Die Gesichtspeeling-Verpackung ist auf der Rückseite vollbedruckt mit Informationen. Der verständliche Abschnitt handelt davon, wie gut es für die Haut ist. Der Unverständliche von den Inhaltsstoffen. Dazu gehören auch verschiedene Mikroplastikstoffe wie etwa Nylon 12, Acrylate Crosspolymer oder der bekannteste, Polyethylen.

Mit einer App können wir nun herausfinden, welche Mikroplastikstoffe in unseren Peelings und Duschgels stecken. Der grösste deutschsprachige Online-Produktratgeber Codecheck hat seine Mikroplastikerkennung erweitert. Man scannt den Barcode und das Produkt wird bewertet. Auf dem Handy erscheint ein rot-grüner Kreis. Grüne Stellen signalisieren positive Inhaltsstoffe, rote bedeuten negative Stoffe wie etwa Mikroplastik. Das sind kleinste Kunststoffteilchen, die über das Abwasser in Seen und das Meer fliessen. Laut dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland gelangen durch eine Tube Peeling bis zu 2,8 Millionen solcher Teilchen in die Gewässer. Die Stoffe haben eine wasserabweisende Oberfläche und ziehen Schadstoffe an, welche Meereslebewesen wie Fische oder Muscheln aufnehmen.

Hersteller in der Schweiz wollten verzichten

Verschiedene Kosmetikhersteller in der Schweiz, Deutschland und Österreich haben 2014 beschlossen, in ihren Produkten auf Mikroplastik zu verzichten. Das tun sie aber nicht. Das zeigt eine Studie von Codecheck und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Zwischen 2014 und 2016 untersuchten sie dafür 103 000 Kosmetikprodukte. Die Studie hat gezeigt, dass jedes dritte Gesichtspeeling und mehr als jedes zehnte Körperpeeling Polyethylen enthält. «Mikroplastik befindet sich auch in Produkten, in denen es bisher kaum vermutet wurde», sagt Franziska Grammes von Codecheck. «Polyquaternium 7 steckt beispielsweise in jedem vierten untersuchten Duschgel und Nylon 12 in jedem zehnten Make-up.» Das seien Stoffe, die nach wissenschaftlichen Definitionen als Mikroplastik einzustufen seien. Deshalb fordert der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland ein EU-weites Verbot von Mikroplastik in Kosmetik, das neben Polyethylen weitere Kunststoffe beinhaltet.

In den USA und in Kanada ist Mikroplastik zum Teil verboten. In der Schweiz gab es 2014 eine Motion von Nationalrat Balthasar Glättli, der in der Schweiz ebenfalls ein Verbot einführen wollte. Der Bundesrat lehnte die Motion ab. Er bezog sich auf eine Studie der ETH Lausanne. Gemäss dieser Studie macht industriell hergestelltes Mikroplastik, wie beispielsweise die in Pflegeprodukten verwendeten PE-Kügelchen, nur einen verschwindend kleinen Anteil des gesamten Mikroplastiks aus.