In Zeiten von Frankenstärke, Billigflügen und Preisdumping in der Hotellerie hat es der Tourismus schwer. Nun vermelden die Schweizer Jugendherbergen allerdings gute Nachrichten: Sie, die in der Zwischenkriegszeit gegründet wurden, um jungen Menschen einfaches und vor allem kostengünstiges Reisen zu ermöglichen, zeigen in der diesjährigen Sommersaison erfreuliche Tendenzen. Die Buchungen liegen 6 Prozent über dem Vorjahresstand. Dabei reihen sich in den Schweizer Jugendherbergen längst nicht mehr nur Massenschläge aneinander. Und kein Gast schläft mehr in Baumwollschlafsäcken. «Wir passen uns der neuen Marktsituation an und entwickeln uns kontinuierlich weiter», erklärt Fredi Gmür, CEO der Organisation Schweizer Jugendherbergen. So wurde das Netzwerk konsolidiert, in Gebäude investiert und die Ausstattung modernisiert.

Moderne Anlage für Fitness und Wellness in rustikaler Bergwelt: Das findet man in der Jugi in Saas-Fee.

Moderne Anlage für Fitness und Wellness in rustikaler Bergwelt: Das findet man in der Jugi in Saas-Fee.

Weniger ist mehr

Die rund 200 Herbergen, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts aus dem Boden schossen, haben sich inzwischen auf 52 Herbergen reduziert. Ähnlich wie bei den Hotels hat sich unter ihnen ein 3-Klassen-System etabliert. Dabei subventionieren die beliebteren und zentralen Unterkünfte die entlegeneren Jugi quer und garantieren so, dass das Netzwerk schweizweit erhalten bleibt. Doch nicht nur die Quantität der Herbergen hat sich verändert. Auch in die Qualität der Schweizer Jugendherbergen ist in den letzten Jahren investiert worden. So sehr, dass die «NZZ am Sonntag» unlängst sogar fragte, ob die Schweizer Jugi nicht die cooleren Hotels sind.

Mehr Komfort für weniger Geld

Ob cool oder nicht, stylisher als früher geht es in den Jugi mit Sicherheit zu und her. Das zeigen insbesondere die aufwendigen Umbauten, die an den Unterkünften in Basel, Saas-Fee oder aktuell in der Jugendherberge Bella Lui in Crans-Montana vorgenommen wurden. Dabei erfolgt kein Umbau ohne ein architektonisches Konzept, das auf den Prinzipien Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit, aber auch auf Komfort aufgebaut ist. So zieren neben restaurierten historischen Räumen und Regenduschen neu auch immer mehr Designermöbel die Schweizer Jugendherbergen.

Der historische Charme wurde beim Umbau der neuen Jugendherberge in Crans-Montana beibehalten.

Der historische Charme wurde beim Umbau der neuen Jugendherberge in Crans-Montana beibehalten.

Nicht nur damit nähern sich die einstigen Schnellhotels für Junge der Hotellerie an: Auch in Sachen Privatsphäre haben die Herbergen aufgestockt. Die alten Massenschläge sind inzwischen geräumigen Doppel- und Familienzimmern gewichen. Der Unterschied zum Hotel: Trotz zunehmenden Komforts bleiben die Preise tief. Sie sinken gar. Das geht, weil die teureren Doppelzimmer günstigere Preise bei den Mehrbettzimmern ermöglichen.

«Im vergangenen Jahr haben wir unser Angebot insbesondere für Familien und Senioren attraktiver gestaltet», sagt Gmür. Während die Preise für Einzelpersonen je nach Zimmerkategorie und Unterkunft variieren, bezahlen Familien für ein Kind von 6 bis 12 Jahren neu pauschal 25 Franken. Unabhängig von der Zimmerkategorie und inklusiv Frühstück. Auch Rentner zahlen weniger. Das sind zwar nicht die ursprünglich bedachten Gästekategorien. Sie bilden aber mit den Jungen die Gäste, die die Jugi bevölkern. Jugi bleiben aber Jugi. Nach wie vor gibt es die langen Tische fürs Gemeinschaftsessen, den rudimentären Zimmerservice und die Nachtruhe um 22 Uhr.