Predigerkirche

Im Basler Covid-Testzentrum: «In manchen Gesprächen flossen Tränen»

Das Basler Testzentrum befindet sich gleich neben dem Universitätsspital in der Predigerkirche.

Das Basler Testzentrum befindet sich gleich neben dem Universitätsspital in der Predigerkirche.

Patienten suchten im Basler Testzentrum auch ein offenes Ohr – etwa bei der Medizinstudentin Caroline Wirz.

«Viele Menschen, die im Basler Testzentrum vorbei kamen, befanden sich in einer Ausnahmesituation. Entsprechend suchten zahlreiche Personen das Gespräch mit uns. Vor allem Alleinstehenden tat es sichtlich gut, wenn ihnen jemand zuhörte. Dass wir ihnen neben der medizinischen Abklärung auch eine mentale Unterstützung bieten konnten, fand ich schön. Einige Menschen kamen mir sehr einsam vor.

Zur Person

Caroline Wirz Medizinstudentin im sechsten Jahr und Mitarbeiterin im Basler Testzentrum.

Caroline Wirz

Medizinstudentin im sechsten Jahr und Mitarbeiterin im Basler Testzentrum.

Allgemein sorgten sich die meisten um ihre Gesundheit oder um jene der Angehörigen. ‹Was geschieht mit mir, wenn ich mich mit dem Coronavirus infiziert habe? Habe ich möglicherweise jemanden aus meiner Familie angesteckt?› – diese Fragen und Ängste dominierten. Die Ungewissheit belastete die Menschen teilweise stark. In manchen Gesprächen flossen Tränen.

Andere sorgten sich eher um uns, um die Mitarbeitenden im Testzentrum. Sie hatten Angst, dass sie uns anhusten und anstecken könnten. In diesen Fällen half Humor oder ein lockerer Spruch. Angst, dass ich mich durch die Arbeit mit dem Virus infizieren könnte, habe ich nicht. Ein gewisses Risiko bleibt immer – aber durch die Ausrüstung sind wir gut geschützt.

Wenn sie nicht im Testzentrum arbeitet, lernt sie zu Hause für ihr Staatsexamen

Anders als bei meinen ersten Einsätzen Ende März lassen sich inzwischen deutlich weniger Menschen mit Verdacht auf Covid-19 testen. Ich treffe auf sie, nachdem eine Ärztin oder ein Arzt beim Eingang des Testzentrums eine Einschätzung gemacht hat. Je nach Posten notiere ich die Symptome im Detail, mache den Nasenabstrich oder kläre Risikopatienten und Menschen mit auffälligen Symptomen wie hohem Fieber und Atemnot weiter ab. Dafür messe ich etwa ihren Puls oder Blutdruck.

Pro Woche übernehme ich zwei Dienste im Testzentrum. Ansonsten lerne ich zu Hause für mein Staats­examen im Herbst. Ich studiere im sechsten Jahr Medizin. Als ich im März den Aufruf erhielt, dass die Spitäler zusätzliches Personal brauchten, war für mich klar, dass ich mich melde. Dafür wurde ich ja ausgebildet.

Wie sich ein solcher Abstrich anfühlt, weiss ich von früher – aus der Zeit vor Corona. Angenehm ist es nicht. In den vergangenen zwei Monaten sassen aber Patienten vor mir, die keine Miene verzogen. Andere litten mehr.

Ob ich noch länger im Testzentrum arbeiten werde, weiss ich nicht. Das hängt davon ab, wie sich die Situation entwickelt. Bis ich mein Staatsexamen abgeschlossen habe, stehe ich aber zur Verfügung.»

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