Jedes zehnte Pferd reagiert allergisch auf Insektenstiche. Sie entwickeln nässende Wunden und Schwellungen um die Einstichstelle. Nun hat ein Forscherteam der Universitäten Bern, Zürich und Oxford mithilfe eines lettischen Forschungszentrums einen neuen Impfstoff gegen Allergien entwickelt. «Der Anteil allergischer Pferde steigt», sagt Antonia Fettelschoss-Gabriel, die dazu an der Universität Zürich eine Studie bei Islandpferden durchgeführt hat. Auch bei den Hunden nehmen allergische Erkrankungen zu. Spitzenreiter ist dabei die Neurodermitis. Diese Hauterkrankung führt dazu, dass die Tiere sich ständig kratzen und Fell verlieren. Manche erkranken gar an den entzündeten Infekten der aufgekratzten Stellen.

Die neue Impfung verschafft den erkrankten Tieren tatsächlich Linderung, wie die Studie zeigte. Nach der Behandlung mit dem therapeutischen Impfstoff hatten die allergischen Hunde viel weniger Juckreiz als zuvor. Auch der Zustand der Pferde verbesserte sich mit der Impfung: Sie verloren weniger Fell.

Bislang richteten sich Impfstoffe gegen einzelne Allergene, wie Gräser, Insekten oder Hausstoffmilben. Die neue Impftechnologie der Schweizer Universitäten wirkt nun unabhängig vom Auslöser der Allergie. Dabei schulen die virusähnlichen Partikel des Impfstoffes das Immunsystem, die allergische Überreaktion in der Haut, die sich in starkem Juckreiz zeigt, zu mildern. Die halbjährliche Impfung helfe dem allergischen Pferd, ähnlich wie ein nicht-allergisches Pferd zu reagieren.

Asthma im Visier

«Dieses System kann auf jede chronische Erkrankung angewendet werden», sagt Fettelschoss-Gabriel. Da der neue Impfstoff das Immunsystem nicht unterdrückt, sondern unterstützt, soll er besonders für ältere oder abwehrgeschwächte Tiere Erleichterung bringen. Über ihre Erfolge berichten die Forscher in zwei Artikeln, die vergangene Woche im «Journal of Allergy and Clinical Immunology» erschienen sind. Als Nächstes wollen sie nun eine Studie zur Behandlung von Asthma mittels Impfung in Angriff nehmen. Die neu gewonnenen Erkenntnisse sollen somit nicht nur geplagten Tieren, sondern auch chronisch kranken Menschen dienen.

Auch andere Forschungsgruppen suchen nach Impfungen gegen Allergien. So gelang es an der Universität Michigan, Erdnussallergie bei Mäusen zum Verschwinden zu bringen. Nun soll erforscht werden, wie sich das auf Menschen übertragen lässt. Bis anhin könne man nur das Essen vermeiden oder die Immunreaktion unterdrücken, sagte Jessica O’Konek, Hauptautorin der Studie, in einer Medienmitteilung vom Mittwoch. Ihr Ziel sei, einen Impfstoff für Allergiker auf den Markt zu bringen, der die Reaktion des Immunsystems gegen gewisse Nahrungsmittel verändere.