Johannesburg versinkt im Verkehrschaos. Jeden Tag rollen immer mehr Busse und Pendlerautos in die wachsende Metropole. Die zentralen Verkehrsadern sind verstopft. Als wären die Staus noch nicht schon genug, kommt es immer wieder zu Problemen mit der Ampelschaltung, die das Verkehrschaos verschärfen. Die «Roboter», wie die Ampeln im südafrikanischen Englisch heissen, sind besonders bei Regen störungsanfällig.

Der Grund für diese Pannen liegt jedoch nicht nur in Unfällen oder Stromausfällen, sondern in Kriminalität. Dreiste Diebe haben es auf die Kabel der Ampeln abgesehen, aus denen sie Kupfer extrahieren und das Metall auf dem Schwarzmarkt verscherbeln. Durch den globalen Anstieg der Rohstoffpreise ist der Diebstahl lukrativ geworden. Die Kriminellen schrecken auch nicht davor zurück, ganze Ampelsysteme zu demolieren, um an das begehrte Metall zu gelangen.

Die Reparaturarbeiten an Ampeln in Johannesburg verschlingen Millionen.

Die Reparaturarbeiten an Ampeln in Johannesburg verschlingen Millionen.

Ungenierter Täter

Bei einem Diebstahl, der auf einer Überwachungskamera festgehalten wurde, sieht man, wie ein Mann mit einer Axt auf eine Ampel einschlägt, während seine zwei Komplizen Wache halten. Auf einem anderen Video ist zu sehen, wie ein Täter ungeniert einen ganzen Ampelmast über seinem Kopf transportiert, als würde er zu einer Baustelle marschieren. Die Verkehrsbehörde der Stadt, die Johannesburg Roads Agency (JRA), schätzt, dass durch den Diebstahl in den letzten drei Jahren ein Schaden von über 17 Millionen Franken durch Reparaturmassnahmen und Wiederaufbauarbeiten entstanden ist.

Das Problem trat erstmals 2011 zutage, als Diebe SIM-Karten aus den neuen High-Tech-Ampeln ausbauten und diese in Mobilfunktelefone einsetzten. Die SIM-Karten und Modems wurden in die Verkehrssysteme integriert, damit diese über Satellit und Internet Informationen empfangen können. Doch die Stadtplaner haben die Rechnung ohne die Kriminellen gemacht.

Diebe richten auf Johannesburgs Strassen Millionenschaden an

Diebe richten auf Johannesburgs Strassen Millionenschaden an

Diebstahl und Vandalismus richten in Johannesburg in Südafrika einen Millionenschaden an. Dieben drohen nun Gefängnisstrafen von bis zu 30 Jahren. (Beitrag in Englisch)

Innerhalb eines Jahrs wurden allein in Johannesburg 200 Back-up-Batterien aus Ampeln gestohlen. Auch andere Städte wie Pretoria und Cape Town sind von dem Problem betroffen.

Die Stadtverwaltung von Johannesburg will nun gegensteuern und hat gemeinsam mit der Ortspolizei eine neue Spezialeinheit aufgebaut, die die Ampeln vor Vandalismus und Diebstahl schützen soll. Die Infrastructure Protection Unit (IPU), wie die Einheit heisst, soll an den neuralgischen Punkten der Stadt patrouillieren und präventiv wirken. Durch den Ampelklau entsteht nämlich nicht nur ein unmittelbarer materieller Schaden, sondern auch ein mittelbarer volkswirtschaftlicher Schaden durch erhöhte Stauzeiten. Wenn die Ampeln nicht funktionieren oder gar nicht mehr vorhanden sind, stehen die Pendler länger im Stau und sind unproduktiv.

Verkehrsbehinderungen

Die Verkehrsdezernentin von Johannesburg, Christine Walters, wird auf der offiziellen Website der Stadt mit den Worten zitiert: «Zerstörte Ampeln als Folge von Diebstahl haben einen kaskadenhaften und multiplizierenden Effekt auf das wirtschaftliche Wachstum, den Transport sowie auf die Waren-, Personen- und Dienstleistungsfreiheit.» Es ist schon grotesk: Der Klau von Kupferkabeln führt zu Verkehrsbehinderungen.

Um die Diebe abzuschrecken, will der Staat härter durchgreifen und drakonische Strafen verhängen. Im Juni trat ein Gesetz in Kraft, das den Diebstahl von Verkehrsinfrastruktur einem Kapitalverbrechen gleichsetzt. Den Dieben droht eine Haftstrafe von bis zu 30 Jahren, so lange wie bei Mord. Zusätzlich wurden im ganzen Stadtgebiet Überwachungskameras und Vibrationserkennungssysteme installiert, die die Polizei in Echtzeit alarmieren sollen.

Gleichzeitig wurde technisch abgerüstet. An einigen Ampeln wurden Metallteile durch Nylon und Plastik, die Mechanik durch dünnere und weniger wertvolle Kupferkabel ersetzt. Aufmerksame Bürger sind angehalten, jede illegale Aktivität telefonisch oder per Mail an die Verkehrsbehörde melden. Der Kampf gegen die Ampeldiebe scheint keine Grenzen zu kennen.