Leben

Kinder sind keine Pandemietreiber

Kinder sind weniger ansteckend. Die Möglichkeit einer Übertragung besteht aber schon.

Kinder sind weniger ansteckend. Die Möglichkeit einer Übertragung besteht aber schon.

Kinder können sich mit Sars-CoV-2 infizieren, sind aber trotzdem weniger infektiös als Erwachsene. Auch zeigen Kinder viel öfter keine Symptome und werden selten krank.

Eltern sind verunsichert und fragen: Falls der Bundesrat den Amateursport abklemmt, warum gilt das auch für Kinder, und darf das Grosi noch hüten? Fakt ist: Kinder sind keine Pandemietreiber. Eine Science-Studie aus China zeigt, dass das Ansteckungsrisiko bei unter 14-Jährigen nur ein Drittel so hoch ist wie bei Erwachsenen. Diese Erkenntnis gilt immer noch, bestätigt Christian Kahlert, Facharzt für Infektiologie am Ostschweizer Kinderspital.

Auch die Zahlen in der Schweiz zeigen, dass die symptomatischen Corona-Erkrankungen bei den Kindern deutlich seltener sind. «Obwohl es Hinweise gibt, dass sie gleich häufig Kontakt mit dem Virus haben», sagt der Infektiologe. Das zeigt die Studie «Ciao Corona» der Universität Zürich. Die Antikörperbestimmung in der Schulzeit von Juni bis Juli ergab, dass die Schulkinder gleich viele Antikörper entwickelt hatten wie zufällig ausgewählte Erwachsene in der gleichen Region.

Auch Nicht-Infizierte Kinder zeigen Corona-Symptome

Auch hat sich gezeigt, dass Symptome, die sich nach Corona anfühlen, bei Schulkindern keinen Hinweis auf eine Corona-Infektion geben müssen. Gemäss der Studienleiterin und Epidemiologin Susi Kriemler zeigten 73 Prozent der Schulkinder während der untersuchten Zeitspanne Corona-typische Symptome. Doch die Negativ getesteten Kinder gaben ebenso oft solche Symptome an wie die positiv getesteten.

Die Antikörper-Untersuchung der Uni Zürich bestätigt andere Studien, die feststellten, dass sich Kinder kaum in der Schule infizieren, sondern eher im privaten Umfeld und in der Familie. Christian Kahlert sagt:

Die Gründe dafür sind noch nicht vollständig klar, aber es gibt gemäss Kahlert verschiedene plausible Hypothesen. «Zudem ist intuitiv nachvollziehbar, dass die Reichweite und das Ausmass der Tröpfchenverteilung in die Umgebung zwischen einem zehn Kilogramm schweren Kind und einem acht mal schwereren Erwachsenen massiv unterschiedlich ist», sagt der Infektiologe am Ostschweizer Kinderspital.

Kaum Symptome

Kinder können die gleiche Virenlast wie Erwachsene haben, sich infizieren, zeigen aber kaum Symptome und erkranken sehr selten an Covid-19. Im grossen Ostschweizer Kinderspital gab es zum Beispiel bisher nur wenig positiv getestete Kinder und noch keine Hospitalisation wegen Covid-19. Dieser in der Regel milde Verlauf könnte einer der Gründe und eine der oben genannten Hypothesen sein, warum Kinder weniger infektiös sind. Weil sie nicht krank werden und keine Symptome haben, husten und niesen sie ihren Gschpänli und Grosseltern trotz Ansteckung weniger ihre Viren ins Gesicht. Eine weitere mögliche Erklärung ist, dass das angeborene, unspezifische Immunsystem bei Kindern das neuartige Coronavirus effizienter abwehrt als das bereits trainierte Immunsystem der Erwachsenen. Das heisst das Kinder eher Allrounder-Antikörper produzieren, um alle möglichen Viren oder Bakterien bekämpfen zu können.

Autor

Bruno Knellwolf

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