath besuchte. Die Menschen erfuhren von der heilenden Wirkung des Wassers. Bäder wurden errichtet, und Bath wurde zur Kurstadt. Seit 1987 gehört sie zum Unesco-Weltkulturerbe.

Die eigentlichen Entdecker des heilenden Wassers waren aber die Römer vor 2000 Jahren. Sie erbauten Thermen um die natürlichen heissen Quellen herum. Nachdem die Römer abgezogen waren, versanken die Bäder im Schlamm. Die Überreste wurden erst im 19. Jahrhundert wieder entdeckt.

Kurstadt Bath: Zauberhaft und wohltuend

Zu Zeiten von Elisabeth I. erfolgte eine Kur durch das dreistündige Baden in der Therme sowie das anschliessende Trinken von sechs Litern Wasser im «Pump Room». Im giftgrünen Wasser wird schon längst nicht mehr gebadet. Die römischen Bäder lassen sich jedoch bei einem Museumsrundgang besichtigen, und im «Pump Room» kann vom Spa-Wasser probiert werden. Dazu gibt es typisch englischen Afternoon-Tea mit Gurkenbrötchen und Scones. Jenes britische Gebäck, das beim Nachmittagstee mit Butter und Konfitüre gegessen wird.

Auch schon Jane Austen verbrachte zu Lebzeiten den einen oder anderen Nachmittag in dem grossen prachtvollen Saal des «Pump Room». Die Schriftstellerin wohnte einige Jahre in der Stadt. Zu ihren Ehren wurde ein Museum, das Jane-Austen-Center, eingerichtet. Zudem feiern die Briten jährlich im September das Jane-Austen-­Festival. In einem ihrer Bücher schrieb sie: «Oh! Who can be ever tired of Bath?» (sinngemäss: Wem kann jemals die Lust an Bath vergehen?) Das romantische Städtchen am Fluss Avon hat etwas an sich, das verzaubert.

Der Kontrast ist umso grösser, wenn dem Flussverlauf des Avon weiter gefolgt wird und rund 20 Kilometer später die Hafenstadt Bristol erscheint. Mit dem Schiff dauert ein solcher Ausflug mehrere Stunden, mit dem Auto lediglich 45 Minuten. Bristol, die grösste Stadt im Südwesten Englands, punktet im Gegensatz zu Bath mit seinem jungen, modernen und urbanen Flair sowie mit einem regen Nachtleben.

Bei Tageslicht fallen die bunten Street-Art-Kunstwerke von Banksy und seinen Nachahmern auf oder die farbig aneinandergereihten Häuser im noblen Stadtteil Clifton. So hipp Bristol auch sein mag, auch hier gibt es Historisches zu entdecken. Bristol ist seit Jahrhunderten eine wichtige Hafenstadt für den Handel. Bis heute werden Waren aus aller Welt hierhin verfrachtet.

Kunst auf der Strasse: In Bristol ziert die Street-Art von Banksy die Hauswände.

Kunst auf der Strasse: In Bristol ziert die Street-Art von Banksy die Hauswände.

Hafenstadt Bristol: Hipp und doch historisch

In Bristol lässt sich ein wichtiges Schiff aus dem 19. Jahrhundert im originalen Baudock bestaunen: Die SS Great Britain ist der ganze Stolz der Einheimischen. Sie war das erste propellergetriebene Schiff aus Eisen das 1845 in nur 14 Tagen den Ozean überquerte. Entworfen hatte sie der Konstrukteur Brunel, der auch das Wahrzeichen der Stadt, die «Suspension Bridge» gestaltete. Lange Zeit war die SS Great Britain als Passagierschiff im Einsatz, bevor sie als Emigranten- und Kohletransportschiff genutzt wurde. 1970 wurde das viktorianische Schiff wieder nach Bristol überführt, wo es heute als Attraktion bestaunt werden kann.

Noch heute sind der Hafen, die Schiffe und das Wasser wichtige Bestandteile der Stadt; dort spielt sich das soziale Leben ab. Die Menschen vergnügen sich in den Bars und Restaurants entlang des Flusses, Kinder gehen Kajak fahren. Wasser hat Bristol sowie Bath zu jenen interessanten Städten gemacht, die sie heute sind. Und obwohl sie verschiedener nicht sein könnten, ergänzen sie sich perfekt.

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