Tausende Kinder sollen in den 80er Jahren in Sri Lanka illegal mit gefälschten Dokumenten zur Adoption freigegeben worden sein. Sarah Ramani Ineichen ist eines dieser Kinder. Trotz glücklicher Kindheit wurde der Wunsch, ihre leibliche Familie kennenzulernen, immer grösser. In der Sendung «TalkTäglich» auf Tele Züri spricht sie über dieses Abenteuer.

Zum ersten Mal klar wurde der kleinen Sarah im Kindergarten, dass sie adoptiert worden ist. «Die Eltern haben einem Kind gesagt, dass man mich als Baby nicht wollte. Dieses Mädchen kam dann zu mir und hat mir gesagt: Deine Eltern haben dich ausgesetzt.»

Die kleine Sarah Ramani als Baby.

Die kleine Sarah Ramani als Baby.

Mit dem Vornahmen Ramani kam sie 1981 in Sri Lanka zur Welt, laut Geburtsurkunde am 23. Februar. Mittlerweile hat Sarah Ramani Ineichen herausgefunden, dass ihre Geburt nicht registriert worden ist. Emotionen habe sie sowieso nie verspürt an ihrem Geburtstag: «Es gab keine Geschichten dazu, keine Bilder.»

Eine korrekte Angabe gab es aber in der Geburtsurkunde: die Adresse der Mutter, ein Haus in einem Slum. Tage- und Nächtelang habe sie auf Google Earth nach dem Haus gesucht.

Sarah Ramani Ineichen heute mit ihrem Mann und ihren drei Kindern.

Sarah Ramani Ineichen heute mit ihrem Mann und ihren drei Kindern.

Aufgewachsen ist Sarah Ramani Ineichen im Kanton Nidwalden, heute ist sie Hebamme, verheiratet und hat selbst drei Kinder. 

«Die Explosion»

Lange habe sie nie das Bedürfnis gehabt, ihre leibliche Mutter kennen zu lernen. Doch dann kam es zur Explosion, wie sie sagt. «Es fällt alles von einem ab und man hat einen so starken Drang, dass man jede Nacht davon träumt, seine Mutter zu finden. Ihre beste Freundin bot ihr an, mitzukommen auf ihre Suche nach Sri Lanka.

Und dort, im Slum, traf sie tatsächlich auf einen Mann, der in ihr ihre Mutter wiedererkannte, und die beiden und ihren Dolmetscher zur Hütte einer älteren Frau führte. Ineichen: «Es stellte sich heraus, dass diese Frau die damalige Nachbarin meiner Mutter war.» Sie habe auch erzählt, dass die Mutter gedrängt worden ist, ihr Baby wegzugeben.

Begegnung in Sri Lanka: Sarah Ramani Ineichen im Haus der Nachbarin ihrer Mutter.

Begegnung in Sri Lanka: Sarah Ramani Ineichen im Haus der Nachbarin ihrer Mutter.

Sie hätte Angst gehabt, auf die Suche zu gehen. «Man weiss ja nicht, was man antrifft. Ich wusste, jetzt muss ich für alles bereit sein.»

«Wenn einem jemand zum ersten Mal im Leben sagt, du siehst aus wie deine Mutter, das ist sehr emotional», sagt Ineichen. Gerne würde sie ihre Mutter fragen können, ob sie selbst entscheiden konnte, ob sie ihr Kind weggeben will oder nicht.

Mit ihrer Cousine hat Sarah Ramani Ineichen bisher die einzige Blutsverwandte gefunden. Aber die Suche ist für sie noch nicht zu Ende. Sie fordert, dass Menschen in ähnlicher Lage mehr Unterstützung von den Behörden bekommen. (smo)

Adoptionsbetrug in Sri Lanka

Adoptionsbetrug in Sri Lanka

Sehen Sie hier die Sendung «TalkTäglich» mit Sarah Ramani Ineichen in voller Länge.