Nach dem Mittagessen

Keine Lust mehr auf die Firmen-Kantine? Dann gehen Sie doch zu Gerda!

Die Erfinder Stefan und Tobias

Die Erfinder Stefan und Tobias

Keine Lust mehr, immer in der Kantine zu essen oder das Sandwich vor dem PC zu vertilgen? Dann ist Margrit vielleicht bald eine gute Alternative am Mittag.

Er macht gerade den Abwasch. Es gab Zitronen-Knobli-Poulet mit mediterranen Herdöpfeln und Salat. Für 16 Franken. Inklusive Mineral und Kafi. Gekocht hat Stefan Ganz.

Er ist kein Koch, hat auch kein Restaurant. Seine Gäste, Mischa und Michael, waren bei ihm zu Hause in Zürich Wiedikon. Er hat die beiden zuvor noch nie gesehen. Dennoch haben die drei Männer aus ganz unterschiedlichen Branchen eine Stunde am Mittagstisch angeregte Gespräche geführt.

Sich mittags bei fremden Leuten zu Hause an den Tisch setzen und mit ihnen Zmittag essen, das ist das Konzept von «Margrit», einem Zürcher Start-up. Gestern schalteten die Brüder und Gründer, Stefan und Tobias Ganz, ihre Plattform online.

Gerda macht einen Gemüsetopf

Die Zürcher möchten damit unterschiedliche Menschen an Mittagstische bringen. Denn auf der einen Seite sind da die unzähligen Arbeitenden, die viel Geld für schlechtes Essen ausgeben, in der Kantine immer dasselbe speisen oder schnellschnell ein Sandwich am Platz hinunterschlingen. Und auf der anderen Seite Seniorinnen, Familien und Studenten, die Zeit haben, gerne kochen und auch noch ein, zwei Plätze an ihrem Tisch frei haben. Warum diese beiden nicht zusammenbringen?

Gastgeber und Gäste finden sich auf der Website «margr.it». Man gibt den Ort, den Tag und die Personenanzahl ein, dann werden einem die verschiedenen Privatpersonen, die ihren Mittagstisch in der Nähe anbieten, vorgestellt.

Mit Namen, einer Personen-Beschreibung und dem Preis. Bezahlt wird im Voraus per Kreditkarte, und zwar sobald einem der Koch als Gast akzeptiert hat. 15 Prozent sind Service-Gebühr und gehen an Margrit.

Da wär zum Beispiel Gerda, die Morgen in der Nähe der Basler Uni einen veganen asiatischen Gemüsetopf an Kokosmilch und Palmzucker zaubert. Für 17 Franken.

Derzeit gibt es 100 Registrierte auf der Plattform, es sollen aber noch viel mehr werden in der ganzen Schweiz.

Wir denken, dass es in Städten und Agglomerations-Gemeinden gut funktionieren kann. In ländlichen Gebieten ist die Dichte an Köchen und Gästen vielleicht zu gering – aber wer weiss?», sagt Mitgründer Stefan Ganz.

Mitmachen können alle. Wichtig ist den Brüdern, dass selber gekocht wird. Also nichts mit Tiefkühlpizza-in-den-Ofen-Schieben.

Aber es könne von der Expertin, die ihr 3-Gang-Menü etwas teurer anbiete, bis zum Studenten, der eine günstigere Spaghetti-Bolo macht, alles sein. Freude am Kochen und am Bewirten, das muss natürlich gegeben sein.

Bei Grosi war es immer fein

Doch für Stefan Ganz gibt es neben dem guten Essen noch einen wichtigen Punkt: das Treffen von neuen Leuten. Das sei das Wertvollste.

Immer öfter gibt es Abendessen, wo sich fremde Menschen in einer Wohnung treffen und gemeinsam den Abend an einer Tafel verbringen.

Die Ganz-Brüder wollen diese Pop-up-Abende nun mittags in die Schweizer Wohnungen und Häuser bringen.

Auf die Idee kamen die Gründer durch ihre Grossmutter. Sie wuchsen in einem 800-Seelen-Dorf bei Winterthur auf, die Eltern arbeiteten.

Mittags kochte Grosi immer ein feines Menü für die Buben. «Wir freuten uns über das Essen und sie freute sich, dass wir Leben in ihre Küche brachten. Solche Momente möchten wir nun für alle schaffen», erklären die Brüder.

In der Stadt angekommen, in stressigen Jobs, haben sie selber erfahren, wie es ist, mittags oft nur etwas Unbefriedigendes zu verspeisen. Sie vermissten das gute Essen von Oma.

Nun hat Stefan seinen Job gekündigt und setzt auf Margrit. Er will selbst einmal die Woche Gäste empfangen und freut sich auf die zahlreichen Begegnungen. Das Grosi von Stefan und Tobias heisst übrigens Margrit.

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